Lange genug geht das Thema in Ingolstadt schon durch die Presse. Schön, dass nun wenigstens ein geeigneter Platz gefunden wurde. Allerdings wird auch dieses Modell nur einen räumlich begrenzten Erfolg bringen, denn ein angestammtes Taubenpaar wird seine lieb gewonnene Unterkunft (wie etwa unter Solarmodulen) nicht aufgeben, wenn der Zugang dazu nicht verwehrt wird.

Was mich als Brieftaubenliebhaber allerdings an diesem Artikel stört, ist, dass den Brieftaubenzüchtern mit der Aussage von Umweltreferent Rupert Ebner quasi die Schuld an der Problematik gegeben wird. Dies geschieht leider in diesem Zusammenhang immer wieder. Es mag sein, dass sich die eine oder andere Reisetaube temporär zu ihren Verwandten gesellt. Bleiben wird kaum eine, da sie wieder ihren Heimatschlag aufsuchen wird. Auch mit den Fressgewohnheiten der Stadttauben sind Brieftauben nicht vertraut, denn Pommes und andere Essensabfälle gehören nicht zu ihrem Futter.

Ich möchte Herrn Ebner und seinen Gleichgesinnten in diesem Zusammenhang nur zwei Fragen stellen: Wie erklären Sie das globale Stadttaubenproblem in Erdteilen, in denen der Reisetaubensport noch nie eine Rolle spielte? Warum sehen wir bei den Stadttauben so außergewöhnliche Farben, die in Brieftaubenbeständen so gut wie nicht vertreten sind? Da gab es zum Beispiel auch Haustaubenbestände, denen bei Auflösung einfach der Zugang zu ihrem Schlag verwehrt wurde. Generell stammen alle diese Tauben von der Felsentaube ab, und die hat sich im Laufe von Jahrtausenden eben als Kulturfolger erwiesen und die Nähe des Menschen zu nutzen gelernt. Man darf nicht vergessen, dass das Verhältnis in den vergangenen Jahrhunderten ein anderes war. Früher waren die heute ungeliebten Gesellen unter anderem gerne gesehene Fleisch- und Düngerlieferanten.
Uwe Bauer, Ingolstadt