Messestadt auf dem Volksfestplatz: Das seit Jahrzehnten im Zweijahresrhythmus gewohnte Bild der miba dürfte auch im Frühjahr 2019 abermals so gewonnen werden können ? dann aber wird erstmals die Schweinfurterin Katherina Köhler Regie führen.
Messestadt auf dem Volksfestplatz: Das seit Jahrzehnten im Zweijahresrhythmus gewohnte Bild der miba dürfte auch im Frühjahr 2019 abermals so gewonnen werden können ? dann aber wird erstmals die Schweinfurterin Katherina Köhler Regie führen.
Foto: Hammer (Archiv)
Ingolstadt
Im Juni vorigen Jahres ist Heinrich Sandner, "Mister miba", einem Herzinfarkt erlegen. In die Betroffenheit über seinen plötzlichen Tod hatte sich bei vielen Wegbegleitern alsbald die Sorge um die Zukunft seines Unternehmens gemischt, das über Jahrzehnte hinweg nicht nur die Ingolstädter Verbraucherschau, sondern auch vergleichbare Messen in Schweinfurt (ufra) und Regensburg (dona) veranstaltet hat. In der Ingolstädter Kommunalpolitik war allerdings auch die Frage gestellt worden, ob nun nicht zwangsweise eine Ära zu Ende gehen müsse. Schließlich hatte die miba mit zuletzt rund 70000 Besuchern nicht mehr als der Publikumsmagnet gegolten, der er vormals einmal war.

Sandners Witwe Gertie Liedtke-Sandner hat im vergangenen Herbst schwer darum gekämpft, die miba gegen den Widerstand von Skeptikern in den Stadtratsfraktionen zu retten. Insbesondere in Reihen der Freien Wähler und der Bürgergemeinschaft gab es erhebliche Bedenken, ob eine zehntägige Sondernutzung des größten Parkplatzes in Innenstadtnähe mit allen (weit länger wirksamen) Weiterungen für den Straßenverkehr noch in die Landschaft passt. Mit Versprechungen zu einem neuen Ausstellungskonzept und zu einem besseren Parkplatzmanagement im Umfeld hat die Unternehmenserbin ihrem Anliegen schließlich eine breite Mehrheit im Stadtrat gesichert. Davon, dass sie ihre Firma nach diesem Plazet verkaufen wollte, war seinerzeit gegenüber den Politikern allerdings nicht die Rede.

Nun ist aber genau das passiert, und einige Beobachter sind nicht einmal überrascht darüber. Der Verkauf habe sich "so im Laufe der Zeit ergeben", sagte Gertie Liedke-Sandner jetzt auf DK-Anfrage. Sie habe nach dem Tod ihres Mannes zwar geglaubt, das Unternehmen weiterführen zu können ("Es war ein hartes halbes Jahr"), doch dann sei bei ihr die Einsicht gereift, das womöglich doch nicht lange durchstehen zu können. Und: "Es hat sich eine Möglichkeit aufgetan, die ich nicht ablehnen konnte."

Die Offerte kam aus dem eigenen Haus: Katherina Köhler (35) hat bereits seit 2006 für die Sandner GmbH gearbeitet, war nach eigenen Worten zuletzt die rechte Hand des vormaligen Chefs. Ihr (und einem kleinen Kreis weiterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) war offenbar genauso wie der Witwe des Messemachers daran gelegen, das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen. Ende Januar ist die Sandner GmbH, die diesen Namen behalten wird, auf Katherina Köhler übergegangen. Für die gebürtige Schweinfurterin, die (ebenso wie einige weitere Angestellte) elf Jahre lang nach Ingolstadt gependelt war, lag es nahe, den Sitz des Unternehmens in ihre unterfränkische Heimat zu verlegen.

In Schweinfurt soll vom 29. September bis zum 7. Oktober auch die nächste Unterfrankenschau (ufra) stattfinden - ganz in der Tradition Heinrich Sandners und quasi als erste Bewährungsprobe der neuen Unternehmensleitung, die als Zeitrahmen für die nächste Mittelbayerische Ausstellung auf ihrer Homepage den 6. bis 14. April 2019 vorgibt. Aus Regensburg zieht sich die Sandner GmbH allerdings zurück. Hier war die dona bereits 2016 mangels ausreichender Ausstellerzahl ausgefallen, ein neuer Anlauf für dieses Jahr war offenbar ebenfalls misslungen.

Für Ingolstadt werde aber wieder in der bekannten Größenordnung (rund 350 Aussteller) geplant, man fühle sich darüber hinaus den von Gertie Sandner den Stadträten gegebenen Zusicherungen verpflichtet, sagte Katherina Köhler gestern dem DONAUKURIER. Das heißt, dass es bei der miba 2019 im Rahmenprogramm zu Änderungen und Anpassungen kommen soll. Bewährtes wie die Tierhalle solle es auf jeden Fall wieder geben, hinzu komme aber auch eine neue Familienhalle mit Angeboten, an denen der Stadtjugendring und die evangelische Jugend mitwirken sollen.

Ein wichtiges Kriterium ist aus Sicht der Stadt (und vieler Bürger) die Parkplatzsituation am Rande und im Umfeld der Messestadt. Hier verspricht die neue Chefin, auf jeden Fall 200 Stellplätze auf dem Volksfestplatz für die Öffentlichkeit freizuhalten. Die bislang durchaus fruchtbare Zusammenarbeit mit der INVG (die Eintrittskarte zur Messe ist zugleich Freikarte für An- und Rückfahrt mit dem Bus) soll es weiterhin geben, wie Gertie Liedtke-Sandner beteuert, die für ihr früheres Unternehmen weiterhin beratend tätig sein will.

In ersten Reaktionen aus der Kommunalpolitik klang gestern auch unter vormaligen Skeptikern durchaus Verständnis für den Eigentümerwechsel bei der Messegesellschaft an. Diese Entwicklung sei für jeden ernsthaften Beobachter absehbar gewesen, hieß es in einer Kommentierung. Gewiss ist allerdings auch, dass Stadträte und Rathausspitze die miba 2019 besonders kritisch beobachten werden. Mit einem gewissen Vorbehalt muss auch die neue Veranstalterin leben.

Kommentar:

Dass es mit dem überraschenden Tod Heinrich Sandners im vorigen Sommer um die Existenz seines Messeunternehmens ging, war nur zu klar.
Dass seiner Witwe viel daran gelegen war, die Zukunft der miba zu sichern und damit den Marktwert ihrer Firma zu erhalten - allzu verständlich.

Der Stadtrat hat schließlich mitgespielt und der Messegesellschaft grünes Licht für 2019 gegeben. Ohne dieses Signal wären bei der Sandner GmbH womöglich die Lichter ausgegangen. Das Beispiel der dona in Regensburg zeigt, wie schnell einer Messe die Luft ausgeht, wenn man in dieser Branche den Tritt verliert.

Nun also hat in aller Stille der von vielen Beobachtern erwartete Besitzerwechsel stattgefunden, und die der Politik von der vormaligen Geschäftsführung versprochenen Neuerungen ("Facelift") bei der traditionsreichen Messe auf dem Volksfestplatz müssen von der neuen Inhaberin eingelöst werden. Dass sie das Unternehmen jetzt von Schweinfurt aus managt, mögen Lokalpatrioten bedauern, muss in Zeiten der Internetkommunikation allerdings nicht befremden - auch wenn die Stadt nun einen Steuerzahler weniger hat.

Mit der miba 2019 wird sich also zeigen, ob die Verbraucherschau generell und an diesem Platz im Besonderen eine Zukunft hat. Es dürfte allerdings auch die letzte Chance sein. Dieser Schuss muss sitzen.