Muss ein Pfarrer sein persönliches Grußwort vom Pfarrgemeinderat genehmigen lassen? Ich denke nicht. Wollen wir die Tatsache, dass die genannten geschichtlichen Ereignisse die gleichen negativen Auswirkungen auf die katholische Kirche hatten, schönreden oder verschweigen?

Die einzige Parallele, die Pfarrer Rossipal zwischen Reformation, Freimaurertum, Kommunismus zieht, ist, dass sie letztlich eine Erneuerung innerhalb der katholischen Kirche bewirkt und den Glauben gestärkt haben. Er vergleicht sie nicht miteinander.

Einige Leser haben dieses Grußwort scheinbar zu subjektiv gelesen und somit nicht im gemeinten Sinn interpretiert. Martin Luther hätte sicherlich zunächst das Gespräch mit Pfarrer Rossipal gesucht, bevor er sich an den Bischof oder gar die Presse gewand hätte. Leider ist das hier nicht geschehen.

Gabriele Wehling, Ingolstadt

 

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Reduziert man Martin Luther auf den Augustinermönch, dann mag Pfarrer Rossipal sogar recht haben, wenn er den Verlust dieses Mannes als "schweren Verlust" für seine Kirche bezeichnet. Lutheraner sehen das dagegen ganz anders und feiern den Reformator Martin Luther selbstbewusst, aber nicht überheblich, ein ganzes Jahr lang, und sie feiern nicht allein! Gerade Ingolstadt, die "Stadt der Gegenreformation", bietet zusammen mit ihrer Region eine Fülle von Vorträgen und Veranstaltungen, in denen Christen aller Schattierungen offen und zukunftsorientiert debattieren.

Nicht Rückbesinnung tut not in unserem Land, das zu Teilen zum Missionsgebiet geworden ist. Christen müssen sich Gedanken machen, wie sie in einer globalen Welt einen glaubhaften Beitrag zum Weltethos leisten können.

Doch zurück zu Herrn Pfarrer Rossipal: Es sollte "nur ein kurzes Grußwort" sein, es sei ihm auch nicht darum gegangen, die "Protestanten fertigzumachen". Und schließlich sein versöhnlicher Schluss: "Es kann sein, dass das jemand Evangelisches anders sieht, aber das darf er auch". Wohlan, was sagt der Philosoph: "Si tacuisses" (hättest du doch geschwiegen).

Klaus Heidenreich, Ingolstadt


 

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Als nach wie vor überzeugter Katholik beziehungsweise Christ habe ich den DK-Artikel über die Einlassungen des Dekans und Zucheringer Ortspfarrers Adolf Rossipal zur Reformation in dessen Oster-Pfarrbrief 2017 - zurückhaltend ausgedrückt - mit größtem Befremden zur Kenntnis genommen! Einen Vergleich der Russischen Revolution mit der Reformation Martin Luthers anzustellen, halte ich nicht nur thematisch für vollkommen verfehlt, sondern schlichtweg auch für einen Affront gegenüber der evangelischen Kirche. Wie zu vernehmen ist, soll dies in jüngster Vergangenheit ja auch nicht die einzige theologisch umstrittene Maßnahme (Messen in lateinischer Sprache) dieses eben aus diesem Grunde nicht völlig unumstrittenen Geistlichen gewesen sein.

Dass der Sekretär des Augsburger Bischofs Zdarsa (ein absolut "würdiger" Nachfolger von Bischof Walter Mixa!) seinen diözesanen Untergebenen in der Sache auch noch stärkt, verwundert nun nicht wirklich. Ist doch nicht nur Insidern der durchaus burschikose Umgang dieses schwäbischen Oberhirten mit seinen Laien noch in allzu guter Erinnerung.

Da kann es auch nicht als Entschuldigung gelten, wenn Pfarrer und Dekan Rossipal nun erklärt, er habe mit seinen Äußerungen eigentlich eine ganz andere Intention gehabt beziehungsweise etwas anderes ausdrücken wollen. Meiner Meinung nach hat er all jenen, welche sich, trotz aller zum Teil immer noch vorherrschenden klerikalen Widerstände, nunmehr zwischenzeitlich bereits seit Jahrzehnten zäh, unerschütterlich und geradezu vorbildlich um eine erfolgreiche Ökumene bemühen, welche ja letztendlich die Wiedervereinigung der (beiden) großen christlichen Kirchen zum Ziele hat, einen wahren Bärendienst erwiesen.

Maximilian Rödl, Ingolstadt