Dieser Leserbrief spiegelt vermutlich sehr genau, was die große Mehrheit der Ingolstädter denkt: "Die (Migranten) sollen froh sein, dass sie ein Dach über dem Kopf und was zu essen haben, anstatt sich auch noch zu beschweren" - leider oft aufgrund mangelnder Informationen über die tatsächliche Situation.

Wir haben es hier bei den Transitzentren mit einer wirklich menschenunwürdigen Form der Unterbringung zu tun, es werden Menschen sozusagen zu "Flüchtlingen zweiter Klasse" abgestempelt. Es geht nicht darum, dass sich ein paar Nörgler über schlechtes Essen beschweren. Es wurde ein Gesamtpaket geschnürt, um den Menschen das Leben hier so unangenehm wie möglich zu machen: Sie werden ständig von Security bewacht, die Zimmer lassen sich nicht absperren, auch nicht die Duschen, was vor allem für Frauen und Kinder eine ständige Angst bedeutet. Die Kinder dürfen zum großen Teil keine reguläre Schule besuchen. Es gibt keine Arbeitsgenehmigungen, das Taschengeld beträgt 120 Euro.

Und warum werden diese Menschen in Kasernen und "Container-Festungen" zusammengezogen? Weil sie aus bestimmten Ländern zu uns gekommen sind und ihnen nur aus diesem Grund eine "geringe Bleibeperspektive" zugeschrieben wird. Dass die Leute dann tatsächlich oft mehrere Jahre hier bleiben, scheint niemanden zu interessieren. Ich möchte nicht einmal zwei Wochen so leben müssen.

Ich habe andere Flüchtlingsunterkünfte gesehen, wo es einen Kühlschrank auf dem Zimmer, einen Schlüssel für die Tür und eine Gemeinschaftsküche gibt. Man kann kommen und gehen, ohne ständig kontrolliert zu werden. Dort haben sich die Menschen wohlgefühlt, konnten sich ein Minimum an selbst bestimmtem Leben erhalten, und niemand wäre dort auf die Idee gekommen, sich zu beklagen.

Die Menschen in den Transitzentren beschweren sich völlig zu Recht, nicht weil sie überzogene Ansprüche haben.

Gudrun Winter, Ingolstadt

Ehrenamtliche der Caritas

 

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Die ehemalige Luftwaffenkaserne in Oberstimm wurde auch für Rekruten in der Grundausbildung benutzt. In denselben Räumen, in denen früher acht Mann während der Grundwehrdienstzeit auf derselben Fläche 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche der Bundesrepublik zur Verfügung zu stehen hatten, beschwert man sich nun, es wäre für fünf Personen zu eng. Wir wurden damals ebenfalls bunt durcheinander gewürfelt, es gab unterschiedliche Charaktere aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten. Als Soldaten waren wir in unseren Grundrechten eingeschränkt und konnten auch nicht tun und lassen, was wir wollten. Gab es damals vergleichbare Tumulte? Wir hatten situationsbedingt sogar Zugang zu Waffen. Nichts dergleichen ist passiert.

Die Schuld auf die Security zu schieben, finde ich zu kurz gedacht, wenn man überlegt, wieso dort ein Sicherheitsdienst eingesetzt werden muss. Würden sich alle Bewohner korrekt verhalten, wäre dieser nämlich nicht notwendig. Wer von der Hand in den Mund lebt, kann sich nicht alles wünschen und aussuchen und sollte ein bisschen Dankbarkeit und Demut zeigen für die großartige Chance, die er bekommen hat, hier in diesem Land kostenlos leben zu dürfen. Wenn der Konflikt wirklich entstanden ist, weil eine Frau das empfangene Taschengeld nicht richtig zählen konnte, ist das wirklich unglaublich. Wenn jemand den korrekten Empfang quittiert hat, dann jedoch später Forderungen stellt, er habe zu wenig erhalten, ist das meiner Meinung nach schlichtweg nicht mehr beweisbar, genauso wie wenn ich an der Supermarktkasse nicht nachzähle und dann irgendwann später zurückkomme und behaupte, ich habe zu wenig Wechselgeld erhalten. Das fällt unter die Kategorie persönliches Pech.

Thomas Schläfer, Ingolstadt