Oberhaustadt: Blitze und ein Regenbogen
Interessierte Zuhörer: Die Schüler verfolgten gebannt die Ausführungen Vardan Mamikonians - Foto: Engel
Oberhaustadt

„Das ist für uns eine einmalige Chance“, sagt Schuldirektor Helmut Heinrich. „Mit dem Projekt können wir die Musik den Kindern näher bringen und nicht nur im Klassenzimmer durchnehmen.“ Die Idee stammte von seiner Kollegin Sabine Riedel. Sie setzte sich mit Barbara Thalmann vom Konzertverein Ingolstadt in Verbindung. Thalmann ist verantwortlich für das Projekt „Meet the Artist – Schüler treffen Künstler“, bei dem Künstler vor ihren Auftritten über den Konzertverein ehrenamtlich Schulen besuchen und Kindern und Jugendlichen klassische Musik schmackhaft machen. Der armenische Pianist Vardan Mamikonian gibt in dieser Woche kein Konzert in Ingolstadt – er wohnt zum größten Teil hier und hat sein Chamäleon schon in mehreren Schulen der Region vorgestellt.

„Heute Nacht habe ich den Regen gehört – und in Regentropfen können sich die Töne des Klaviers auch verwandeln“, erzählt der Musiker. Die Kinder hören nun das Klavierstück „Jardin sous la pluie – Garten im Regen“ des expressionistischen Komponisten Claude Debussy. „Ich habe auch einen Blitz gehört“, ruft ein Junge, nachdem der frenetische Beifall verklungen ist. Und in der Tat – Mamikonian wiederholt die betreffende Stelle – nach einigen Donnertönen mit der linken Hand, ertönt ein hoher Triller wie ein zackiger Blitz. Und was erscheint, wenn der Regen in das Sonnenlicht prasselt? Natürlich – ein Regenbogen. Aber nicht nur in Wetterlaunen kann sich das Klavier verwandeln. Sondern auch in andere Instrumente. Vardan Mamikonian, der in Moskau studierte, spielt eine Kampagnella und verzaubert damit das Klavier in ein Glockenspiel. Und später in die Königin der Instrumente – indem der Pianist eine Bearbeitung eines Orgelstückes von Johann Sebastian Bach spielt. „Kennt ihr den? Es ist der größte Komponist der Welt“, sagt Mamikonian bewundernd, der sich mehr zwischen seinem Publikum als auf der Bühne aufhält. Er interagiert mit den Schülern, er geht auf ihre Fragen ein und zeigt überhaupt keine Berührungsängste. Das imponiert den Schülern offensichtlich und gibt ihnen die Lust, sich ganz intensiv Gedanken über das Gehörte zu machen und nicht vor allerlei Fragen zu scheuen. „Wie viel Tasten hat ein Klavier“, „Wie schaut es in einem Klavier aus“, „Wie viel müssen Sie üben“ All das beantwortet Mamikonian geduldig und zeigt den Schülern am Ende die größte Überraschung: Ein Klavier kann sich sogar in ein 100-Mann starkes Orchester verwandeln. Die Transkription vom „Säbeltanz“ seines armenischen Landsmannes Aram Chatschaturjan klingt auf dem Klavier genauso wild und ungestüm wie vom Orchester, das die Kinder zuvor von der CD gehört haben.