Doch ausnahmsweise wollen wir uns nicht mit den Befindlichkeiten der Sozialdemokratie befassen, weil das 1. den Rahmen dieser Spalte und vermutlich der gesamten Ausgabe sprengen würde und 2. die Sozen wahrscheinlich selber nicht so genau wissen, wie es denn derzeit um ihre Gemütslage bestellt ist. Nein, unser Augenmerk liegt tatsächlich auf den Haaren im Gesicht. Und mal ehrlich: Wir haben es schon immer geahnt. Politiker mit Vollbart können vielleicht Revolutionär in Mittel- oder Südamerika werden, aber deutscher Bundeskanzler?

Ganz anders bei den alten Griechen. Bei denen wurden die berühmtesten Philosophen wie Platon oder Sokrates stets mit pogon, also Vollbart, dargestellt. Ebenso im bisweilen ziemlich menschlich anmutenden antiken Götterhimmel. Nur die obersten Bosse wie Zeus, Hades oder Poseidon trugen dort wallendes Haupthaar und dichte Locken im Gesicht, alle anderen waren bartlos.

Auch die alten Römer kannten sich bestens aus bei den Barbaren. "Et aliis Germanorum populis usurpatum raro et privata cuiusque audentia apud Chattos in consensum vertit, ut primum adoleverint, crinem barbamque submittere, nec nisi hoste caeso exuere votivum obligatumque virtuti oris habitum", schrieb Tacitus einst ganz locker in seiner "Germania": "Das auch von anderen Völkern Germaniens, doch selten und unter persönlichem Wagemut des Einzelnen Praktizierte, hat sich bei den Chatten zur allgemeinen Sitte gestaltet: Sobald sie herangewachsen sind, Haar und Bart wachsen zu lassen, und nur nach Tötung eines Feindes die angelobte und der Tapferkeit verpfändete Tracht ihres Antlitzes abzulegen."

Pogon oder barba: Was auf Latein und Altgriechisch bestens klappte, ist im ach so smarten digitalen Zeitalter nicht so einfach, wie der Verfasser dieser Zeilen erfahren musste. Um nicht irgendwann auszusehen wie Karl Marx für Arme, wollte er seinen Bart in Form bringen lassen. Dafür gibt es in Ingolstadt eine Adresse, die Männer zu Helden macht. Doch mit einem Anruf dort ist es nicht getan. "Wenn Du einen Termin ausmachen willst, kannst Du den online buchen", erklärt der nette junge Mann am anderen Ende der Leitung. Den Einwand, dass man doch deswegen miteinander spreche und das gleich am Telefon regeln könne, lässt er nicht gelten, obwohl noch Termine frei sind. Also setzt man sich hin, sucht die Adresse im Internet und schreibt eine Mail. Und dann? Muss man sich entweder mit einem Passwort anmelden oder eine Frage auf Englisch beantworten! Irgendwie war manches früher einfacher. . .