Kleidung ist bis heute ein Statussymbol bei allen Völkern. So gelten etwa Länge und Krümmung der Peniskalebassen mancher indigener Ethnien in Papua-Neuguinea noch bis in unsere Tage als Zeichen des Ranges seines Trägers. Dennoch waren Völkerkundler erstaunt, als sie auch bei einem Stamm namens Bajuwaren tatsächlich noch Reste von sogenannten Genitalpräsentationen entdeckten, gemeinhin unter dem Namen Charivari bekannt.

Derartige Phallokrypten, wie die Gelehrten liebevoll sagen, sind freilich nur Teil eines Dresscodes, der Lederhosen, Haferlschuhe, Gilets und vieles mehr umfasst - und der selber wiederum nur die extremste Ausformung eines politisch-normativen Stils darstellt. Wie Ethnologen jetzt entdeckten, hängt die Street-Credibility eines Politikers entscheidend davon ab, was er wann anzieht - und wann besser nicht.

Erste Erfahrungen hat ja der designierte CSU-Landtagskandidat Alfred Grob bei der Turmschreiberlesung machen dürfen. Sozialisiert in dem kleinen Dorf Haunstetten auf der einsamen Hochfläche der Fränkischen Alb, trat Grob in einem schwarzen Anzug auf - und nicht in Tracht. Doch Grob hatte noch Glück, in ihrer bekanntlich sehr dezenten Art umging Brigitte Fuchs den kleinen Fauxpas diskret. Bei anderen Veranstaltungen soll ja in Fällen von politisch motiviertem Nonkonformismus oder Renitenz schon mal der Begriff "Deppenhaufen" fallen - hört man. Aber auch das ist eine andere Geschichte. . .

Natürlich darf und muss ein CSU-Mann auch den klassischen schwarzen Anzug anlegen - er muss nur wissen, zu welcher Gelegenheit. Wie sehr dies kleidet, zeigen OB Christian Lösel und seine Vorgänger auf dieser Seite. Doch wollen wir Alfred Grob gerne zugestehen, dass er dazugelernt hat. Beim politischen Aschermittwoch seiner Partei war er im dafür üblichen Raiffeisen-Smoking erschienen: etwas zu enge Hose, Trachtenjacke und weißes Hemd.

Doch müssen wir - wir machen das wirklich nicht gerne - schon wieder rumnörgeln. Grob trug nämlich keine Krawatte, sondern ein Trachtenhemd mit Stehkragen! Lieber Grob-Fredl, wir meinen es ja nur gut mit Ihnen, aber das war jetzt schon leicht übers Ziel hinausgeschossen. Eiserne Regel bei Defiliermarsch oder Bayernhymne: Trachtenjacke, aber weißes Hemd mit Kragen und Krawatte! Und bloß nicht übertreiben mit dem Folklore-Hollereidulljöh! Wir wollen ja alle nicht, dass Sie am Schluss noch bei Genitalpräsentationen landen . . .