Vohburg: Das Angebot an DVDs und CDs in der Mediathek in Vohburg ist groß, aber der Trend geht in eine andere Richtung.
Das Angebot an DVDs und CDs in der Mediathek in Vohburg ist groß, aber der Trend geht in eine andere Richtung. Wie die Leiterin Alexandra Schmid in ihrer Jahresbilanz festgestellt hat, sind die Zahlen für die virtuelle Ausleihe deutlich gestiegen.
Meßner
Vohburg

Alexandra Schmid hat einen Haufen Ausdrucke vor sich liegen. Sie mag Statistiken. Und in dem Papierstapel steht alles, was die elektronische Erfassung zur Mediathek hergibt. Dass es zum Beispiel jemanden in Vohburg gibt - den Namen verrät sie natürlich aus Datenschutzgründen nicht -, der im vergangenen Jahr sage und schreibe 1250 Medien ausgeliehen hat. Wohlgemerkt in nur einem Jahr. Und dann ist da auch noch Rita Falk. Die meisten Vohburger dürften sie kennen. Nicht persönlich, aber ihre Arbeit. Denn ihr Buch "Sauerkrautkoma", ein bayerischer Krimi mit dem etwas schrulligen Polizisten Franz Eberhofer, steht auf Platz eins der meist geliehenen Bücher (Belletristik). Mehr noch: Auf den Plätzen eins bis zehn liegen acht bayerische Krimis, die meisten von Rita Falk. Einzig die britische Herz-Schmerz-Autorin Jojo Moyes ("Ein ganzes halbes Jahr") hat mit zwei Büchern diese geballte Bayern-Power durchbrochen.

Wie sich aus den Zahlen weiter zeigt, sind die Vohburger Bastler. Denn das meistgeliehene Sachbuch heißt "Mach was Buntes" und enthält Anleitungen etwa zum Fertigen von Wohnungsdekoration. Bei den Kindern und Jugendlichen sind die Tiptoi-Bücher, die Reihe Gregs Tagebuch und die Nintendo-Spiele am beliebtesten. Insgesamt hat die Mediathek im Jahr 2017 knapp 30 000 Ausleihen verzeichnet. Diese Zahl bewegt sich etwa auf dem Vorjahresniveau. Doch ein genauerer Blick in die Statistik offenbart Erstaunliches. "Es vollzieht sich gerade eine Trendwende", sagt Alexandra Schmid. Weg von den herkömmlichen Medien hin zur virtuellen Mediathek. Vohburg ist bekanntlich Mitglied bei der Sübo, der Südbayern Onleihe. Das ist ein Verbund von mehr als 20 Büchereien, die ihren Lesern auf einer gemeinsamen Basis ein umfangreiches Angebot an Büchern, Zeitschriften und Hörbüchern bieten. Diese können bequem von zu Hause aus auf den Computer, das Tablet, den E-Reader oder sogar das Smartphone heruntergeladen und ausgeliehen werden. "Die Steigerungsrate ist enorm", sagt Schmid beim Blick in ihre Zahlen. Davon ist sie selbst überrascht worden, denn die Damen in der Mediathek selbst bekommen von der Onleihe nichts mit. Es gibt sogar 36 Leser, die ausschließlich online ausleihen. Die also nur einmal im Jahr leibhaftig in die Mediathek kommen, um die Jahresgebühr zu bezahlen. Schmid verweist auch auf stark gestiegene Aufrufe des Online-Verzeichnisses Webopac. 6500 Mal nutzten die Leser diese Informationsquelle. Die Leiterin der Mediathek glaubt, darin einen Gesellschaftstrend zu erkennen. Dass die Menschen immer mehr frei sein wollen von Bedingungen, sich loslösen wollen von starren Öffnungszeiten. Ein Beleg dafür ist auch, dass mittlerweile 20 Prozent aller Rückgaben durch den Schacht an der Mediathek erfolgen, also außerhalb der Öffnungszeiten.

Da die Ausleihzahlen insgesamt konstant geblieben sind und die Onleihe einen starken Zuwachs verzeichnet, muss es auch einen Verlierer geben. Das sind die CDs und DVDs. Der beliebteste Film aus der Reihe "Ich - Einfach unverbesserlich" wurde zwar 117 Mal im vergangenen Jahr ausgeliehen, insgesamt sind die Ausleihen aber um rund 1000 gesunken. Das entspricht ziemlich genau dem Zuwachs aus der virtuellen Mediathek. Alexandra Schmid geht davon aus, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Die Nutzer schätzen es einfach, wenn sie unterwegs mit dem Smartphone Hörbücher runterladen können oder im Urlaub ein Buch auf den E-Reader. Schmid selbst ist neugierig darauf, wie sich die Mediathek weiter entwickeln wird. Sie ist sich jedenfalls sicher: "Es wird noch viel passieren."