Karlskron : Über 40 Hektar Fläche und doch kein Platz
Autos über Autos stehen auf dem Logistikgelände von Scherm im Karlskroner Ortsteil Probfeld. Während die Fahrzeug- und Ersatzteillogistik am Standort bleiben soll, werden Teile der Verwaltung verlagert. Der Firma fehlt es an Platz. ‹ŒDK-Arch - foto: Schalk
Karlskron

Wie Roos weiter sagte, wachse das Unternehmen im kaufmännischen Bereich. Unter anderem wurde deswegen die Steuerung "in Richtung München" verlagert, wo mehr Platz zur Verfügung stehe. Gleichzeitig entstehen dort neue Arbeitsplätze. Die rund 60 Verwaltungsmitarbeiter in Probfeld bleiben vorerst da.

Die Umstrukturierung betrifft bisher nur einen kleinen Teil des Standortes. Für die restlichen Geschäftsbereiche wie die Fahrzeuglogistik oder Ersatzteillogistik habe die Umstrukturierung indes aktuell noch keine Auswirkungen. Jedoch könne nicht ausgeschlossen werden, ob es in Zukunft weitere Verlagerungen gibt. "Wir möchten gerne an unserem Heimatstandort bleiben. Dafür müssen wir jedoch, idealerweise kurzfristig, wachsen können", sagte Roos. Wie er einräumte, seien jedoch Ersatzflächen in der benötigten Größe schwierig zu beschaffen. Wenn jedoch ein geeignetes Areal da sein, werde man auch über eine Verlagerung nachdenken. "Wir brauchen eine Gesamtlösung", sagte er.

Ein großes Problem sei auch der Verkehr am Standort, was immer wieder zu Staus führe. Von Probfeld aus werden 225 Lkw-Fahrer gesteuert. Auch den Verkehr auf dem über 40 Hektar großen Firmengelände bezeichnete er als sehr schwierig.

Die Scherm-Gruppe wurde 1972 als Kartoffelhandel in Karlskron gegründet und beschäftigt derzeit über 2000 Mitarbeiter an 14 Standorten in Europa, davon rund 200 in Probfeld. Scherm ist damit der größte Arbeitgeber in Karlskron. Die rund 1000 Arbeitsplätze im GVZ in Ingolstadt sowie die gut 150 in Neuburg bleiben nach Firmenangaben erhalten. "Uns geht's nicht schlecht", sagt Roos: Die Unternehmensgruppe will weiter wachsen, ein Abbau von Arbeitsplätzen sei nicht vorgesehen.

"Schön ist es nicht und weh tut's uns auch", sagte Karlskrons Bürgermeister Stefan Kumpf (CSU), der sich aber keiner Schuld bewusst ist. Seit er im Amt sei, habe die Gemeinde die Firma Scherm immer unterstützt. Richtig überraschend sei für ihn die Verlagerung von Firmenteilen freilich nicht. Die Gemeinde sei insgesamt "noch gut aufgestellt", auch wenn im Haushalt 2017 deutlich weniger Gewerbesteuern veranschlagt seien. Von einer kompletten Verlagerung geht Kumpf indes nicht aus.

Der Karlskroner Rathauschef erinnert auch an das Bürgerbegehren vom Januar 2012 und betont, dass er immer für die Erweiterung gewesen sei. Scherm wollte damals ein Sondergebiet von 12,5 Hektar Fläche als zusätzliche Pkw-Abstellfläche. Gegen diese Pläne hatte sich Widerstand formiert, der schließlich in einem Bürgerentscheid mündete. Eine Interessengemeinschaft wollte nicht noch mehr Schwerlastverkehr durch die Ortschaften in der Umgebung, was befürchtet wurde. Mit einer knappen Mehrheit in der Stichfrage wurde die Erweiterung damals abgelehnt. Nicht verwirklicht wurden auch ein VW-Originalteilelager sowie ein Gebrauchtwagenzentrum für Audi-Mitarbeiter, das dann in Ingolstadt entstand.