Ingolstadt: Theresienstraße als Fußgängerzone
Nebeneinander von Verkehr und Vergnügen: Der Qualitätszirkel schlägt vor, die Theresienstraße komplett zur Fußgängerzone zu machen. Denn am Wochenende fahren die Autos teilweise bis in die Morgenstunden umher und rauben den Anwohnern den Schlaf. - Foto: Rössle
Ingolstadt
Der Qualitätszirkel wurde im Oktober 2009 gegründet mit der Absicht, Lösungen für die Probleme in der Ingolstädter Altstadt zu finden: Lärm und Verschmutzung, Vandalismus und Alkoholmissbrauch, Verkehr und Parken – das waren die Themen, mit denen sich Altstadtbewohner, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Polizei, Stadträte und Wirte auseinandersetzten. Sie alle kamen acht Mal zusammen, informierten sich über Vorgehensweisen in anderen Städten und stellten einen Katalog mit einer Reihe von Empfehlungen zusammen, der demnächst im Stadtrat diskutiert wird.

Schon im Vorwort warnt Bürgermeister Sepp Mißlbeck allerdings vor zu hohen Erwartungen: "Die Lösung schlechthin wird es nicht geben."

Einer der Vorschläge des Qualitätszirkels – der sogar über ein eigenes Logo verfügt: der Ingolstädter Panther in einem Q – ist eine Citystreife. Neuburg hat bereits vor einigen Monaten eine ins Leben gerufen und mit Kompetenzen ausgestattet, die über das "Jedermannsrecht" hinausgehen. Die Mitarbeiter dürfen beispielsweise Personen zeitweilig festsetzen oder Verwarnungen aussprechen. Für Stefan Wild, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands und verantwortlich für den Inhalt des Papiers, ist die Citystreife eine Möglichkeit, an öffentlichen Plätzen Präsenz zu zeigen. "Wir sollten im Vorfeld aktiv werden und nicht auf Eskalation warten."

Altstadtbewohner klagen auch häufig über den Parksuchverkehr und sinnloses Umherfahren, das sich bis in die frühen Morgenstunden hinzieht, mitunter einhergehend mit "Partys aus dem Kofferraum", wie es in dem Papier heißt. Ein Brennpunkt ist die Theresienstraße. Hier schlägt der Qualitätszirkel vor, die Fußgängerzone zu verlängern. Das wäre, so heißt es in dem Schriftstück, "eine sehr wertvolle Lösung, von der jeder Bürger profitieren würde." Zumal der Platz bis in die Abendstunden von Sonne beschienen ist und deshalb besonders zum Verweilen einlädt.

Ein weiteres Problem: Altstadtbesucher belegen zunehmend Parkplätze, die für Anwohner gedacht sind. Strafzettel ändern da wenig. Sinnvoll wäre nach Ansicht des Qualitätszirkels, solche Autos abschleppen zu lassen. Die Polizei hält dagegen, dass bloßes Falschparken kein Abschleppen gerechtfertigt.

Überquellende Abfalleimer, achtlos weggeworfene Verpackungen und zerbrochene Flaschen – vor allem am Wochenende kommt zutage, was nachts los war in der Altstadt. Hier hält es der Qualitätszirkel für sinnvoll, die Benutzung von Einwegbehältern im Straßenverkauf einzuschränken. Zudem könnte eine 30-Meter-Regel helfen, die besagt, dass Gaststätten den Müll nicht nur direkt vor ihrem Lokal, sondern auch im Umfeld beseitigen.

Wildbiesler sind nach wie vor ein Ärgernis. Die Schuld liegt jedoch nicht allein bei den Gaststättenbetreibern, sondern auch daran, dass ab einer gewissen Uhrzeit die meisten öffentlichen Toiletten geschlossen sind. Anhilfe schaffen hier Übersichtspläne, wo es öffentliche WCs gibt und wann sie geöffnet sind.

Der Qualitätszirkel hält auch verstärkte Kontrollen und den Aufbau eines Gaststättenüberwachungsdienstes für ratsam. Es könne nicht sein, dass Tagescafés zu viel besuchten Nachtclubs mutierten und vorgegebene Betriebszeiten nicht eingehalten würden. Eine Sperrzeitverlängerung – die Verwaltung prüft gerade die rechtliche Möglichkeit – trägt der Qualitätszirkel wohl mit. "Aber nicht nach dem Gießkannenprinzip", so Wild. "Es wäre gut, wenn wir auf diese Weise hinkriegen, dass nur echte Diskothekenbetriebe die Hoheit über den Nachtbetrieb erhalten."

Die Mitglieder des Qualitätszirkel warten jetzt gespannt darauf, wie der Stadtrat mit den Handlungsempfehlungen umgeht. "In dem Papier stecken viel Arbeit und viele Ideen", erklärt Stefan Wild. "Es wurde streng diskutiert. Zunächst war da schon eine Lagerbildung, aber mit jedem Treffen wuchs das Verständnis für die andere Position, und am Ende haben sich alle in dem Papier wiedergefunden – für eine bessere Altstadt."