Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Die Klamotten kommen aus Bangladesch und demnächst vom Primark, das Papier wird aus der blauen Tonne recycelt. Und selbst auf der Reeperbahn werden keine Hanftaue mehr gedreht, sondern völlig nichtsahnende, anständige Touristen aus Bayern von Drag-Queen Olivia Jones in zweifelhafte Etablissements geschleppt, praktisch ohne dass sie sich wehren können. Da langt hinterher Bettbrunn nicht mehr, da braucht es dann schon die große Wallfahrt nach Altötting!

Wir wissen natürlich nicht, was Marlene Mortler dazu sagt. Vermutlich nix, weil es ja nicht ihre Aufgabe ist. Doch beim Thema Hanf, so war aus gewöhnlich gut unterrichteten CSU-Kreisen zu erfahren, soll die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Legalisierungs-Ansinnen bisher stets in aller Entschiedenheit mit den Worten abgelehnt haben: "Das kommt nicht in die Tüte".

Dabei blickt der Hanfanbau bei uns auf eine lange Tradition zurück. Bereits das Königlich-Bayerische Intelligenzblatt berichtete in seiner Ausgabe von 1824 über den "XV. Kulturkongress zu Ingolstadt", dass der Hanf in Gaimersheim bereits eine Höhe von "sechseinhalb Schuh" erreicht habe. Interessant ist auch das Ergebnis einer Untersuchung der Biologin Barbara Zach, die im Zuge einer archäobotanischen Forschung die Pflanzenreste in einem 3,5 Meter mächtigen Erdschnitt aus der Wagnerwirtsgasse analysierte. Nutzpflanzen kamen nur in geringen Mengen vor, es wurden Gemüse, Obst und Gewürze gefunden - und Hanf.

Man sieht: Das Kraut ist nicht nur ein Rauschmittel, sondern eine uralte und vielseitig nutzbare Kulturpflanze, die heute unter bestimmten Bedingungen sogar medizinisch verwendet werden kann - oder besser gesagt könnte. Denn das ist gar nicht so einfach, wie der Fall Luigi Spangenberg zeigt (DK berichtete gestern). Aber so ist das halt des Öfteren in der Politik: Manche Gesetze und Verordnungen kann man wirklich nur in der Pfeife rauchen.