Dr. Faxe, wie sich der Sänger der Rosená ?heimer Gruppe Django S. nennt, bringt es auf den Punkt: „Wo gibt’s schon Festivals, bei denen alle Bands nur in Mundart spielen?“, ruft er ins Mikro. „Das passiert mir zum ersten Mal.“ Und genau das war das Ziel des Festivals, das in dieser Form zum ersten Mal in Oberdolling stattfindet: Bands, deren Lieder ausschließlich in Dialekt gesungen werden, auf einer Bühne zusammenzubringen.

Diese ist im Hof des Vereinszentrums D’Roßschwemm aufgebaut. Davor stehen rund 1500 Besucher, die das bayerische – und ein wenig das österreichische – Lebensgefühl feiern. „Wir Bayern und die Österreicher sind uns ähnlich, wir gehören irgendwie zusammen“, sagt Jörg Lehner aus Kösching. Dass trotzdem so viele unterschiedliche Musikrichtungen gespielt werden, gefällt dem 26-Jährigen ausgesprochen gut.

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Die Mitglieder von Django S. beispielsweise haben ihr Genre „Bavarian Madness“ getauft und zelebrieren diesen bayerischen Wahnsinn mit bunten Sporthosen aus den 80er-Jahren wild umherhüpfend. Dabei kommen einige Blasinstrumente, mit denen die Musiker synchron umherwirbeln, zum Einsatz. „Mit den Instrumenten so Vollgas zu geben, das muss man auch erst mal draufhaben“, staunt Annalena Greilinger aus Oberhausen.

Trompete und Posaune, Rassel und Flöte, Akkordeon und Mundharmonika bringen auch die anderen Bands mit. So wie die Musiker von Skolka aus dem österreichischen Weinviertel, die ihren Bildungsauftrag an diesem Abend ernst nehmen. Frontfrau Judith Frank erklärt, dass „leiwand“ das bairische „sauguad“ ist, bevor sie das Publikum zum „Auszucka“ auffordert. Der Sprachunterricht ist dringend notwendig, denn nicht jeder versteht die Liedtexte und Moderationen der Bands. „Macht nix, den Songtext kann man googeln, wenn man’s wissen will“, schlägt Alexander Meier aus Ingolstadt vor. „Hauptsache, die Stimmung passt.“

Dass es ausgerechnet an diesem Sommerabend ziemlich kühl ist, stört kaum jemanden. Dirndl und Lederhosen werden stilsicher mit dicken Pullovern, Regenjacken und Gummistiefeln kombiniert, ein junger Mann trägt sogar eine Steppdecke über den Schultern. Als es kurz nieselt und der Atem in der kalten Luft zu sehen ist, steht das Schnapszelt zum Aufwärmen bereit. Dieses wie auch die Essensausgabe wird größtenteils von freiwilligen Helfern betrieben. „Es ist toll, dass sich so viele ehrenamtlich beteiligen“, freut sich eine der Frauen, die Steaksemmeln und Bratkartoffeln verkaufen.

Den Musikern macht der kleine Nieselregen ebenso wenig etwas aus. „Man kann sich das Wetter auch im Sommer nicht immer aussuchen“, sagt Thomas Petritsch, Sänger der Grazer Band Granada. Außerdem gebe es da ein österreichisches Sprichwort, das bei solch einem Anlass passe: „Eh ok!“ So heißt dann auch das nächste Lied, mit dem die Gruppe in ihrer Heimat sogar einen richtigen Hit gelandet hat.

Für die ruhigeren Töne an diesem Abend fühlt sich Pam Pam Ida – nach eigenen Angaben „zwischen Pop und bayerischer Wirtshausmusik“ einzuordnen – zuständig. Die Sandersdorfer Gruppe hat ein Heimspiel, und zum ersten Mal singen die Zuhörer, die bis aus München oder Regensburg angereist sind, ganze Textpassagen der Lieder wie „Gockel“ oder „Schultertanz“ mit. „Applaus für Oberdolling, dass sie so was auf die Beine stellen“, lobt Sänger Andreas Eckert die von den Dorfbewohnern großteils ehrenamtlich organisierte Veranstaltung. Der Granada-Sänger kann dem nur zustimmen: „In Österreich wäre Oberdolling für so etwas eine Kleinstadt.“

Die Initiatoren, die das Mundart-Festival ein Jahr lang akribisch geplant haben, sind am Ende des Tages „rundum zufrieden“, wie Matthias Pfaller vom Förderverein Dolling bilanziert. „Wir hatten wahnsinniges Glück mit dem Wetter und zum Teil sogar eine sternenklare Nacht“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das habe dazu beigetragen, dass an der Abendkasse noch einige Karten verkauft wurden, sodass die erhoffte Zuschauerzahl von rund 1500 erreicht werden konnte. Besonders freue ihn, dass die Veranstaltung vollkommen friedlich verlaufen sei: „Ich habe mit Bürgermeister Josef Lohr gesprochen, es gab keinen Vandalismus, keinen Stress und keine Anwohnerbeschwerden.“

Und auch wenn noch einiges ausbaufähig sei, denkt Pfaller bereits an eine Wiederholung des Mundart-Festivals. „Ich bin schon am Planen und habe einige Bands im Kopf, aber das kann ich nicht alleine entscheiden.“ Bis es so weit ist, verabschieden sich nach und nach die diesjährigen Musikgruppen – je nach Herkunft – mit „Servus“ und „Baba“.