Verfolgt man die Zeitungsberichte und Leserbriefe bezüglich des Elisabeth-Hospizes und dessen ehemaligen Geschäftsführer Franz Hartinger, fragt man sich: Worum geht es eigentlich? Es geht um die Menschen, welche einen Ort zum Ruhen und Ankommen brauchen, Menschen, welche Menschen auf ihren letzten Weg begleiten mit allem, was dieser Weg mit sich bringt. Allerdings geht es in den Berichten der Verantwortlichen, gleich welcher Position, nicht darum! In den Berichten geht es um Anklage und um Verteidigung. Die Bälle werden hin und her geworfen.

Herr Hartinger als ehemaliger Geschäftsführer der Elisabeth-Hospiz-GmbH ist nicht allein verantwortlich für das Geschehen, die fehlerhafte Belegung zugunsten wirtschaftlicher Profite. Als Geschäftsführer ist er weisungsgebunden, er bewegt sich also innerhalb eines Rahmens, welchen die Gesellschafter vorgeben. In den ersten fünf Jahren des Elisabeth-Hospizes war das Klinikum mit 74 Prozent Hauptgesellschafter und der Hospizverein (mit einem Angestellten des Klinikums als Vorsitzenden) trug mit 26 Prozent den kleineren Anteil. So müssen zuerst die Gesellschafter in den Blick genommen werden, da diese die Rahmenbedingungen vorgeben! Auch unter Vorsitz von Dr. Jens Böhm und Hans Pütz und den mittlerweile veränderten Mehrheiten der Gesellschafter nach fünf Jahren lief der Geschäftsführer erst mal weiter, obwohl die fehlerhafte Bettenbelegung bereits seit einiger Zeit bekannt war. Eine gemeinnützige GmbH darf keinen wirtschaftlichen Profit machen, werden Überschüsse erzielt, müssen sie wieder gemeinnützig eingesetzt werden.

Natürlich ist das Vorgehen von Herrn Hartinger beklagenswert, denn als verantwortungsvoll handelnder Mensch wäre es seine Pflicht gewesen, sich möglichen unmoralischen Vorgaben zu widersetzen. Demnach kann ihm natürlich ein Vorwurf gemacht werden, aber eben nicht ihm allein. Genauso und in erster Linie sind die Gesellschafter in die Pflicht zu nehmen, da es ihrer Verantwortung obliegt, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche im Sinne des Palliativ- und Hospizgedankens liegen.

Es geht in den Berichten allerdings noch um etwas anderes. Es zeigt die menschliche Verwerflichkeit und Niedertracht im Umgang miteinander! Sich gegenseitig über den Weg der Öffentlichkeit schlecht zu machen ist wohl eine der unmoralischsten Möglichkeiten, welche man wählen kann. Geradezu lächerlich ist es, wenn in eben diesen Berichten von Moral und Verantwortung gesprochen wird, gar noch von Wertschätzung oder Vertrauen. Wie kann jemand Anspruch darauf erheben, der dies selbst scheinbar (und dieses Vorgehen vermittelt dies) nicht erfüllen kann? Beschämend, traurig und unfassbar ist es, dass Menschen, welche die einfachsten zwischenmenschlichen Voraussetzungen im Umgang miteinander, wie miteinander statt übereinander zu reden, nicht erfüllen können, so wesentliche Positionen innehaben und mit ihrem Handeln ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich Hilfe, Schutz und Beistand Sterbender und deren Angehöriger, nicht gerecht werden.

Denn die notwendige Aufgabe, welche gerade diese sensible Thematik erfordert, ist die stetige Reflexion gerade der Verantwortlichen. Und so müssen sich ein Dr. Jens Böhm, Hans Pütz sowie die Herren Halbauer und Reuther sowie alle ehemaligen und aktuellen Vorstände, Verantwortliche und Gesellschafter die Frage stellen: "Was hat sich während meiner/unserer Zeit als Verantwortliche, konkret für den Gast, für den Sterbenden und seine Angehörigen zum Positiven verändert" Diese Frage sollte Auftrag, Ansporn, treibende Kraft, Mahnung des Handelns sein! Allein zu sagen: "Wir haben ein Hospiz eröffnet" oder "Wir nehmen jetzt 13 statt zehn Gäste auf" genügt nicht, dazu gehört mehr!

Dem Leser als Außenstehenden stellt sich die Frage, worum es allen diesen Persönlichkeiten eigentlich geht. Um persönliche Differenzen, um Macht, um Ansehen? Geht es irgendjemandem tatsächlich um hilfsbedürftige Menschen, um sterbenskranke Menschen und deren Angehörige? Dafür wäre allerdings in erster Linie Ehrlichkeit, Verantwortung, tatsächlich Moral und ein hohes Maß an Zwischenmenschlichkeit vonnöten! Deshalb also der Appell: Wenn Sie weiterhin ernst genommen werden wollen, tun Sie das, wozu Sie in Ihre jeweiligen Ämter gewählt wurden! Tun Sie das auf anständige, faire Weise und ohne dabei das Ansehen ihrer Organisationen in der Öffentlichkeit zu beschädigen.

Ilse Stramonovik, Ingolstadt