Freitag, 30.07.2010 |

 

20.11.2008 21:13 Uhr | 192x gelesen
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Zwischen Tacos und Wahlbetrug


Bild: Zwischen Tacos und Wahlbetrug .  Ingolstadt (DK) Kriminalität, Drogenhandel und Luftverschmutzung, das sind Begriffe, die man mit Mexiko-Stadt in Verbindung bringt. Für Barbara Schröter aus Baar-Ebenhausen ist es dennoch eine zweite Heimat. Sie berichtet derzeit regelmäßig für donaukurier.de aus der Millionenmetropole.

Ingolstadt (DK) Kriminalität, Drogenhandel und Luftverschmutzung, das sind Begriffe, die man mit Mexiko-Stadt in Verbindung bringt. Für Barbara Schröter aus Baar-Ebenhausen ist es dennoch eine zweite Heimat. Sie berichtet derzeit regelmäßig für donaukurier.de aus der Millionenmetropole.



Barbara Schröter in ihrer zweiten Heimat Mexiko-Stadt. - Foto: oh
Die 28-Jährige möchte mit ihrer Internetkolumne ein anderes Bild von Mexiko zeichnen. "Klar stimmt es, dass das Land viele Probleme hat, und der Großteil der Bevölkerung in armen Verhältnissen lebt", sagt die gebürtige Köschingerin. "Aber alles in allem ist das Leben dort weder besser noch schlechter als in Deutschland. Es ist einfach nur anders".

Seit Juli lebt die Studentin der Politikwissenschaften, ausgestattet mit einem Stipendium des mexikanischen Außenministeriums, in der mit 8,7 Millionen Einwohnern zehntgrößten Stadt der Welt. Sie teilt sich mitten im Zentrum, im Mittelklasseviertel Narvarte, eine Wohnung mit zwei Freunden, die sie an ihrer hiesigen Uni in Würzburg kennen gelernt hat. In Mexiko ist sie "Profesora Visitante" und darf sich voll und ganz ihrem Forschungsthema widmen. Für Urlaub bleibt da keine Zeit. "Wenn ich durchs Land reise, dann zu wissenschaftlichen Kongressen".

"Klientelistische Strukturen in den mexikanischen Parteien" ist das Thema ihrer Doktorarbeit, und Barbara Schröter gerät ins Schwärmen, wenn sie darauf angesprochen wird: "Das politische System in Mexiko weist Besonderheiten auf, die es in anderen Ländern nicht gibt. 71 Jahre lang hat dort die PRI (Partido Revolucionario Institucional) regiert, bis sie im Jahr 2000 abgelöst wurde. Und aktuell kann man beobachten, inwieweit sich nach dem autoritären System tatsächlich eine Demokratie etabliert".

Bei ihren Gesprächen mit Politikern und der Bevölkerung erfährt sie nicht nur Erhellendes zu brisanten Themen wie Stimmenkauf und Wahlbetrug, sondern muss sich auch auf die Lebensgewohnheiten der Südamerikaner einstellen, die sie mit "la cultura de mañana" umschreibt. "Der Mexikaner macht alles morgen. Wenn er sagt, dass er morgen anruft, heißt das aber nicht, dass er das auch wirklich tut", sagt sie sie und lacht. Vielmehr handle es sich um eine Höflichkeitsfloskel im Sinne von "Wir bleiben in Kontakt". Da braucht es Geduld und Ausdauer, und es verwundert nicht, dass man im Spanischen nur ein Wort für Warten und Hoffen kennt: esperar.

"Schlimme Erlebnisse hatte ich, mit Ausnahme eines 55 Sekunden dauernden Erdbebens, das ich im fünften Stock eines schaukelnden Hochhauses erlebt habe, noch nicht", erzählt sie. Als Ausländerin wird ihr viel Vertrauen entgegen gebracht, was auch mit ihrer Sprachbegabung zu tun hat. Barbara Schröter spricht fließend Englisch und Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Schwedisch und Katalanisch fortgeschritten.

In ihrer Onlinekolumne schreibt sie über den Alltag der Mexikaner, erzählt von einfachen Menschen und deren Essgewohnheiten. Was für unsereins gewöhnungsbedürftig anmutet, ist dort Usus: "Tacos, eine Art Maisfladen, isst der Mexikaner schon am Morgen, auf dem Weg zur Arbeit. Und zwar in allen Variationen."

Voraussichtlich gegen Ende des Jahres kehrt Barbara Schröter in ihre bayerische Heimat Baar-Ebenhausen zurück.

Von Uwe Ziegler

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