Bitte recht freundlich
Ingolstadt (DK) Surfen am Arbeitsplatz ist in diesem Fall ausdrücklich geboten: Seit Microsoft über den Geodatendienst Bing Streetside detaillierte Straßenansichten ins Internet liefert, erkunden auch einige Ingolstädter Schulleiter ihre Häuser auf virtuellem Weg. Vor dem Scheiner-Gymnasium gibt’s einiges zu entdecken: Da sitzt ein junger Mann im Kofferraum eines Autos und lächelt den Aufnahmewagen nett an.

Dolce Vita im Bistro Due bei Bing Streetside. Hier hat der DK die Gesichter verpixelt. Im Original erkennt man einige Gäste ziemlich gut.
Der Direktor findet das problematisch. „Erst recht, wenn man bedenkt, welchen Aufwand wir in der Schule betreiben, um das Recht am eigenen Bild zu wahren“, sagt Gerhard Maier. „Mir wäre wohler, wenn Microsoft alle Gesichter verpixeln würde.“
Die Deutschlandzentrale des Unternehmens in Unterschleißheim erwidert: Die Fehlerquote beim Verpixeln liege unter drei Prozent. „Die staatlichen Datenschützer haben sich persönlich davon überzeugt, dass bei Bing Streetside alles den Anforderungen entspricht“, sagt Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner. In „Grenzfällen“ könne die Software nicht genau erkennen, was es zu verpixeln gelte. „Aber das wird in der Regel gekennzeichnet und dann per Hand bearbeitet.“ Ein ganzes Team sei dafür im Einsatz, berichtet Baumgärtner. Im Übrigen gebe es die Möglichkeit, bei Bedenken in der Fotoansicht unten rechts auf das Fragezeichen zu klicken. „Dort kann man direkt Fotos melden, die verpixelt werden müssen.“
Laut Microsoft haben bisher 81 000 Deutsche Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Bildern ihrer Häuser eingelegt; das ist weiterhin möglich. Bei Google Street View, am Netz seit 2010, waren es Hunderttausende. Baumgärtner hört es oft, dass Microsoft im Windschatten von Google unterwegs sei. Doch er sieht das anders: „Hier wirkt kein Geschwistereffekt der Art ,Wenn der Zweite kommt, regt man sich nicht mehr so auf’. Vielmehr hat Google eine Diskussion angestoßen, die viel zum Verständnis beigetragen hat.“ Denn die Erfahrung zeige: „Je besser die Bürger mit Geodatendiensten vertraut sind, desto weniger Bedenken haben sie.“
Die Stadt tut das, was sie bereits bei Google Street View getan hat: „Wir legen Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Schulen, Kindergärten und anderen Jugendeinrichtungen ein“, berichtet Pressesprecher Gerd Treffer. Er weist darauf hin: „Die Stadt kann nicht stellvertretend für die Bürger protestieren.“ Das müsse jeder selber tun.
Er wird sich nicht beschweren: der Wirt Alessandro Montuori. Sein Corso Italia an der Theresienstraße wurde von der Microsoft-Kamera mitsamt lächelnden Gästen vor der Tür gut getroffen. „Das passt schon“, findet Montuori. Bedenken? „No.“
Von Christian Silvester
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