Pfaffenhofen: "Das ist ein gutes Gefühl"
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Pfaffenhofen

Sorgsam werden der Mantel umgelegt, die Kette ausgewählt – und natürlich – die Kronen und Turbane aufgesetzt. In der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist in Pfaffenhofen suchen die Kinder und Jugendlichen sich ihre Gewänder und Utensilien aus, mit denen sie sich in Caspar, Melchior und Balthasar verwandeln, die Heiligen Drei Könige.

Nur eine Person passt nicht in das Bild: Die Pfaffenhofenerin Barbara Meyer, die unverkleidet in der Tür steht, mit einer riesigen Schokoladenriegelpackung unter dem Arm. „Die Sternsinger haben mich dieses Jahr etwas überrascht“, sagt sie. Sie sind spontan zu dem Haus der Pfaffenhofenerin gegangen, weil diese sie im Jahr davor schon nett beschenkt hatte. „Ich konnte ihnen nur Geld gaben, aber ich wollte, dass sie auch Süßigkeiten haben“, sagt Meyer.

Geschichten wie diese passieren oft, wenn die Sternsinger ausschwärmen, um die Buchstaben C, M und B sowie die Jahreszahl an die Türen zu schreiben. „Christus mansionem benedicat“ heißt so viel wie „Christus segne dieses Haus“. Dieses Jahr sendet die katholische Pfarrei zwölf Gruppen, die im Gegenzug für die Haussegnung um Spenden bitten. Diese gehen aber nicht an die Kinder selbst, sondern an andere, bedürftige Kinder. Dabei werden mehr als 1600 Kinderhilfsprojekte in Afrika, Asien oder Osteuropa unterstützt. „Zum Beispiel gibt es Bildungsprojekte für Kinder, die nicht zur Schule gehen können“, sagt Gemeindereferentin Jutta Rödler. Genau das ist es auch, was den zehnjährigen Tizian Pfaller reizte. Als er davon hörte, dass nicht alle Kinder wie er zur Schule gehen können, war für ihn klar, dass er dagegen etwas tun muss. „Ich mag die Schule, ich habe nette Lehrer“, sagt er, aber das ist nicht der einzige Grund: „Schule ist wichtig für die spätere Arbeit, nur so kann man Geld verdienen und ein besseres Leben haben“, sagt er. Er findet es nur fair, dass andere Kinder auch dieselbe Chance bekommen und lesen und schreiben lernen.

Für Christoph Heckmeier geht es ebenfalls um den guten Zweck. Der 15-Jährige ist schon seit fünf Jahren dabei und will keineswegs aufhören. „Das ist ein gutes Gefühl, hier mitzumachen“, sagt er.

Für die neunjährige Katharina Tillschneider geht es vor allem um den Spaß. Sie wurde von Freunden gefragt, ob sie nicht dabei sein will. „Es ist schön, von Haus zu Haus zu gehen“, sagt sie.

Linus Scheunemann ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. „Am Anfang war ich schon ein bisschen aufgeregt“, sagt der Zehnjährige. Doch das verflog schnell. Er mag sein buntes Königskostüm und das Laufen in der Stadt: „Inzwischen kann ich unser Lied schon auswendig.“

Sternsinger Vinzenz Meyer muss für seine Rolle als Balthasar erst einmal stillhalten. „Gut machst du das“, sagt eine Helferin, die ihm mit einem Pinsel die schwarze Farbe ins Gesicht malt. Er ist dabei, weil er die Werbesendungen im Fernsehen angeschaut hat, in denen Not leidende Kinder gezeigt werden. „Ich will, dass diese Kinder in die Schule gehen können und Zugang zu Wasser haben“, sagt er. „Für uns ist das selbstverständlich.“

Die Sternsinger gehen jedoch keineswegs leer aus: Die Leute öffnen gerne ihre Türen für die Ministranten und bieten einen heißen Tee an. Das weiß auch die ehrenamtliche Helferin Bärbl Dummler: „In einem Haus ist es zum Beispiel mittlerweile schon Tradition geworden, dass die Familie alle Sternsinger nach dem Sammeln zu sich zur Brotzeit einladen.“