Die revolutionsbedingte Absetzung König Ludwigs III. mutet auch deshalb so traurig an, weil es seinerzeit kaum ein bayerisches Landeskind ehrlich bedauerte, als sich seine Majestät samt Entourage ins Auto setzte und auf Nimmerwiedersehen ins österreichische Exil verschwand. Aus dem Königreich Bayern wurde der kini-lose Freistaat Bayern.

Ludwig II. hat es dank seiner protzigen Schlösser zu spätem, aber anhaltenden Weltruhm als "Märchenkönig" gebracht. Dass sein Großvater Ludwig I. auch einiges für Ehrerbietung hergibt - und für antimonarchische Aufwallung gleichermaßen - zeigen die Ingolstädter. Wie berichtet, hat der Vorstoß der CSU-Stadtratsfraktion, den Platz auf dem Gießereigelände vor dem Kavalier Dalwig (wo in einigen Jahren das digitale Gründerzentrum Brigk einziehen soll) nach König Ludwig I. zu benennen, eine derart leidenschaftliche Diskussion ausgelöst (das Internet zitterte. ), dass sensible Zugereiste fast den Eindruck gewinnen konnten, jemand wolle in Bayern wieder die Monarchie einführen.

Der Name "König-Ludwig-Platz" sei eine historisch angemessene Hommage an einen Monarchen, der eine Menge für Ingolstadt getan habe, finden die Befürworter. Andersdenkende argumentieren: Viele würden "König Ludwig" mit dem Märchenkönig Ludwig II. assoziieren. Das klinge nach Heimattümelei und Bavarica-Kitsch - was arg provinziell sei. Karl Ettinger (FDP) warf deshalb offensiv-ironisch ein: "Warum nicht auch noch Lüftlmalerei auf dem digitalen Gründerzentrum. "

Die Königsdiskussion nimmt kein Ende. Dabei schien die Entscheidung schon gefallen zu sein: Am 7. März stimmte der Kulturausschuss mit knapper CSU/FW-Mehrheit für den Wittelsbacher und gegen den "Dalwigk-Platz", den Vorschlag der Stadtverwaltung. Damit sei der Fall erledigt, der Stadtrat müsse sich nicht mehr damit beschäftigen, stellte der Ausschussvorsitzende Albert Wittmann (CSU) gleich nach der Abstimmung fest - allerdings blieb das nicht unwidersprochen. Der Stadtrat befasste sich in seiner Sitzung am 20. März dennoch mit dem Patronat für den neuen Platz - und verwies die Frage ohne Diskussion in den zuständigen Bezirksausschuss (BZA) Mitte.

Dessen Mitglieder sind einigermaßen irritiert, denn eigentlich verläuft der Entscheidungsweg in der Gegenrichtung: Die für Bürger relevanten Themen werden zuerst im BZA vorgestellt, diskutiert und für gut oder schlecht befunden (das Gremium hat jedoch kein Beschlussrecht) und gelangen danach in die zuständigen Ausschüsse des Stadtrats und dann schließlich in dessen Vollversammlung. Die trifft die Entscheidung. Aber die Causa König Ludwig ging bisher am BZA Mitte komplett vorbei.

Deshalb weisen die Mitglieder Ingeborg Jopien, Peter Schneider (beide Grüne), Sascha Lachner (BGI) und Matthias Büscher (Linke) in einem gemeinsamen Antrag auf das Anhörungsrecht der Bezirksausschüsse gemäß Geschäftsordnung hin. Sie fordern eine "umfassende Information und Anhörung des BZA über die Bauvorhaben neben dem Kavalier Dalwigk". Jetzt hat es König Ludwig tatsächlich in die nächste Sitzung geschafft. Am morgigen Dienstag, Beginn 19.30 Uhr im Neuburger Kasten, kann überaus volksnah über seine Majestät diskutiert werden.

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