So einfach kann man den Streit ums Kopftuchtragen bei einem Referat an der Technischen Hochschule Ingolstadt doch nicht abtun. Es wurde jahrelang gestritten, ob das Kopftuch im öffentlichen Bereich von Referendarinnen, Lehrerinnen oder Richterinnen getragen werden darf. Es gibt dazu zwei Verfassungsgerichtsentscheide und mehrere Landesgesetze. Einige der Argumente gelten meines Erachtens immer noch. So taucht öfters die Feststellung auf, dass das Kopftuchtragen der Musliminnen nicht religiös bedingt sei, auch wenn manche von ihnen dies glauben: Im Koran wird weder das Kopftuch noch die Ganzkörperverschleierung erwähnt oder vorgeschrieben.

Bis vor einigen Jahren war das Kopftuch fast verschwunden. Neuerdings ist es wieder weit verbreitet in Deutschland. Der Grund ist nach meiner Meinung, dass man sich in der Öffentlichkeit absetzen will und kein Interesse an echter Integration hat. Möglicherweise ist ein Grund auch die politische Entwicklung in der Türkei und der Druck der Väter, die ihre Töchter zur Anpassung zwingen. Manche Mädchen oder Frauen stehen aber auch mit eigener Überzeugung dahinter, oft - soweit ich informiert bin - in Unkenntnis der Geschichte des Islam und des Islamismus.

Den Hinweis des THI-Professors, dass ein Kopftuch in einer Vorlesung nicht angemessen sei und dass ein Student bei einem Referat sein Käppi abnehmen sollte, halte ich weder für diskriminierend noch für chauvinistisch. Man kann es zwar nicht verbieten, aber man kann an die Studierenden appellieren, es freiwillig abzunehmen. Der Professor hat nach meiner Meinung Zivilcourage gezeigt.

Erika Dietrich, Ingolstadt