An seinem Atelier neben dem Militärbad hat Markus Jordan bereits einen Wasserfall aus dem Fenster kalben lassen.
Der Strahler spuckt unablässig feinen Wasserstaub in die Luft. Der Herr und Meister über den Schlauch hat den Knopf mit Kabelbinder festgezurrt. Markus Jordan steht am Ufer und blickt zufrieden auf den Fortgang seines Werks. Zahllose Eisarme greifen aus vier Metern Höhe von der Mitte der Bühne aus nach unten an das Metallgeländer, wo Jordan steht. Bei genauerem Hinsehen sind die Knochen der Arme nichts mehr als Plastiknetze, die in schmalen Bahnen ans Geländer gespannt sind. Daran hat sich Eis, Eis und wieder Eis festgesetzt.

Markus Jordans Element ist eigentlich das Feuer. Vor ein paar Jahren gründete der 33-jährige Ingolstädter Künstler die Gruppe "First Element", die sich mit Feuerschwingen einen Namen in der Stadt gemacht hat. Doch irgendwann kühlte sein Verhältnis ab. "Wenn man das mit dem Feuer nicht ständig trainiert, wird es irgendwann gefährlich." Ihm fehlte die Zeit. Also ließ er es bleiben.

Transparenz fasziniert

Jordan zeigt auf den Eiswasserfall, der sich gebildet hat. Transparent und Licht leitend: Das sind die Eigenschaften, die ihn an Eis so faszinieren. Lichtinstallationen sind sein Ding. Derzeit bereitet er auch eine Ausstellung dazu vor, die am 25. Januar in der Harderbastei eröffnet wird. Bis dahin steht sein Eiszelt an der Donau bestimmt, auch wenn es etwas wärmer werden sollte. Der Nebel des Dampfstrahlers ist bei den derzeitigen Temperaturen nur für wenige Momente Wasser. Schon nach wenigen Momenten gefriert er und lässt Jordans Gebilde wachsen.

Am Donnerstag hat der Künstler den Hahn aufgedreht und lässt seitdem abgepumptes Donauwasser regnen. Millimeter um Millimeter setzt sich eine Schicht Eis auf die anderen, wächst ein Arm nach dem anderen. "Endlich ist mal was geboten auf dieser Donaubühne, die ist ja sonst nur unter Wasser", ruft ein Fußgänger herüber. Endlich gebe es "so eine Eis-skulpturen-Geschichte auch mal in Ingolstadt", freuen sich andere Neugierige.

"Umgekehrtes Prinzip", nennt Jordan seine Technik. Normale Eisskulpturen werden aus einem Block geschnitzt und gefräst. Er aber lässt sie langsam wachsen. "Was am Ende dabei rauskommt, ist die Magie des Wassers", sagt er. Das freut aber nicht jeden, der in diesen Tagen an die Donau tritt. "Die armen Vögel", jammert eine Frau. Die würden sich doch in den Netzarmen verfangen. Jordan muss schmunzeln. Nach kurzer Zeit ist gar kein Netz mehr zu sehen.

Der Dampfstrahler spuckt Liter um Liter aus. Sein Zischen begleitet auch die Klage eines älteren Ehepaars, das den Künstler maßregelt: "Die Bühne gehört eigentlich den Enten." Die Rentner kommen jeden Tag zum Füttern. Jetzt müssen sie ein paar Meter weiter gehen, das Geschnatter auf dem Fluss weist ihnen den Weg.

Drei bis vier Grad hat die Donau derzeit. "Wärmer als draußen", sagt Jordan. Je kälter die Umgebung, desto besser für ihn. Dann wird sein Flusswasser schneller fest. Aber wehe, der Schlauch friert ein.

Kopie des Kreuztors

Während seine Skulptur wächst, zeichnet Jordan am Ufer bereits seinen Traum in Gedanken in die Luft. Das Kreuztor in Eis und etwa ein Drittel kleiner will er an gleicher Stelle und auf gleiche Weise wachsen lassen. "Das muss aber dann ein ganz anderes Budget haben, da brauche ich schweres Gerät, um die Grundkonstruktion aufstellen zu können." Dieser Traum muss warten. Ein kleiner dürfte aber schon bald in Erfüllung gehen: Eine ähnliche Figur wie auf der Donaubühne wird Jordan auch auf dem Rathausplatz erschaffen. Die Erlaubnis der Stadt hat er. Alles hängt vom Wetter ab.