Ingolstadt ist leider nicht so bunt, wie es viele und auch ich möchten. Wenn ich die Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahl in Ingolstadt anschaue, würde ich es eher als schwarz-braun ansehen. Rassismus ist leider wieder hof- und salonfähig bis in weite Bevölkerungsschichten geworden. Markus Söder argumentiert mit alternativen, AfD-nahen Fakten wie zum Beispiel, dass man den leider abgehängten Menschen, oder denen, die es zumindest fühlen, nicht vermitteln könne, viel Geld in die Aufnahme von Migranten zu stecken. Dadurch werde unseren deutschen Abgehängten das Geld entzogen. Völlig außen vor bleiben dabei Zusammenhänge, die nicht erst mit dem Zuzug von Migranten entstanden sind: prekäre Arbeitsverhältnisse, ein riesiger Dumpinglohnsektor, sachgrundlose Befristungen, Altersarmut, sinkende Renten, Frisieren der Arbeitslosenzahlen um fast eine Million, unbezahlbarer Wohnraum, keine Reichen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer, ein unzureichender Verbraucherschutz, eine krankmachende Umwelt sowie ein seit mindestens 20 Jahren dauernder Sozialabbau für die einen, während sich der geringste Teil der Bevölkerung über exorbitante Vermögenszuwächse freuen kann.

Rechts von der CSU darf es und wird es meiner Meinung auf die Dauer nichts mehr geben, denn Söder und die CSU arbeiten konsequent darauf hin mit einem 5-Punkte-Plan: 1. Ähnlich wie die AfD argumentieren, die Gesellschaft spalten, Ursachen dafür totschweigen. 2. Die gefühlte Stimmung der (auch scheinbar) Abgehängten aufnehmen, die AfD-Ziele integrieren. 3. Die Argumentation der AfD inkludieren, weil sie so einfach und plausibel erscheint. 4. Die AfD nach österreichischem Vorbild der ÖVP rechts überholen. 5. Letztendlich die AfD eliminieren, um alles von der bürgerlichen Mittelmäßigkeit bis zum rechten Rand unter CSU-Hoheit zu bringen.

Der Tagungsort Auwaldsee bietet sich geradezu an: Die CSU kann dort das Christliche und Soziale sowie die bayerische Verfassung gleich mit versenken. Die Verfassungswirklichkeit hat den Text und die Intention schon längst ad acta gelegt. Falls die AfD es auch nicht schafft, was die bürgerlichen Parteien nicht schaffen wollen oder können, nämlich die Ursachen des Abgehängt-Seins zu beseitigen, wird sie es auch nicht schaffen, eine "Koalition mit den Bürgerinnen und Bürgern" einzugehen. Dann kann sie den Staat auch nicht an die Bürger wie versprochen zurückgeben und muss womöglich mit der CDU/CSU und der FDP koalieren oder, wie bereits im Saarland geschehen, mit der CDU (überein-)stimmen.

Ein Weiter-so bleibt uns erhalten, Probleme werden ignoriert, verschoben, in schwülstige, nichtssagende Wort- und Ankündigungshülsen verpackt, die Chancen für eine durchgreifende Erneuerung wieder vertan und durch Eigenlob und Wortverschwurbelungen in Szene gesetzt, statt die Probleme anzupacken und zu lösen, damit Deutschland und seine Bewohner eine Chance bekommen, in einer gesunden Umwelt mit sozialer Gerechtigkeit und Wohlstand für alle zu leben.

Wolfgang Nördlinger,

Ingolstadt