Eine Viertelmillion Quadratmeter - das entspricht in etwa mindestens 35 Fußballfeldern. Um diese Fläche will das Logistikunternehmen Scherm seinen Standort Probfeld erweitern. Dort sind derzeit auf insgesamt 43 Hektar rund 13 000 Fahrzeuge abgestellt sind. Im Jahr 1972 begann die Geschichte des größten Steuerzahlers und Arbeitgebers in Karlskron (200 Beschäftigte) mit einer Kartoffelhandlung. Heute zählt die Scherm-Gruppe 2000 Mitarbeiter an 14 Standorten in Europa. Ihr größtes Problem am Stammsitz ist der Platzmangel: bei der Anlieferung, den Büros und bei der Logistik.

"Wir sind dort mit der Situation nicht glücklich", sagte Pressesprecher Maximilian Roos am Montagabend im Gemeinderat Karlskron, als er das Standortentwicklungskonzept für den kleinen Ortsteil Probfeld vorstelle. Obwohl mittlerweile bis zu 15 Prozent der Pkw per Bahngleis ins Werk angeliefert werden, stauen sich die Lkw am Eingang, wo es tagtäglich zu gefährlichen Situationen kommen kann. Es sollen neue Flächen für Büros, Ersatzteillogistik und die Fahrzeuglogistik geschaffen und so das angespannte Platzproblem entschärft werden. Die Gemeinde müsse nun entscheiden, ob sie diesem Ziel des größten Arbeitgebers der Gemeinde zustimmt und ein Planungsverfahren einleitet.

"Wir reden nicht über 35 Arbeitsplätze, sondern über 235."

Werner Widuckel, SPD

 

 

"Es geht um die Weiterentwicklung des gesamten Standortes", sagte Roos, an dem die Unternehmensgruppe festhalten will: "Wir wollen nicht woanders hingehen." Sowohl die Büros als auch die Fahrzeuglogistik platzten aus allen Nähten. "Gleichzeitig ist die Verkehrssituation vor der Pforte und im Werksgelände problematisch", so Roos weiter. Deshalb sollen im neuen Konzept die Pforte nach hinten versetzt, der Verladeplatz und die Verkehrsführung geändert werden. Die Dimensionen sind enorm: Geplant sind 1700 Quadratmeter Büroflächen sowie eine neue Logistikhalle mit 17 000 Quadratmetern.

"Für die Weiterentwicklung des Firmenareals benötigen wir auch eine Weiterentwicklung der Fläche", führte Roos an. So sollen im Norden zusätzliche 250 000 Quadratmeter (inklusive Grünfläche) geschaffen werden und somit die Entwicklung möglich machen. "Wir machen Probfeld damit fit für die Zukunft und sichern sein Fortbestehen", erklärte der Unternehmenssprecher. Dadurch könne das Unternehmen weitere Mitarbeiter am Standort beschäftigen. Im ersten Schritt sollen 35 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Mit der Erweiterung wird aber auch der Verkehr zunehmen. Zu den derzeit rund 90 Lkw am Standort sollen 27 weitere hinzukommen. Etwa ein Drittel der Laster fahren im Rundlauf, sie bringen also Pkw und holen welche ab. Diesen Anteil will Scherm erhöhen. Neu ist, dass Scherm für Bürger eine eigene Informationsplattform geschaffen hat. Unter www.probfeld.scherm.com können alle Fakten und Informationen zur geplanten Standortentwicklung eingesehen werden.

Kontroverse Diskussion um "35 Fußballfelder"

Es gebe aber durchaus Überlegungen. Außerdem habe das Unternehmen keinen direkten Einfluss auf die Bahnanlieferungen. "Stehen dann irgendwann mal die Autos bis nach Karlskron?" wollte Erwin Kübler (FW) wissen. Er hatte den richtigen Schluss gezogen, dass mit der Erweiterung auch mehr Abstellfläche für zusätzliche Autos geschaffen wird, was Roos auf Anfrage unserer Zeitung auch bestätigte. Kübler will eine Erweiterung mit dem Bau einer Umgehung von Karlskron verknüpfen. Dann würde auch eine Anbindung des Werks über eine Nordzufahrt Sinn machen, so Roos. Auch Hedwig Brüderle wies auf die Notwendigkeit einer Umgehung hin, da jetzt praktisch der gesamte Straßenverkehr zwischen B 16 und B 300 über die jetzige Route laufe.

 

"Das macht alles einen plausiblen Eindruck", lobte Werner Widuckel (SPD) die Präsentation. "Der Handlungsbedarf ist da. Wir müssen uns damit befassen." Geklärt werden müssten die wasserwirtschaftlichen Fragen, wobei das Regenrückhaltebecken laut Roos völlig ausreichend sei. Widuckel betonte auch die Dimension des Vorhabens: "Beim Standortentwicklungsplan reden wir nicht über 35 neue Arbeitsplätze, sondern über 235 Arbeitsplätze", sagte er. Außerdem sei eine "langfristig gesicherte Einnahmesituation für die Gemeinde" sehr wichtig - Stichwort neue Turnhalle. "Wir sollten uns der Anfrage positiv stellen", appellierte Tobias Appel (CSU) an seine Ratskollegen. "Die Firma ist ein Aushängeschild der Gemeinde", hob seine Fraktionskollegin Lena Hufnagl hervor - und garantiere außerdem ortsnahe Arbeitsplätze.

"25 Hektar für 35 Arbeitsplätze stehen in keinem Verhältnis."

Silvia Dirsch, Grüne

 

Martin Wendl (Grüne) wollte Details zu den Arbeitsplätzen erfahren, nachdem im Mai zwei Abteilungen verlagert worden waren. Wie Roos versicherte, seien diese Beschäftigten noch am Standort. Durch die Errichtung einer neuen Logistikhalle könnten jedoch weit mehr Arbeitsplätze als die genannten 35 entstehen. Dagegen wäre ein von Wendl wegen des hohen Flächenverbrauchs angeregtes Parkdeck laut Roos "extrem teuer".

Kritisch sieht seine Parteifreundin Silvia Dirsch die Pläne von Scherm. "Wir sollten zuerst klären, ob der Gemeinderat diese Erweiterung überhaupt will, und zwar vor dem offiziellen Verfahren", warf sie in die Runde. "25 Hektar für 35 Arbeitsplätze stehen in keinem Verhältnis", betonte sie und wies auf die große Verkehrsbelastung in Lichtenau hin. Rathauschef Stefan Kumpf (CSU) lobte wie auch ein Teil des Gemeinderats die "ungewohnte Offenheit" der Firma und sicherte eine gründliche Beratung und Abwägung zu. Voraussichtlich in der Novembersitzung soll eine Entscheidung fallen, ob eine Bauleitplanung begonnen wird.

Die Pläne für eine Erweiterung der Firma Scherm sind nicht neu. Bereits im Jahr 2009 war ein Antrag auf eine Erweiterung im Norden des Geländes um gut ein Dutzend Hektar nur mit knapper Mehrheit vom Gemeinderat beschlossen worden. Diese Pläne waren Ende 2012 durch einen von der Initiative gegen Schwerlastverkehr gestarteten Bürgerentscheid abgeblockt worden.