Ingolstadt: Ein Stück Heimat
Was ist Heimat? Für den einen ist es das gemütliche Stüberl, für den anderen eine Erinnerung, Freunde oder ein besonderer Gegenstand .. - Foto: Strisch
Ingolstadt
Fragt man Knut Weber nach Heimatgefühlen, fällt ihm ein Fluss ein – der Rhein bei Bad Honnef, wo er 1953 auf die Welt gekommen ist. Einen einzelnen Ort als Heimat zu bezeichnen, findet Weber, der Intendant des Ingolstädter Stadttheaters, trotzdem schwierig. Theaterleute sind viel unterwegs, arbeiten an verschiedenen Orten, in unterschiedlichen Städten. Leben mal hier, mal dort. Da wird es schwer, einem einzelnen Ort eine so große Bedeutung zuzusprechen. „Allerdings kann man sich auf einer Bühne heimisch fühlen. Egal, wo sie steht“, findet Weber, der über Berlin, Tübingen, Wilhelmshaven, Stuttgart und Karlsruhe nach Ingolstadt gekommen ist. „Fremde Heimat“ hat er seine erste Spielzeit hier überschrieben. „Ein Thema, das beschäftigt, gerade in einer Zeit, in der die Globalisierung viele Menschen zwingt, ihre Heimat zu verlassen“, erklärt Weber.

Gleich zu Beginn der Spielzeit lud Weber Schauspieler und Publikum zu einem Heimatabend mit Musik, Theater, Lesungen und verschiedenen Speisen aus den verschiedenen Heimatländern der Gäste ein.

Jetzt plant das Stadttheater die Einrichtung eines temporären Heimatmuseums. Jeder ist aufgerufen, einen Gegenstand, den er mit Heimat verbindet, dem Theater für die Ausstellung zu leihen. „Wir passen sehr gut darauf auf“, verspricht Theatersprecherin Sonja Druyen. „Schließlich wissen wir, wie wertvoll diese Dinge sind.“ Die Aussteller erhoffen sich Beiträge von „Theatermitarbeitern und Zuschauern, Marktverkäufern und Politikern, Einheimischen und Zugezogenen, Heimwehgeplagten und Lokalpatrioten.“

Webers Beitrag zum Heimatmuseum wird ein Textbuch sein: „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard. Das Stück hatte Ende März in Ingolstadt Premiere, Weber führte Regie. Immer wieder hat er das Stück gelesen, Passagen gestrichen, sich Gedanken gemacht. „Wenn man sich intensiv mit einem Text beschäftigt, fühlt man sich in ihm fast wie zu Hause“, erklärt er.

Seit August arbeitet Weber in Ingolstadt. „Ich habe mich hier sehr schnell heimisch gefühlt“, sagt er. Das liege an dem „unglaublich offenen Publikum. Die nehmen uns, wie wir sind“, sagt er. Tatsächlich trägt selbst der Beton des Theaterbaus dazu bei, dass er sich in Ingolstadt schnell wohlgefühlt hat. Es erinnere an das Badische Staatstheater in Karlsruhe, seine künstlerische Heimat, bevor er nach Ingolstadt kam.

Die Leihgaben können an der Pforte beim Bühneneingang des Theaters abgegeben werden. Neben der Adresse und der Telefonnummer sollte dabei auch eine kurze Begründung beiliegen, warum der Gegenstand für den Besitzer Heimatgefühle auslöst. Am 28. April, um 18.30 Uhr, wird die kleine Ausstellung vor der Premiere des Stücks „Angerichtet“ im Foyer eröffnet.