Im Fahrerlager auf dem Volksfestplatz konnten die Besucher ganz nah an alle Fahrzeuge heran. Links der R8 aus 2001 von Frank Biela, Tom Kristensen und Emanuele Pirro, rechts der R8R von 1999.
Auf dem Fußballplatz ist Rudelbildung verpönt. In einem Fahrerlager beim Motorsport ist sie dagegen unvermeidbar, ja sogar gewünscht. Auch am Samstag, auf dem Volksfestplatz, wohin Audi seine Autos und Piloten für die Jubiläumsfeier geschickt hatte. An einem Zelt waren am frühen Nachmittag fast tumultartigen Szenen zu beobachten – und das bei strömendem Regen. Unter dem Zeltdach lugte immer wieder das leicht ergraute Haar einer Rallye-Legende hervor. Wenn die vielen Menschen mit ihren Schirmen, die sie umlagerten, den Blick denn mal frei gaben auf Walter Röhrl. Seine Autogramme waren heiß begehrt. Das Anstehen dafür brauchte viel Zeit.
Fotostrecke: Donauring-Rennen

 
Hinter Röhrl im Zelt hatten die anderen Fahrer weit weniger zu tun. Bei einer Tasse Kaffee ließen die Audi-Werkspiloten wie Marco Werner den Blick auf den Fernsehern ruhen, wo die Qualifikation des DTM-Rennens in Zandvoort flimmerte – mit Beteiligung der Ingolstädter.
 
Röhrl dagegen schrieb seinen Namen auf alles, was gereicht wurde: seine Autogrammkarten, Poster, kleine Modellautosets oder auf die Jacke einer Blondine, die seinen Schriftzug sichtlich mit Stolz auf die andere Straßenseite trug. Dort war in einem langen Zelt ein kleines Museum mobile aufgefahren. Dicht nebeneinander standen die Silberpfeil-Nachbauten, Tourenwagen, DKW und NSU. Dann natürlich eine ganze Armada an Rallyeautos mit dem berüchtigten Quattro-Antrieb. Sie kehrten den Rücken einer ganz neuen Motorsportgeneration zu: den Le-Mans-Autos. Vom R8 bis zum aktuellen R15 waren vertreten.


Doch der Blickfang waren eindeutig die Rallye- beziehungsweise Sport-quattros. Ein Brüllen erfüllte das Zelt, als Audi-Mitarbeiter zwei der Renner anließen. Auf der Kühlerhaube hüpften die Regentropfen. Die Halogenscheinwerfer wippten im Takt mit. Kurz darauf stieg Walter Röhrl in einen der S1 und rollte zur Strecke. Jeder Zentimeter wurde für ihn zur Triumphfahrt in den Fahrzeugen, die für den Ingolstädter Autobauer in den 80er Jahren einen Mythos begründet haben. "Da läuft eine Zeitreise in mir ab, was vor 25 Jahren war", berichtete der Regensburger – und drückte mit seinen alten Rallyekollegen wie Weltmeister Hannu Mikkola auf dem Rundkurs (Harder-, Nördliche Ring- und Von-der-Tann-Straße sowie Auf der Schanz) voll aufs Gas.
 
Für die Zuschauer blieb der Regen meist lästig, für die Fahrer wurde es auf feuchter Fahrbahn erst richtig lustig. Besonders Auf der Schanz peitschten die Profis ihre Renner über den Asphalt, dass die Gischt nur so spritzte. Da traten einige Zuschauer ganz ehrfurchtsvoll ein bisschen zurück, weil die Männer in den PS-Monstern gar so angeschossen kamen. Dazu das Ohren betäubende Brüllen und Fauchen der Aggregate. Doch kaum einer am Straßenrand, dem das nicht ein kleines Lächeln auf die Lippen gezaubert hätte. Ganz besonders als Röhrl im S1 Pikes Peak ankam, mit dem er 1987 das Bergrennen in den USA in Rekordzeit gewann. Rasend schnell ging übrigens auch das Sondermodell des Pikes-Peak-Miniaturautos über den Ladentisch von Audi. Innerhalb von zwei Stunden waren alle 555 Stück zum Preis von 40 Euro weg.

 
Freilich durften neben Röhrl auch die anderen Fahrer auf die Strecke. Noch mehr Knattern erfüllte den Rundkurs, als die Männer auf ihren historischen Motorrädern sich aufmachten. Die BMW von Fredl Schranzl röhrte besonders und trieb sogar das Wasser aus den Pfützen am Volksfestplatz. An der Absperrung auf der anderen Seite der Straße standen drei Senioren, die beim Anblick der Maschinen ein ganz besonderes Glitzern in den Augen bekamen. Offensichtlich war es auch für sie eine Zeitreise – in ihre Jugend, als solche Motorräder zwischen 1949 und 1954 zu richtigen Rennen über den Donauring flitzten. 100 000 kamen damals regelmäßig. Am Samstag trotzen immerhin über den Tag verteilt etwa 25 000 Menschen dem Wetter.
 
Um die Motorradpiloten von damals ging es dabei etwas ruhiger zu. Doch auch in ihr von Benzingeruch erfülltes Zelt kamen viele Leute. Und Gustl Hobl, eine der DKW-Fahrerlegenden, wurde sogar um ein Autogramm auf dem Stock eines Regenschirms gebeten. "Das hab’ ich auch noch nicht gemacht", staunte der 78-Jährige. Das erlebt wohl nicht mal Walter Röhrl so oft.