Monsun über dem taiwanesischen Teehaus
Ingolstadt (DK) Die Welt ist bunt – und nass. Trotz teils sintflutartiger Regenschauer ließen sich die Protagonisten des internationalen Kulturfestes am Samstag auf dem Rathausplatz nicht den Spaß verderben. "Das ist ja wie ein Monsun", staunte Debi Banerjee, der aus Indien stammt.

Die Welt ist bunt: So lautete am Samstag das Motto beim Kulturfest auf dem Rathausplatz. Charlie Kornprobst von der Schanzer Danzbod’n Musik und Elenma Stevanoska von der serbischen Folkloregruppe am Stand mit thailändischen Spezialitäten. - Foto: Rössle
Elfriede Holzheid verbindet das Fest stets mit einer anderen Tradition: "Ich bin zwar Vegetarierin, aber einmal im Jahr esse ich Fleisch: nur dieses Lamm vom Spieß", erzählt sie und deutet auf den herrlichen Braten, den ein kroatischer Landsmann hingebungsvoll mit Öl bestreicht.
Gegenüber, im taiwanesischen Teehaus, locken ganz andere, ungewohnte Gaumenfreuden wie Curry-Rettich-Taschen, Klebreisklöße in Bambusblättern oder Grüne-Bohnen-Kuchen. Zubereitet hat diese Köstlichkeiten Shih-Ching Wang vom Verein Taiwan Frauen. Sie ist extra aus Hamburg angereist: "Wir Taiwanesen sind ja nur eine kleine Gemeinde in jeder Stadt und müssen einander unterstützen", erzählt sie. Teespezialistin Meng-Lin Chou ist sogar aus dem fernen Zürich gekommen. In einem Geschirr, das wie aus einer Puppenstube anmutet, bereitet sie Taiwan-Formosa-Olong mit dem klangvollen Namen "oriental beauty" vor, den die englische Königin verliehen haben soll. "Es handelt sich um eine halb fermentierte Sorte – ein Mittelding zwischen grünem und schwarzem Tee", erklärt sie. Das Service sei so klein, damit der Gast immer sicher sein könne, dass der Tee stets frisch sei. Die Art der Zubereitung nennt sich Gongfu Cha.
Die Besucher des Kulturfestes konnten aber nicht nur taiwanesische Köstlichkeiten probieren. Chin-Yu Buchberger zeigt am Stand auch die Kunst des Papierschneidens. "An so einem Drachen arbeite ich ungefähr zwei Wochen lang", erzählt sie. "Jeden Tag ein bis zwei Stunden, länger schaffen es die Augen nicht. Man braucht viel Geduld für dieses Hobby." Die fragilen Kunstwerke, die klassische Motive wie Büffel oder Kraniche zeigen, sind wertlos, sobald nur eine Schnittstelle reißt.
Chin-Yu Buchberger gibt in der Volkshochschule auch Kurse in Kalligrafie. Am Samstag konnten Besucher diese Schriftkunst in der VHS näher kennenlernen, und einer Meister dieser Kunstform, Chin-Fa Cheng aus Köln, hielt einen Vortrag zum Thema "vom Ästhetischen zum Geistigen". Höhepunkt des Taiwan-Blocks war jedoch zweifellos der Löwentanz – ein ausdruckstarkes und farbenprächtiges Spektakel, das die buddhistische und vietnamesische Gemeinde aus Nürnberg auf dem Rathausplatz bot.
Ein bunter Reigen war das auf den beiden Bühnen: Es spielte die Schanzer Danzbodn Musik, es tanzten bosnische, ukrainischen, alevitische und internationale Folkloregruppen, natürlich gab es auch wieder "un poco de Flamenco", Bauchtanz aus Gerolfing und dazu – als Kontrastprogramm – Rapper aus dem Piusviertel. Sie nennen sich "war front" und sorgten für ganz neue Töne.
Erstmals mit dabei waren beim diesjährigen Kulturfest auch der kurdische Verein Akademiya Tigris, der Sprach- und Computerkurse sowie Unterricht in Volkstanz und Sazspiel anbietet, sowie der türkische Verein "Unser Haus", der auf kulturelle und sportliche Aktivitäten setzt. Die Vertreter waren sehr angetan von der Veranstaltung und wollen nächstes Mal wieder mitmachen. "Einmal abgesehen vom Wetter war die Stimmung sehr schön", meinte Denniz Gül. Dem pflichtete Albert Schneider vom Kulturamt bei: "Trotz des sintflutartigen Regens sind immer wieder Besucher gekommen. Wir hatten aber auch ein sehr vielseitiges und anspruchsvolles Programm."
Von Suzanne SchattenhoferKommentare
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