Die Entscheidung über einen dritten Nationalpark in Bayern ist leider ein Politikum. Aus fachlicher Sicht sind die wertvollsten Bereiche der Auwälder und frei fließenden Strecken entlang Donau und Isar als Hotspot der Artenvielfalt zweifelsfrei nationalparkwürdig. Eine faszinierende Wald-Fluss-Wildnis, ein Refugium für seltene Arten, Ort der Wissenschaft und Gesundheit, ein einmaliges Naturerlebnis direkt vor unserer Haustür!

Die Stadtspitze zeigt keinerlei Engagement, gibt sich betont neutral, auch wenn ein Nationalpark in unmittelbarer Nähe erwiesenermaßen ein wichtiger weicher Standortfaktor und eine Jahrhundertchance für unsere Stadt ist, deren Image derzeit immer noch von Ölraffinerien und dem zweifelhaften Ruf als Ursprung des Dieselskandals geprägt ist.

"Es geht um andere Werte", um Josef Göppel zu zitieren, aber auch um Verantwortung: Laut Bundesregierung sollen bis 2020 zwei Prozent der Landesfläche als Wildnisfläche ausgewiesen sein; kümmerliche 0,6 Prozent wurden bisher umgesetzt. Deutschland und Bayern sind bei dem Ziel "Natur Natur sein lassen" ebenso wie bei den Klimazielen wahrlich keine Vorreiter.

Ist das schon der Anfang vom Ende eines möglichen Nationalparks? Nein. Ein "Aufgeschoben" ist kein "Aufgehoben". Die Debatte um die Schutzwürdigkeit der Auen bleibt. Ängste, Emotionen mischen sich mit Halb- und Fachwissen. Wir hätten eine Infoveranstaltung jetzt dringend nötig gehabt. Ministerin Scharf wollte sich dem Dialog stellen. Der designierte Ministerpräsident Söder verfolgt offensichtlich andere Ziele. Ob seine Initiative "Natur-Heimat.Bayern" nur ein Ablenkungsmanöver oder ein wirklicher Aufbruch für mehr Naturschutz wird, bleibt genauestens zu beobachten. Ob er auf eine Mehrheit der Bevölkerung, die einen Nationalpark befürwortet, als mögliche Wählerstimmen verzichten kann? Horst Seehofer bezeichnete die Ausweisung zum 3. Nationalpark als eine historische Entscheidung. Liebe Politiker, entscheiden Sie bald und richtig - für unsere Stadt, unsere Natur und für unsere Zukunft!

Lena Maly-Wischhof

Bund Naturschutz Ingolstadt

 

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Da freue ich mich, dass sich vor kurzem in Neuburg eine Initiative gebildet hat, die sich für einen Nationalpark Donauauen einsetzt, nachdem bisher - ohne dass Näheres bekannt geworden wäre - das lautstarke "Nein" des Bauernverbandes zu hören war. Da vernimmt man dann vor kurzem vom designierten Ministerpräsidenten eine "schnelle" Entscheidung. Man ahnt schon, wie diese ausfallen wird, und schon liest man, Scharf sagt ihre geplante Veranstaltung ab. Ja, Bayern ist ein einiges Land, und wenn einer dagegen ist - außer es sind die "Sozis" oder die "Grünen" -, dann gibt es eben keinen Nationalpark. Das heißt, es sind immer ausgesuchte Menschen, die dafür sein müssen.

Zum Beispiel kommt es bei der Skischaukel am Riedberger Horn auf die etwa 1000 Einwohner von Balderschwang und Bolsterlang an - und nicht etwa auf die Fremden wie die Naturschützer, die ja gar nicht dort wohnen. So kommt es bei den Donauauen auch nur auf die Grundbesitzer an, in deren Namen der Bauernverband spricht, obwohl noch nicht einmal bekannt geworden ist, welche Einschränkungen damit verbunden sind, wie man solche einverständlich lösen könnte und ob es nicht vielleicht auch Vorteile geben könnte. Sagt man aber von vorneherein "Nein", hätten wir wohl auch 1835 keine Eisenbahn bekommen. Die widerborstigen Grundbesitzer hat man damals einfach nicht gefragt. König Ludwig I. hat es erlaubt.

Im Ernst: Die kritischen Befürchtungen des DK teile ich voll und ganz. Die beiden Nationalparks, die wir in Bayern haben, sind für mich ein großer Erfolg. In Berchtesgaden ist das offenbar unstrittig. Aber auch der Bayerische Wald, der so lange verteufelt wurde, ist es. Mittlerweile ist um den Lusen statt düsterer Fichten ein schöner Mischwald entstanden.

Für einen neuen Nationalpark braucht es keinen König mehr, sondern die Überzeugung einer Mehrheit. Und es ist Aufgabe des Staates, mit einer durchdachten Planung Vor- und Nachteile aufzuzeigen und die Mehrheit zu überzeugen. Ich glaube leider auf Grund der Vorgeschichte nicht an einen Aufschub, sondern an die Beerdigung des Nationalparks.

Ich bitte daher alle Interessierten, ihr Interesse zu bekunden. Wenn die öffentliche Hand nicht mehr in der Lage ist, Flächen für den Naturschutz zu reservieren, dann fürchte ich, dass wirklich nur private Bündnisse übrig bleiben, wie der Arche-Noah-Fonds des Landesbundes für Vogelschutz, der Geld zum Erwerb von geeigneten Grundstücken für den Naturschutz einsammelt. Bleibt noch die Erinnerung, dass einmal der Freistaat als erstes Bundesland ein eigenes Umweltministerium eingerichtet hat.

Reinhold von Großmann,

Ingolstadt