Dass Charles de Gaulle als junger Offizier dort als Kriegsgefangener inhaftiert war, sei nur am Rande erwähnt. Der Ingolstädter Karl Bauer, ein ausgewiesener Fachmann der regionalen Festungsgeschichte, hat jetzt in der Reihe "Globulus" ein Buch über das Fort Prinz Karl bei Großmehring veröffentlicht.

Die Geschichte dieser Anlage ist immer auch ein Spiegelbild der rasant sich entwickelnden Militärtechnik. Nachdem 1828 der Grundstein zum Bau der bayerischen Landesfestung in Ingolstadt gelegt worden war, machte es die Entwicklung immer stärkerer Angriffswaffen erforderlich, nach diesem inneren Festungsring (von dem unter anderem noch die Kavaliere Hepp und Heydeck, das Reduit Tilly, der Turm Baur oder die Fronte 79 erhalten sind) noch einen äußeren, bis zu acht Kilometer entfernten Gürtel zu errichten.

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begannen Planungen und Bau auf Kosten des Deutschen Reichs. Neun Forts wurden errichtet, darunter Prinz Karl. Wie Bauer erklärt, erhielt der Ingolstädter Baumeister Georg Storch den Auftrag. "Die bayerische Militärverwaltung stellte lediglich einen Postenoffizier, der die exakte Einhaltung der Baupläne überwachte und darauf achtete, dass nicht etwa Material von geringer Qualität verwendet wurde", schreibt Bauer.

Als Ausstattung waren 22 schwere Geschütze auf einem Wall geplant. Baubeginn war im März 1877, die Fertigstellung im August 1882. Die Kosten betrugen knapp 1,7 Millionen Reichsmark. "Kaum war das Fort vollendet, kamen neue Waffen mit wesentlich größerer Sprengkraft in Verwendung, was den Wert der Forts erheblich minderte", so Bauer weiter. Daher wurde das Fort Prinz Karl von 1889 bis 1892 verstärkt.

Auch die Taktik änderte sich. "Die Artillerie wurde nunmehr nicht mehr im Fort aufgestellt, sondern in Anschlussbatterien und später im Gelände zwischen den einzelnen Werken", so Bauer. Prinz Karl, das seinen Namen erst 1895 erhielt, wurde zum Infanteriestandort. Prinz Karl (1795 bis 1875) war ein Bruder von König Ludwig I. und seit 1841 Feldmarschall und seit 1848 Generalinspekteur der Bayerischen Armee.

Während des Ersten Weltkriegs diente das Fort wie auch die anderen als Gefangenenlager. Dass es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wie alle anderen Forts gesprengt wurde, ist nur einer Vermutung zu verdanken. Da in Prinz Karl große Mengen Munition gelagert gewesen sein sollen, sahen die Amerikaner von einer Sprengung ab, da ansonsten die benachbarte Ortschaft Katharinenberg unter Umständen zerstört worden wäre. So hat sich Prinz Karl als einziges Fort Deutschlands vollständig erhalten.

Karl Bauer hat die Bau- und Militärgeschichte von Fort Prinz Karl auf 273 Seiten minutiös beleuchtet. In drei Abschnitten untersucht er den Bau, die Verstärkung und die Entmilitarisierung der Anlage. Wie gründlich er geforscht hat, zeigt die Tatsache, dass er auch auf Details wie Fragen nach der Beflaggung oder der Bepflanzung eingeht. Dutzende von meist farbigen Fotos und Zeichnungen machen die teilweise recht schwierigen Sachverhalte auch für nicht vorgebildete Leser recht anschaulich. Am aufschlussreichsten sind aber zweifelsohne die Abschnitte des Buches, in denen Bauer den Leser an den Entscheidungsfindungsprozessen der Militärs teilnehmen lässt. Höchst interessant ist beispielsweise die Zusammenfassung der großen Festungskrieg -Übung aus dem Jahr 1884, der den Zustand und die Verteidigungsfähigkeit der Bayerischen Landesfestung dokumentiert.

Karl Bauers Buch über das Fort Prinz Karl ist in seiner Detailtreue und Genauigkeit fast nicht zu übertreffen. Dieses Werk ist bestimmt nichts zum schnellen Blättern oder zum Diagonallesen. Es wendet sich daher in erster Linie an Fachleute und interessierte Laien, die ihre Freude an militärgeschichtlichen Themen haben. Gerade dieser Personenkreis wird voll auf seine Kosten kommen.

Karl Bauer: Fort Prinz Karl; Globulus – Beiträge der Natur- und kulturwissenschaftlichen Gesellschaft für Ingolstadt, Eichstätt, Weißenburg, Neuburg, Beilngries; 2009; ISBN 978-3-928671-56-9.