Lenting: Breite Front gegen Funkmast
Umstrittener Mobilfunkmast: Lange diskutiert wurde über diese Anlage auf dem Dach eines Wohnhauses in Zuchering. Jetzt regt sich in Lenting Widerstand gegen eine Mobilfunkstation. ‹ŒArch - foto: Hauser
Lenting

Rund einen Monat nach der Sitzung des Lentinger Gemeinderats, in der die Pläne der Deutschen Telekom bekannt wurden (DK berichtete), liegen Listen mit mehr als 150 Unterschriften von protestierenden Bürgern auf dem Tisch. Darunter sind auch ein Dutzend Nachbarn des Anwesens, auf dem der Mobilfunkmast installiert werden soll. Sie ärgern sich, weil "niemand was dagegen hat".

Die Bürger kritisieren die Behörden und auch die Gemeinde. Nichts werde gegen diesen Standort "mitten im alten Ortskern" unternommen, finden sie. Als Beispiel zitiert wird die Aussage von Karlheinz Amler (FW) in der Gemeinderatssitzung am 5. Juli: "Dagegen können wir ja doch nichts machen."

Dies sehen die betroffenen direkten Nachbarn und auch zahlreiche entfernter wohnende Lentinger nicht so. Sie schlossen sich vor einigen 'Tagen zusammen zu der Initiative "Unterschriftenaktion gegen die Errichtung eines Mobilfunksendemasten im alten Ortskern Lenting". Mehr als 150 Bewohner haben bereits unterschrieben; laufend kommen weitere hinzu, war zu hören.

Diese Bürgergruppe ist nicht nur gegen die "Verschandelung des Ortsbilds" durch den stählernen Masten in unmittelbarer Nachbarschaft des Kirchturms - sie befürchtet auch Gefahren durch eine vermutete, nicht bekannte Strahlung für die Bewohner und Einrichtungen in nächster Nähe wie Kindergarten St. Nikolaus und Schule.

Die protestierenden Bewohner sind teils verwundert und verärgert, "weil sich deren beide Elternbeiräte so ruhig verhalten". Enttäuschte Reaktionen löste auch der einstimmige Beschluss des Gemeinderats aus, die Gemeinde schlage keinen Standort für einen Mobilfunkmast vor. Die Telekom hatte sogar eine "Beteiligung bei der Suche nach einem anderen Suchkreis" angeboten, nachdem sie die von der Gemeinde im März 2014 vorgeschlagenen Standorte im Norden abgelehnt hatte.

"Wenn's um ein Denkmal für die Argula geht, zeigen die Gemeinderäte mehr Interesse", stellte ein Anlieger der Hirschbergstraße fest. Es war eine von mehreren ärgerlichen Bemerkungen beim Treffen der Bürgergruppe. Gern hätte man auch Unterstützung "von weiter oben" gehabt, wie betont wurde. Der frühere CSU-Gemeinderat Klaus Maier, der mit zwei weiteren Nachbarn ein Gespräch mit Landrat Anton Knapp geführt hat, konnte auch nur berichten, dass man informiert worden sei. Das Landratsamt könne nichts machen. Durchgesickert ist inzwischen auch, ein Mast mit einer Höhe bis zu zehn Metern sei gar nicht genehmigungspflichtig.

"Der Mast muss weg", fordern die Gegner. "Jetzt wird's ernst", befürchtet aber eine Hausfrau in allernächster Nachbarschaft. Sie habe kürzlich beobachtet, wie in diesem früheren Zintl-Anwesen, wo sich die Telekom schon lange eingemietet hat, eine Gruppe Männer mit Technik und Meterstab anscheinend schon mit Arbeiten am Mast beschäftigt gewesen sei.

Nun überlegen sich die jetzigen Bewohner der ehemaligen Bauernhöfe wie Wagnersimmer, Hollerbauer, Dollerbauer sowie die weiteren Nachbarn und Hinterlieger Schritte, um die Ausführung einer Planung zu verhindern, die "über unsere Köpfe hinweggeht".

Die Telekom bevorzugt den alten Ortskern zwischen Kirche, Kindergarten und Schule als zentralen Standort für die Mobilfunkstation. Dies deshalb, weil "mit einer Anlage im Süden von Lenting eine sehr gleichmäßige Versorgung von Lenting möglich ist", so die Telekom.

Wie es weitergeht oder gar ausgeht, ob amtlicherseits sogenannte Befindlichkeitsstörungen überhaupt eine Rolle spielen - darüber wird im Kreis der Gegner gerätselt. Kürzlich war eine starke Abordnung der protestierenden Anwohner bei Bürgermeister Christian Tauer, um ihm ihre Bedenken vorzutragen. Tauer teilte dies der Telekom schriftlich mit. Auf die Reaktion ist man nicht nur im Rathaus gespannt.