Ingolstadt: Liebesgrüße aus Fernost
"Sucht man bei uns Wohnung oder Haus, ist man wirklich die ärmste Maus": Mit seiner achtseitigen Faschingspredigt begeisterte Pauluspfarrer Jürgen Habermann gestern früh die Gottesdienstbesucher, darunter wieder die gesamte Narrwalla. - Foto: Rehberger
Ingolstadt

Sie verstehen bei "Nimenhao" und "Bugandang" nur noch Bahnhof. Maximal noch "Habel Mann", wie ein Zwischenrufer anmerkt. Zusammen mit der Frage: "Wo kommen Sie denn her" Aus der Partnerstadt Foshan natürlich, dem Land der Ingolstädter Zukunftsträume. Und so fragt der chinesische Botschafter angesichts der China-Ambition aus dem Rathaus: "Ich dachte, alle in Ingolstadt sprechen inzwischen so..." Ab da schaltete Pfarrer Jürgen Habermann im China-Gewand wieder um ins gewohnte Deutsch und in die Reimform für seine Faschingspredigt.

Damit lockt der Geistliche von St. Paulus am Sonntagmorgen wieder eine beachtliche Zahl an Gästen in das Gotteshaus an der Theodor-Heuss-Straße. Unter den weit mehr als 250 Kirchgängern ist wieder die gesamte Abordnung der Narrwalla mit Prinzen- und Kinderprinzenpaar samt Hofstaat und Präsidium. Und das nur wenige Stunden nach dem letzten Auftritt in der Nacht. Auch Oberbürgermeister Christian Lösel ist auf den ungewöhnlichen Gottesdienst aufmerksam geworden und schaut um 9.30 Uhr pünktlich vorbei.

Um den OB dreht sich die Rede von "Habel Mann" besonders: "Brav und ruhig sollt ihr folgen dem Dr. Lösel, Chef eurer KP." Denn aus dem Zentralkomitee ist bekannt: "Bestimmen die Bürger überall mit, ist das für die Führung sh... - nicht der große Hit." Der Partnerstädter kümmert sich aber. Zum Beispiel um das Stadttheater: "Wir Chinesen werden es als Konsulat übernehmen." Auf einen Schlag würde sich Ingolstadt die 50 Millionen Euro Sanierungskosten sparen - wobei das Projekt in Wahrheit noch mehr als das Doppelte verschlingen könnte. Doch den fiesen Plan, der dahintersteckt, verriet "Habel Mann" auch: "Ihr werdet ganz klammheimlich aufgekauft, sodass ihr's gar nicht merkt und nicht weglauft. Ingolstadt und Audi gehören dann Foshan, das wollten wir schon immer hab'n."

Dann war aber Schluss für den Gast aus China, Habermann schlüpfte wieder in die Rolle des Till Eulenspiegel und rieb der Stadtspitze ihre Fehler unter die Nase. Obwohl Lösel neben Kritik ("ein schlüssiges Straßen- und Wohnungskonzept wurde im Rathaus allzu lange verschlafen, verschleppt") vom Till auch viel Lob erhielt. Eine Vision gab er den Gästen mit, bevor er mit langem Applaus verabschiedet wurde: Ingolstadt soll die gesamte Stadt unter die Erde bauen, zu Sub-Ingolopolis werden. Und drum herum: Geroldown, Irgertsstadt und Dünzlau als Trabantenstadt.