Mit dabei war die Familienhündin Lady.
Mit dabei war die Familienhündin Lady. In Ingolstadt machten sie eine Nacht lang Rast.
Hauser
Ingolstadt

Gegenüber dem Taschenturm stehen zu Stoßzeiten eng aneinander geparkt Autos. Neuankömmlinge suchen zunächst vergeblich in den vorderen Reihen des alten Volksfestplatzes eine freie Parklücke. Letzter Ausweg: hinten am Gebüsch parken. Besonders in der Ferienzeit wird es dort eng. Denn: Große weiße Wohnmobile blockieren die für Autos vorgesehenen Parkplätze. So manchem Camper bleibt kein anderer Ausweg, als mit dem umfunktionierten Parkplatz vorliebzunehmen. Denn die 13 Wohnmobilstellplätze sind ständig belegt.

Hinter dem Gebüsch, das die Autoparkplätze von den Campingstellplätzen trennt, stehen dicht an dicht die Wohnmobile. Teilweise parken die kleineren Camper auf der Grünfläche. An diesem Mittwoch stehen um 16 Uhr bereits 15 Wohnmobile auf der vorgesehenen Stellfläche mit 13 Parkbuchten. Zehn Camper müssen bereits auf den Autostellplätzen parken.

„Im Laufe des Abends wird das noch mehr“, betont Alex Blech. Gemeinsam mit seiner Frau ist er auf der Rückreise. Zwei Wochen verbrachten sie in Norditalien. Nach einem zweitägigen Aufenthalt in Ingolstadt fahren sie am nächsten Tag nach Rheinland-Pfalz. Zurück in die Heimat. Um die Mittagszeit kamen sie auf dem restlos belegten Kurzzeit-Stellplatz an. „Wir haben uns die Nacht über auf die Grünfläche gestellt“, erklärt Blech, der seit zehn Jahren als Freizeitcamper unterwegs ist. Am Morgen darauf parkte das Ehepaar sofort ihr Wohnmobil um, als ein Platz frei wurde. Nach einigem Rangieren war die Lücke schnell wieder besetzt. Dabei haben sie noch einen Glücksgriff gemacht: Sie ergatterten einen der begehrten Stellplätze am Rand des Grünstreifens. Zwei Klappstühle und einen kleinen Tisch haben sie auf dem Rasen aufgestellt. Mehr wollen sie nicht aufbauen. Sie wollen anderen Campern, die später nach einem Platz suchen werden, keine freie Parklücke streitig machen. Trotz der knapp bemessenen Parklücke fühle sich seine Frau Britta und er auf dem Platz in Ingolstadt wohl: „Der Stellplatz ist ruhig und günstig. In anderen Städten befinden sich solche Plätze an einer Schnellstraße oder Autobahn mit viel Lärm.“

Auf der gegenüberliegenden Seite parkt zwischen den großen Wohnmobilen ein kleiner grauer Camper. Lediglich hinter dem Fahrzeug bietet ein kleines Rasenstück Platz für zwei Klappstühle. Doch für das Ehepaar Dieter und Renate Ennen sei die enge Parksituation kein Problem. Das Ehepaar aus dem Landkreis Friesland pausiert zwei Tage in Ingolstadt, bevor die Reise weitergeht in die 800 Kilometer entfernte Heimat. Die zentrumsnahe Lage des Kurzzeit-Stellplatzes und die günstige Parkgebühr seien im Vergleich zu anderen Plätzen unschlagbar. Renate Ennen findet allerdings das „WC“-Schild am Eingang zum Campingstellplatz irreführend: „Wir haben die Toilette hier schon gesucht, aber keine gefunden.“ 2011 wurden die Toilettenhäuschen des einstigen Volksfestplatzes abgerissen – das Schild bei den Campern weist heute noch auf das nicht mehr existierende WC hin.

Viel los auf dem Campingwagen-Abstellplatz am Hallenbadparklatz in der Jahnstraße. Sogar auf die regulären Pkw-Stellplätze weichen die Camper schon aus.
Hauser, Johannes, Ing (Hauser)
Ingolstadt

Während des Gesprächs mit dem Ehepaar fahren immer wieder meterlange Wohnmobile auf den Stellplatz, um festzustellen, dass bereits alles belegt ist. Eine holländische Familie stellt sich mit ihrem Wohnmobil kurzerhand über drei Pkw-Parkplätze. Seit 8 Uhr ist die Familie unterwegs. Vier Wochen fuhren Daniel, Wendy, Esmée und Marieke VanderMeer mit Hündin Lady durch Kroatien und Österreich. Jetzt geht es wieder zurück in die Niederlande. 15 000 Kilometer legten sie während ihrer Reise zurück. Dass die Familie jetzt auf dem Autoparkplatz über Nacht stehen müsse, mache ihr nichts aus. Auf Stromanschlüsse, wie auf den festen Campingplätzen, sind sie nicht angewiesen. „Wir können in unserem Wohnmobil autark mehrere Tage leben“, erklärt Vater Daniel VanderMeer. Eine Solaranlage auf dem Dach macht es möglich. Allerdings plage sie ein schlechtes Gewissen, da sie die Autoparkplätze blockieren müssen.

Direkt daneben stehen Rieta und Tonni Klümper mit ihrem Wohnmobil – auch auf dem Autoparkplatz. Seit sechs Jahren besitzen sie ihren Camper und vor fünf Jahren tauschten sie ihr zu Hause gegen den mobilen Untersatz. Sie leben nur noch im Camper. Das aus Norddeutschland stammende Paar sei vor allem in Südeuropa unterwegs. Italien, Kroatien, Spanien und Portugal seien nur ein paar Länder, in denen sie die letzten Jahre verbracht haben. In Ingolstadt waren sie bereits vor einigen Jahren, allerdings nur ganz kurz. Deswegen seien sie wieder gekommen, um sich die Stadt genauer anzuschauen. Auch Klümper hat eine deutliche Meinung zum Kurzzeit-Stellplatz an der Jahnstraße: „Wir würden auch 10 Euro bezahlen, wenn es mehr Stellplätze geben würde.“ Die Camper wollen schließlich nicht den Autofahrern die Parkplätze wegnehmen.