Ingolstadt: Wahlkampf in bewegten Zeiten
Sprachen über Kinderarmut, Asyl und den Arbeitsmarkt der Zukunft (von links): Reinhard Brandl, Agnes Krumwiede, Werner Widuckel und Roland Meier. - Foto: Brandl
Ingolstadt

Nahezu einig war man sich in der Feststellung, dass Deutschland in puncto sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit stark dastünde im Vergleich zu anderen Gesellschaften. Wie so oft steckte aber auch in dieser Betrachtung der Teufel im Detail. Beispielsweise, als es um die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich ging. Es sei die Aufgabe der Politik, Spaltungen zu verhindern, sagte CSU-Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl, der einzige derzeit im Bundestag vertretene Podiumsgast. "Und zwar, indem sie jedem Bürger die Chance bietet, sich zu verbessern."

Die zunehmende Armut stelle ein Entwicklungshemmnis dar, stellte der SPD-Kandidat Werner Widuckel fest. Er kritisierte insbesondere die Kinderarmut. "Wir müssen lernen, über Armut zu reden und sie beseitigen", sagte er und plädierte für eine Kindergrundsicherung.

Die Grünen-Kandidatin Agnes Krumwiede stimmte ihm zu. Aus ihrer Sicht hat die Große Koalition zuletzt aber auch das Thema Altersarmut bei Frauen vernachlässigt. Zudem attestierte sie der Gesellschaft eine Spaltung im Denken, was sie auch auf den Einfluss der sozialen Netzwerke zurückführt. Dem müsse man mit Kultur- und Bildungspolitik für Jugendliche entgegenwirken. Roland Meier, Bundestagskandidat der Linkspartei, sah gar eine "Zersplitterung kreuz und quer durch die Gesellschaft". Und: "Wir müssen das gemeinsam anpacken!" Er wies zur Finanzierung auf den 50-Milliarden-Euro-Überschuss im Bundeshaushalt hin.

Einen intensiven Meinungsaustausch gab es zum Thermenbereich Asylpolitik und Abschiebung. Hier prallten vor allem die Ansichten von Brandl und Krumwiede aufeinander. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen (von 2009 bis 2013) kritisierte scharf die aktuelle Abschiebepraxis nach Afghanistan. Gerade Kleinbetriebe würden aufschreien, weil man ihnen so Mitarbeiter entziehe. Das sei "unerträglich". Brandl hingegen argumentierte mit einer "Signalwirkung", weil sonst die Glaubwürdigkeit der Asylpolitik infrage gestellt würde, sprach sich aber dafür aus, im Einzelfall humanitär entscheiden zu wollen.

Weitere, auch in der anschließenden Publikumsrunde angesprochene Schwerpunktthemen waren der sich verändernde Arbeitsmarkt, die angespannte Wohnungssituation und die Steuerpolitik.

Mehrere kirchliche Bildungseinrichtungen hatten zu dem Abend in der Volkshochschule eingeladen. Leider - und das bedauerten auch einige der zumeist prominenten Zuhörer - fanden sich nur rund 30 Besucher ein. Am 4. Juli besteht die Möglichkeit, ein breiteres Publikum anzusprechen. Dann trifft sich die Runde erneut, kündigte Moderator Rudi Schmidt an.