Ingolstadt: Schneller schnelles Internet
Metzgerei online: Die Waagen in den Filialen von Joseph Huber sind per Internet verbunden. Wo es schnelle Anschlüsse gibt, liefern die Monitore so Bilder und Produktinformationen an Kunden und Mitarbeiter. In Hundszell bleibt die Anzeige eher spartanisch - Foto: Rössle
Ingolstadt
Was kostet die Gelbwurst? Wie viel Schweinefilet ist für drei Personen nötig? Woher kommt der Schinken? Kompetente Antworten auf diese Fragen erhalten Kunden in den vier Filialen von Metzger Joseph Huber auch dank des Internets – ohne, dass sie es merken. Jede Waage ist über das Netz mit dem Server verbunden, auf dem Huber Bilder und Informationen hinterlegt hat. In dem Geschäft in Hundszell müssen Kundschaft und Mitarbeiter auf einen Teil des Angebots allerdings verzichten. Zu langsam ist hier die Internetverbindung. Darunter leiden auch andere im Ingolstädter Süden. „Ein Bekannter hat mir erzählt, dass seine Kinder die Hausaufgaben per E-Mail bekommen und teilweise die Anhänge nicht öffnen können“, sagt Huber.

Der Ausbau des Glasfasernetzes in der Schanz ist zwar geplant, geht vielen aus den Ortsteilen aber zu langsam. Sie haben das Gefühl, abgehängt zu sein. Mitte Februar lud der Bezirksausschuss Südwest den örtlichen Netzbetreiber Com-IN, eine Tochter der Stadtwerke, zum Gespräch. Das Unternehmen hat den Netzausbau im Stadtgebiet bis 2020 geplant. Hundszell und Knoglersfreude stehen als Letzte auf der Liste. Das Unternehmen bot an, den Anschluss an das Glasfasernetz bis Ende 2013 zu erledigen, sollten sich 60 Prozent der 900 in Frage kommenden Haushalte für einen entsprechenden Auftrag entscheiden. Erst dann sei der Ausbau wirtschaftlich sinnvoll. Die Reaktion kam prompt. Noch bevor der Netzbetreiber alle Bewohner von Hundszell und Knoglersfreude angeschrieben hatte, war schon eine Bürgerinitiative zum Glasfaserausbau gegründet. „Wir können das gemeinsam beschleunigen“, heißt es auf den Flugblättern, die bald darauf in alle Briefkästen gesteckt wurden.

Den Kampf um schnelles Internet kämpfen praktisch alle Ortsteile Ingolstadts. Doch die großen Netzanbieter zeigen wenig Interesse daran. Zunächst war es die Telekom, die Glasfaser testweise an manchen Stellen verlegt hat. Auch in Hundszell ruht ein solches Kabel, sagt Huber. „Das wird aber nicht angeschlossen, weil es angeblich nicht wirtschaftlich ist.“ Und so setzt sich der Metzger für die Ziele der Bürgerinitiative ein, obwohl das bedeuten kann, dass das neue Glasfaserkabel neben einem bestehenden Strang eingegraben wird.

Wer sich von der Com-IN einen Glasfaseranschluss in den Keller legen lässt, wird Kunde bei dem städtischen Netzanbieter. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Das heißt, wer bereits bei einem anderen Anbieter unter Vertrag ist, zahlt mindestens einen Monat doppelt. Das Kabel könne, so Geschäftsführer Siegfried Panzer, aber auch von der Konkurrenz genutzt werden. „Zumindest, wenn die großen Anbieter sich mal darauf einigen.“

Mitglieder der Bürgerinitiative und Vertreter von Com-IN werden am Samstag, 17. März, von 10 bis 12 Uhr vor dem Penny-Markt in Hundszell für ihr Ziel werben. Mag sein, dass auch einige Oberbrunnenreuther kommen, um sich Informationen zu holen. Die sind mit einem Ausbau erst 2018 dran, aber das Angebot eines beschleunigten Anschlusses bei genügend Interessenten gilt auch hier. „Dort sind die Bürger bisher aber nicht aktiv geworden“, sagt Panzer. Anders die Nachbarn von Unterbrunnenreuth: Die haben bei der Com-IN schon angeklopft.