Manching: Hanfschlauch, Plünderungen und LF-15
Foto: Max Schmidtner
Manching

Zu den Feierlichkeiten kamen natürlich auch Abordnungen der Ortsteilwehren, der Patenvereine aus Großmehring und Rothenturm und der Kreisbrandinspektion. Bürgermeister Herbert Nerb (FW) hob die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr hervor, die sich seit 140 Jahren ehrenamtlich für die Mitmenschen einsetzt. Dank sprach der Rathauschef auch den Familienangehörigen aus, ohne deren Verständnis und Unterstützung eine so große Einsatzbereitschaft kaum möglich wäre. "Wenn wir heute auf die Geschichte der Feuerwehr zurückblicken, dann fällt auf", so Nerb, "welch großer Wandel sich insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten im Feuerwehrwesen vollzogen hat." Nerb erinnerte: "Anfänglich mit Wasserkübeln und Handdruckspritzen ausgestattet, ist die Feuerwehr heute mit modernsten Gerätschaften bestückt."

Die Historie der Feuerwehr begann am 15. Juli 1877. Auf Drängen des königlichen Bezirksamts wurde in Manching eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Vorsitzender Alex Ismann blickte zurück: 87 Bürger aus Manching, zwölf aus Pichl und fünf aus Niederstimm traten der Manchinger Wehr bei.

Nach einer Rechnung vom Dezember 1879 wurden vom königlichen Depot in Ingolstadt 100 Stahlblechhelme zum Preis von 100 Mark sowie eine Branddirektionsfahne für 22,60 Mark erworben. Als weitere Ausrüstung konnte die Feuerwehr eine Feuerspritze Baujahr 1870, zwölf Feuereimer, drei Dachleitern und einen 15 Meter langen Hanfschlauch übernehmen. Schon wenige Jahre nach der Gründung stellten die Wehrmänner fest, dass die Ausrüstung nicht den Erfordernissen entsprach. Weil die Beschaffung neuer Geräte die steuerschwache Gemeinde vor beinahe unlösbare Probleme stellte, wurde am 27. Mai 1891 vom Gemeinderat und Kommandanten Ignaz Storr ein Zuschussgesuch an das Bezirksamt zu Ingolstadt gerichtet.

Am 28. September 1891 wurde der Gemeinde Manching der Bewilligungsbescheid über 200 Mark zugestellt. Damit konnten eine Saug- und Druckspritze sowie mehrere Hanfschläuche gekauft werden.

Ein schreckliches Unglück ereignete sich in den Anfangsjahren der Wehr: Am 24. Mai 1891, vormittags um 11 Uhr, stürzte der 30-jährige Feuerwehrmann und Gemeindediener Leonhard Eichinger bei einer Übung von der Schubleiter und verstarb noch am Unfallort.

Ab 1931 brach auch in Manching das motorisierte Zeitalter an. Der Kauf einer gebrauchten Pumpe machte die Männer aber nicht glücklich, weil das Gerät immer wieder versagte. Aus diesem Grund entschlossen sich die Gemeindeväter unter Bürgermeister Johann Schranz, eine Tragkraftspritze zu kaufen. Wegen des Baus des Flugplatzes und der Luftwaffensiedlung wurde die Wehr 1943 mit einem Löschfahrzeug LF-15 ausgerüstet. Dies hatte zur Folge, dass die Manchinger bei Löscharbeiten im bombardierten München und Augsburg oft über mehrere Tage eingesetzt wurden. Den örtlichen Feuerschutz übernahm die Hitlerjugend - vor Kriegsende wurden sogar 16- bis 17-jährige Mädchen ausgebildet.

Bei den Plünderungen nach dem Zusammenbruch 1945 blieb auch die Feuerwehr nicht verschont. Das wenige Jahre alte Löschfahrzeug stand in wenigen Tagen ohne Reifen, Beleuchtung und Werkzeug im Schulstadel. Bis August 1945 schaffte es Kommandant Georg Stippel jedoch, die gestohlenen Teile wieder einzusammeln und das Auto einsatzfähig zu machen. Unter dem damaligen Bürgermeister Albert Huber bekam die Feuerwehr 1952 neben dem Raiffeisenlager in der Bergstraße ein neues Zuhause. Nachdem die Feuerwehr immer größer wurde, konnten die Wehrmänner unter ihrem Vorsitzenden Xaver Dauderer am 6. Dezember 1970 das neue Gerätehaus an der Bergstraße beziehen. Doch bald war das Haus wieder zu klein. Deshalb beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Albert Huch, ein größeres Haus an der Geisenfelder Straße zu bauen.

Die Manchinger Wehr, 1973 zur Stützpunktwehr ernannt, ist in den 140 Jahren nicht nur dem Wahlspruch "Einer für alle, alle für einen - Gott zur Ehr - dem nächsten zur Wehr" treu geblieben, sondern hat sich auch dem Wandel der Zeit angepasst.