0l-IT-werner (2), Eberl, 14.09.2016
OB-Referent Christian Siebendritt (l.) und Johann Werner, Chef der städtischen Datenverarbeitung in der Herzkammer der städtischen IT, dem Rechenzentrum des Neuen Rathauses.
Eberl
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Wenn einer etwas mit dem Schlagwort "Laptop und Lederhose" anfangen kann, dann ist es Johann Werner. Der Chef des städtischen Amtes für Informations- und Datenverarbeitung hat sein Büro über dem Weißbräuhaus. Aus dem Lokal steigen nicht nur die Düfte von Schweinsbraten und Sauerkraut nach oben in die Amtsräume. Zweimal am Tag ertönt auch das Glockenspiel des Traditionsgasthauses. "Wenn ich gerade telefoniere, muss ich das Fenster zumachen", berichtet Werner. Und OB-Referent Christian Siebendritt, in dessen Ressort die kommunale IT fällt, bemerkt zum Amtssitz des Kollegen: "Die Dienststelle muss ich suchen, in der ich jeden Tag den bayerischen Defiliermarsch zu hören bekomme."

Dass die Verwaltung einer 130 000-Einwohner-Stadt ohne digitale Technologie längst nicht mehr funktionieren würde, ist klar. Ganz ohne Leitz-Ordner geht es zwar noch nicht, aber ohne leistungsfähiges Rechenzentrum samt einigen Tausend PCs schon gleich gar nicht. 48 Mitarbeiter aus Werners Amt betreuen die Kollegen in Verwaltung, Schulen und Tochtergesellschaften. Der promovierte Diplom-Informatiker steht seit der Gründung 1999 an der Spitze der IT-Behörde.

Er erinnert sich noch gut an die Anfänge, als die Stadt im Keller der Stadtwerke mit dem Energieversorger gemeinsam ihr Rechenzentrum betrieb. "Riesige Maschinen, unwahrscheinlich teuer, Stromverbrauch ohne Ende." Ein Beispiel dafür, welche Riesensummen in grauer Vorzeit für die ersten Personalcomputer fällig wurden, ist in einer Rechnung nachzulesen, die in Werners Amt an der Wand hängt: Vier Bildschirmarbeitsplätze für das Standesamt kosteten 1986 die Kleinigkeit von 114 800 D-Mark.

"Die IT läuft immer so in Wellen", weiß der Experte, "einmal hin zur Zentralisierung, dann wieder zurück." Eine Zeit lang sei "in allen möglichen Rathäusern" ein eigener Server installiert gewesen. "Dann merkt man, dass das schwer zu administrieren ist." Einen großen Fortschritt habe vor gut zehn Jahren die "Servervirtualisierung" gebracht. Seitdem habe man die Möglichkeit genutzt, die Rechner gewissermaßen virtuell zu unterteilen und gleichzeitig die Hardware viel besser auszulasten.

Dadurch werde das System auch sicherer, sagt der Amtschef. "Wenn eine Hardware ausfällt, übernehmen andere den Job." Das Ergebnis ist im derzeitigen Rechenzentrum des Neuen Rathauses zu bestaunen: In einem nur 20 Quadratmeter großen, voll klimatisierten Raum sind etwa 300 virtuelle Server in neun Hardware-Servern mit insgesamt über 4600 Gigabyte Hauptspeicher untergebracht. Gleich daneben steht der Metallschrank mit dem Festplattensystem, Kapazität 125 Terabyte. "Das Teure sind die Festplatten", erklärt der IT-Spezialist, "da reden wir von einem Doppelhaus für 300 000 Euro. Was hier steht, muss alle vier bis fünf Jahre ausgetauscht werden." Denn sollte es zu einem Blackout kommen, "steht die ganze Stadtverwaltung". Damit das gar nicht erst passiert, sind in dem Raum außerdem 50 Autobatterien gelagert, die im Notfall sofort die Stromversorgung übernehmen könnten.

Johann Werners Kompetenz ist offenbar auch über Ingolstadt hinaus anerkannt, da er seit 2005 den Arbeitskreis Informations- und Kommunikationstechnologien des Bayerischen Städtetages leitet. Für viele Bedienstete der Stadtverwaltung haben sich die Arbeitsabläufe durch die Digitalisierung komplett verändert. Dem Verkehrsüberwachungsdienst genügt das Smartphone für seine Parkplatzkontrollen; die Sachbearbeiter des Bauverwaltungsamtes und der Kommunalbetriebe haben Zugriff auf Zehntausende von elektronischen Akten; die Schulen sind mit der Stadt vernetzt; im Jobcenter greifen die Mitarbeiter inzwischen auf eingescannte Dokumente und Unterlagen zurück. "Da geht's um Millionen Blatt Papier."

Doch vor allem für die "Power-User", wie Werner sich ausdrückt, hat es einen radikalen Wandel gegeben. Bestes Beispiel: Audi. Bei den Ingolstädter Autobauern fallen pro Monat etwa 40 000 Zulassungen an. "Früher wurden dafür ganze Waschkörbe zur Zulassungsstelle geschleppt", sagt der Amtsleiter, "das passiert jetzt alles elektronisch. Alle notwendigen Daten werden selbst bei Audi erfasst."

Etwas zögerlicher sind jedoch die Normalbürger, wenn sie sich mit eGovernment anfreunden sollen. Allerdings gibt es auf dem Weg in die digitale Zukunft noch einige Hindernisse. "Da fehlt bei den Bürgern noch die Routine", glaubt Referent Siebendritt. "Wir schaffen die Voraussetzungen, wir brauchen bloß noch die Bürger, die das nutzen."

Den Ingolstädtern steht auf der Homepage der Stadt das Bürgerserviceportal zur Verfügung. In der Anfangsphase bot es vor allem die Möglichkeit zum Download von Anträgen und Formularen. Für eine echte Interaktion war die Einführung des neuen Personalausweises mit eID-Funktion (Freischaltung für Onlinedienste) 2010 ein entscheidender Schritt. Doch nach wie vor braucht der Nutzer für etliche Behördenvorgänge (Fahrzeugabmeldung, Meldebescheinigung) ein zertifiziertes Lesegerät. Das wollen sich nur die wenigsten anschaffen.

Seit Anfang August ist eGovernment für den Nutzer wieder ein Stück leichter geworden. In der Hauptstelle der Sparkasse am Rathausplatz steht ein Bürgerterminal, an dem man auch außerhalb der Bürozeiten kommunale Dienstleistungen in Anspruch nehmen kann - und zwar ohne eigenes Lesegerät. Bedingung ist nur, dass der Nutzer einen eID-Ausweis dabei hat. Auch wenn noch manche Anlaufschwierigkeiten zu bewältigen sind - ganz so schlecht kann die Stadt für den digitalen Bürgerservice nicht gerüstet sein: Schon 2012 bekam Ingolstadt von der Staatsregierung als Auszeichnung den e-Government-Löwen.