Ingolstadt: Wichtige Werte
Theaterfan: Thomas Buchhold kennt durch seine vielen Besuche die Schauspieler und ihre Kostüme. Sein Vater Ralf ist Vorsitzender der Theatergemeinde, seine Mutter Christa leitet die Geschäftsstelle - Foto: Strisch
Ingolstadt
Am liebsten schaut sich Thomas Buchhold die Stücke an, die einen Bezug zur realen Welt haben. In dieser Spielzeit ist das „Meine gottverlassene Aufdringlichkeit“. Nicht nur, weil darin Thomas’ Lieblingsschauspielerin Denise Matthey mitspielt, sondern auch, weil das Stück die Probleme der heutigen Zeit anspricht. „Man lebt in seinen Träumen, aber merkt nicht, dass die Welt so nicht ist“, erklärt Thomas. „Von dieser Welt kommt man aber nicht heraus, weil man schon vorher die Weichen falsch gestellt hat.“

Thomas Buchhold mag solche Stücke. Weil er dabei für sein Leben lernt. Der 25-Jährige studiert Jura, und wann immer es seine Zeit erlaubt, geht er ins Theater oder in die Oper. Fast 20 Stücke hat er in dieser Spielzeit alleine im Stadttheater schon gesehen. „Theater ist unglaublich wichtig, weil es Werte vermittelt und man nie genügend Werte vermittelt bekommen kann“, erklärt Thomas. Das Theater sei ein wichtiges Forum, das Diskussionen anrege. „Weil es Sachen anspricht und auf Probleme aufmerksam macht, die man in der realen Welt nicht ansprechen kann.“

Der 25-Jährige ist das jüngste Mitglied der Theatergemeinde Ingolstadt. Der Verein wurde im Oktober 1965 gegründet. „Damals gab es noch nicht einmal das Stadttheater, das wurde erst drei Monate danach eröffnet“, erzählt Christa Buchhold, die seit 2009 die Geschäftsstelle leitet. Initiiert hatte den Verein vor fast 50 Jahren der damalige Oberbürgermeister Josef Listl sowie der frühere Verleger des DONAUKURIER, Wilhelm Reissmüller. Heute gehören ihr 600 Theaterfreunde an.

Der Verein setzt sich dafür ein, das Verständnis für Kunst zu wecken und zu fördern. Er stellt nicht nur verschiedene Abonnements zusammen, sondern organisiert auch Theater- und Opernfahrten sowie Kulturreisen. In diesem Jahr geht es beispielsweise noch zum Städel-Museum nach Frankfurt und zum Beethovenfest nach Bonn.

Thomas war schon als Schüler begeisterter Theatergänger, seit 2008 hat er ein Abo. Vor kurzem hat er in seinem Studienort Passau ein ähnliches Projekt initiiert und organisiert in diesem Jahr eine Fahrt mit 30 Studenten zum Nationaltheater München, um Wagners Parsifal anzuschauen. Auch seine Verwandten versucht Thomas zu animieren, ins Theater zu gehen. „Viele denken, dass man erst ab 40 oder 50 ins Theater geht. Deshalb versuche ich, die Leute anzustoßen, damit sie ihre Berührungsängste verlieren.“ Im aktuellen Spielplan empfiehlt er jungen Leuten die Stücke „Die Grönholm-Methode“ oder „Das war ich nicht“.

Wie viele Opern und Theaterstücke Thomas schon gesehen hat, lässt sich nicht mehr zählen. Einen Traum konnte er sich jedoch bisher nicht verwirklichen: Er möchte einmal die Wagner-Festspiele in Bayreuth sehen. Die richtigen Weichen hat Thomas bereits gestellt: „Auf der Warteliste stehe ich schon. In etwa zwölf Jahren müsste ich drankommen!“