Tourismusmanager bekommen im doppelten Sinne feuchte Augen beim Gedanken an die fremdenverkehrlichen Segnungen dieses Ortes, und was daraus gemacht werden könnte, was gemacht wird und was gemacht werden will. Oder sie verlassen die Stadt nach Osten.

Landesfestung, Reinheitsgebot, Illuminaten, Frankenstein, Landesausstellungen, Landesgartenschauen - ein Highlight nach dem anderen wird aufgeboten. Oder wird durch ein Jubiläum zwangsweise auf den Tisch gespült; wie vor zwei Jahren das Bier oder heuer Frankenstein. Dass die Leute den Kanal noch lange nicht vollhaben vom Feiern, beweist die wiederkehrende Forderung nach einem jährlichen Bürgerfest. Nun, so würden selbst die weit gereisten Herren Baedecker und Humboldt sagen, kann man sich mit einem Fress-und-Sauf-Fest eher weniger ins Gespräch bringen (außer man heißt natürlich München). Mit einem Bierbrunnen zur Feier des Reinheitsgebots und Speiseeis zur Feier von Frankensteins Geburtstag ebensowenig.

Der Doktor und seine Kreatur verstellen sowieso den Blick darauf, dass heuer eigentlich ein anderes Jubiläum im Vordergrund stehen sollte, weil es von einer tiefliegenden Alltagsrelevanz ist, uns alle betrifft, zwar nicht immer beschäftigt, aber doch interessieren sollte. Auf Funktionalität und Funktionieren sind wir dringend angewiesen. Mehr auf alle Fälle als auf Bier und Frankenstein. "115 Jahre Entwässerung in Ingolstadt" stehen an. Die Tourismusprofis tüfteln noch am Festprogramm. Es lässt sich aber jetzt schon sagen: Es dürften rauschende Abende werden. Abwasser marsch.