Vohburg: Vor 50 Jahren die Größte in Bayern
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Vohburg

Zur kirchlichen Weihe waren im Oktober 1967 viele Ehrengäste nach Irsching gekommen. Neben dem Regensburger Bischof Rudolf Graber und dem evangelischen Kreisdekan aus München, Oberkirchenrat Hans Schmidt, wohnten der Zeremonie in der damals größten bayerischen Raffinerie auch "Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Verkehrswesen, Geistlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit aus ganz Bayern, insbesondere aus dem Raum Pfaffenhofen-Ingolstadt" bei. Aus Hamburg kamen BP-Vertreter, sogar die Muttergesellschaft BP London hatte einen Vertreter zu dieser Feierstunde entsandt.

Das Phänomen Technik sei nicht nur ein zivilisatorisches und wirtschaftliches Problem, sondern auch ein metaphysisches und weltanschaulich-religiöses, sagte Bischof Graber damals. Im DONAUKURIER stand am 20. Oktober 1967: "Zwei Auffassungen stehen sich gegenüber: Einmal wird die Technik als Erfüllung des göttlichen Schöpfungsauftrages ("Macht Euch die Erde untertan") angesehen, zum anderen als etwas Dämonisches." Graber führte damals weiter aus: Papst Pius XII. habe diese Problematik in seiner Osterbotschaft 1957 angesprochen, als er von Nacht und Licht im technischen Zeitalter gesprochen habe. Graber schlussfolgerte, die Aufgabe der neuen Raffinerie solle sein, "in Erfüllung des Schöpfungsauftrags Gottes die Kräfte der Tiefe zu bändigen und sie dem Menschen dienstbar und in Erfüllung des christlichen Hauptgebotes zu helfen, das Leben menschlicher und erträglicher zu machen".

Noch vor der offiziellen Eröffnung im Mai 1968 (im Juni 1963 hatte der Stadtrat der Raffinerie zugestimmt) wurde die Raffinerie angefahren. Die Jubiläums-Chronik von Bayernoil besagt, dass zwischen Weihnachten 1967 und Neujahr der Betrieb gestartet wurde - wegen Steuervorteilen für das Jahr 1967 drängten BP-Manager aus London darauf. Der damalige Werksleiter Wilhelm Huisken meinte damals, technisch und menschlich wäre dies nicht ideal, weil die Temperatur unter dem Gefrierpunkt lag. Und es wurde noch kälter. Zwei Wochen später, so besagt die Chronik, wurden bis unter minus 20 Grad gemessen. Die Raffinerie lief an, die offizielle Einweihung wurde am 18. Mai 1968 gefeiert. Die Bauphase fand auch erst zu diesem Termin ihren Abschluss.

Zurück zur kirchlichen Weihe im Oktober 1967: Der BP-Vorstandsvorsitzende Heinrich Sasse umriss den Werdegang in Irsching - in einer Zeit, als Raffinerien in Bayern fast schon aus dem Boden schossen. Sasse erläuterte, für Standort und Größe der Raffinerie seien wirtschaftliche Erwägungen ausschlaggebend gewesen. Technische Planungen und das Können von Ingenieuren, Monteuren und Arbeitern hätten der Anlage ihr Profil gegeben. Dank gelte den Gemeinden, Bürgermeistern und Räten sowie der Kreisverwaltung und ihrem Landrat: "Sie nahmen uns auf und gaben unserer Raffinerie den Raum."

Die Raffinerie, bei der laut Chronik 85 Prozent der Kühlleistung durch Luft bewerkstelligt wurde, brauchte dennoch 4000 Kubikmeter Kühlwasser - pro Stunde. Die Anlage bestand aus zwölf Prozesseinheiten, die Kapazitäten der einzelnen Anlagen betrugen (in Tonnen): 4,4 (Rohöldestillation), 0,73 (Platformer), 0,5 (FCC), 0,54 (Entschwefelung), 0,21 (Bitumenerzeugung) und 0,012 (Schwefelerzeugung). Bis zu 400 Tankzüge konnten befüllt werden.

Aus BP (bis März 1989) wurde RVI (bis Ende 1997), dann Bayernoil. Anteilseigner sind BP, Varo Energy, eni und Rosneft. Heute verarbeitet Bayernoil über zehn Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr, die Lagerkapazität liegt bei knapp zwei Millionen Kubikmeter.

Die Feierstunde, so war 1967 auch zu lesen, umrahmte das Voit-Quartett aus Ingolstadt. Die Beschäftigten der Raffinerie waren in voller Montur und mit Schutzhelm erschienen. Zum Abschluss bat BP zu einer bayerischen Brotzeit. Übrigens war die Raffinerie in den 90er-Jahren Kulisse für einen Fernsehfilm: Heino Ferch mimte in "Gefährliche Verbindung" einen Arbeiter, der Störfälle in seinem Chemiewerk aufdeckt. Gedreht wurde an drei Tagen.