Irsching: "Mein Job ist mein Hobby"
Er sorgt für zusätzliche Sicherheit, wenn im Irschinger Warmbad der Besucherandrang groß ist. Augusto Rodriguez arbeitet in dieser Saison aushilfsweise als Rettungsschwimmer. Er stammt aus der Dominikanischen Republik. - Foto: Schabenberger
Irsching

Er sitzt auf einer Bank am Beckenrand und hat die Kinder im Blick, die vom Drei-Meter-Brett springen. Er achtet auf die Buben, die im Wasser toben. Augusto Rodriguez hilft heuer bei großem Besucheransturm als Rettungsschwimmer im Irschinger Warmbad aus. Natürlich verliert er auch die Erwachsenen nicht aus dem Auge.

Eigentlich ist Rodriguez Tauchlehrer. Diesen Beruf erlernte er in seiner Heimat, der Dominikanischen Republik. Er ist das Wasser schon von klein auf gewohnt: Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Puerto Plata, zu Deutsch Silberhafen. "Wenn man dort morgens auf das Meer blickt, glitzert es in der Sonne silbern. Oft so stark, dass man es nicht direkt anschauen kann", erläutert Rodriguez den Stadtnamen. Schon im Alter von vier Jahren lernte er im Meer von seinen Brüdern und Cousins das Schwimmen.

Zum Tauchlehrer bildeten ihn in der Dominikanischen Republik Trainer aus Florida aus. Getaucht ist er seitdem rund 5000-mal und sah dabei auch jede Menge Fische - sogar Delfine. Der Beruf des Tauchlehrers sei laut Rodriguez nicht so entspannt, wie es sich die meisten vorstellen: Man verdiene zwar gutes Geld. Aber dafür müsse man auch extrem sportlich sein, auf Alkohol und Rauchen verzichten. Mit der erworbenen Lizenz darf er in der ganzen Welt das Tauchen unterrichten, was in Deutschland ohne passendes Meer allerdings schwierig ist.

Da es der 50-Jährige aber genießt, mit dem Wasser zu arbeiten, orientierte er sich in Deutschland neu und ist nun Rettungsschwimmer. Rodri-guez scherzt im Irschinger Warmbad mit vorbeigehenden Badegästen. "Mein Job ist mein Hobby", erklärt der Mann seine gute Laune. Er bemüht sich stets, Deutsch zu sprechen. Als es ihn vor acht Jahren nach Deutschland verschlug, besuchte er einen Sprachkurs an einer Volkshochschule. Seine Muttersprache ist nämlich Spanisch. "Ich wollte, dass die Menschen mich verstehen", erinnert sich der Rettungsschwimmer.

Bevor Rodriguez in diese Gegend zog, lebte er unter anderem in Berlin, Sachsen oder Thüringen. Der Grund, wieso er überhaupt nach Deutschland kam, waren seine deutsche Ex-Frau und seine Kinder. Seine ehemalige Partnerin lernte er in der Dominikanischen Republik kennen, als sie dort ihren Urlaub verbrachte. Er arbeitete als Tauchlehrer in dem Hotel, in dem sie untergekommen war. Die beiden lebten eineinhalb Jahre zusammen in der Dominikanischen Republik. Dort wurde auch ihre Tochter Lisa geboren. Danach ging die Familie nach Deutschland, wo Sohn Lennox zur Welt kam. Mittlerweile sind die Kinder acht und fünf Jahre alt. Rodriguez' Ex-Frau wollte zurück in ihre Heimat. In Deutschland sei das System rund um Kindergarten, Schule, Hausaufgaben und Kinderarzt besser. Das alles sei in der Dominikanischen Republik "flexibler". Rodriguez gesteht: "Deutsche Mamas sind gute Mamas. Sie halten die ganzen Arzttermine ein und greifen auch bei den Bettgehzeiten durch."

Der Rettungsschwimmer genießt an Deutschland noch andere Vorzüge: Er fährt gerne Rad, was hier erheblich einfacher ist. Die Radwege sind nämlich beinahe überall gut ausgebaut. "Dafür habe ich mir extra ein gutes Rad gekauft." In der Dominikanischen Republik hingegen müsse man sich die Straße mit dem restlichen Verkehr teilen. Und an die bestehenden Regeln halten sich sowieso nicht alle. Außerdem sah Rodriguez in Deutschland zum ersten Mal Schnee und lernte Skifahren. In seiner Heimat ist Skifahren unmöglich - selbst im Winter betragen die Temperaturen immer mindestens 24 Grad. Darüber hinaus entdeckte er neue Leibgerichte für sich. Zum Beispiel die Bratwurst.

Natürlich vermisst Augusto Rodriguez seine Heimat: "Daran hängt mein Herz." Etwa alle drei Jahre fliegt er in die Dominikanische Republik. Er möchte aber in Deutschland bleiben, um für seine Kinder da zu sein, auch wenn er von seiner Familie getrennt lebt. Und um ganz nebenbei das Irschinger Warmbad sicherer zu machen.