Es ist beschämend, wie Menschen in einer reichen Stadt wie Ingolstadt untergebracht sind. Es braucht nicht viel Einfühlungsvermögen, sich vorzustellen, dass Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, die viel in ihre Flucht investiert haben und die vermutlich furchtbare Erlebnisse hatten, am Ziel angekommen zusammengepfercht, isoliert und beschäftigungslos sind, sozial auffällig oder aggressiv werden, psychisch zusammenbrechen und zu "Fremdkörpern" gemacht werden.

Menschen können in einer menschlichen Gesellschaft nicht "Fremdkörper" sein! Es ist für die Asylbewerber inhuman und für uns alle ein Sicherheitsrisiko. Es ist ein zutiefst kurzsichtiges und unverantwortliches Handeln der zuständigen politischen Personen und Instanzen, solche Verhältnisse erst entstehen zu lassen. Diese Behandlung soll abschreckend wirken für Menschen, die sich vielleicht eine Flucht nach Europa überlegen. Aber es ist zu bezweifeln, dass diese Menschen erfahren, was sie hier erwartet. Die, die hier sind, werden ihren jammervollen Zustand vermutlich nicht ihren Familien mitteilen, die viel Geld gegeben haben, um die Reise zu ermöglichen. Eine Flucht steht auch unter einem gewissen Erfolgsdruck.

Warum ist es nicht möglich, die Menschen schon während des Asylverfahrens menschenwürdig zu behandeln? Das heißt, ihnen genügend Raum, genügend Begegnungsmöglichkeiten und eine sinnvolle Tagesgestaltung zu ermöglichen. Jeder Mensch braucht soziale und individuelle Anerkennung und eine Perspektive. Gebrochene Menschen können gefährlich werden, können sich radikalisieren und gewalttätig werden. Da ist mehr Polizei auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Polizeiarbeit kann soziale Arbeit nicht ersetzen und ist erst recht teuer.

In der Bibel heißt es: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Und es heißt weiter: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan." Das ist doch ein Auftrag, vor allem für jene, die sich so auf ihre christlichen Werte berufen oder gar als Partei christlich in ihrem Parteinamen führen.

Monika Müller-Braun

Migrationsrätin, Ingolstadt