Manching: Rekonstruktion antiker Technik
Eine der Attraktionen des Manchinger Museums sind die beiden Römerboote. Im kommenden Jahr soll ein möglichst exakter Nachbau neue Erkenntnisse über antike Schifffahrt liefern. - Foto: Pehl
Manching

Es war eine Sensation, als vor gut einem Vierteljahrhundert auf dem Barthelmarktgelände zwei rund 2000 Jahre alte römische Boote gefunden wurden. Nach einer langen Phase der Konservierung werden sie seit gut zehn Jahren bekanntlich im Museum Manching ausgestellt.

Die Boote haben bundesweit großes Interesse erweckt. Auch Boris Dreyer, Professor an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, hat sich intensiv damit beschäftigt. Jetzt will er mit einem Team von Studierenden und vielen freiwilligen Helfern sowie Schiffbauern mit Erfahrung ein römisches Militärschiff nachbauen. Dreyer erhofft sich nicht nur neue Erkenntnisse über den antiken Schiffbau, sondern auch über die Einsatzmöglichkeiten solcher Boote.

Vor Kurzem war jetzt eine Gruppe von Studenten mit Dreyer zusammen in Manching und verwandelte die Schiffshalle des Museums in einen Hightech-Raum mit dem Ziel, möglichst viele Fotos aus ganz bestimmten Blickwinkeln zu schießen. Dreyer will ein exaktes 3D-Modell eines der Römerboote erstellen, womit fehlende Teile ergänzt werden können, um anhand dessen den Nachbau herzustellen.

Dieser soll 16 Meter lang werden und knapp drei Meter breit. Der Tiefgang beträgt nicht einmal einen Meter, wodurch die Boote auch in flachen Gewässern eingesetzt werden konnten. Wie an den Oberstimmer Booten deutlich zu sehen ist, handelt es sich um Nut- und Federverbindungen. Diese sogenannte Kraweelbauweise wurde im 8. Jahrhundert vor Christus erfunden.

Zum 275. Geburtstag der Uni im nächsten Jahr soll das Boot erstmals in Erlangen zum Einsatz kommen und seine Jungfernfahrt erleben. Und nicht nur das: Laut dem Manchinger Museumsleiter Wolfgang David wurden bereits Kontakte nach Österreich geknüpft, wo das Boot ebenfalls 2018 bei der großen Landesausstellung in Linz und Enns anlegen soll.