Ingolstadt: Vorsicht bei Schnäppchenpreisen
Wo viel gebaut wird wie hier im Schanzer Carree auf dem ehemaligen Pioniergelände, gibt es auch viele Immobilienanzeigen. Doch hinter Angeboten im Netz können auch Betrüger stecken. - Foto: Schalles
Ingolstadt

Ob bei der Immobiliensuche, beim Autokauf, auf Partnerbörsen oder bei anderen Aktivitäten im Netz: Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Viele, die sich über Portale wie Immobilien-Scout 24, Immowelt oder bei der zum DK gehörenden Immobilien-Suchmaschine immo.donaukurier.de nach einer Mietwohnung oder einer Kauf-Immobilie umsehen, haben ihre Traumwohnung gefunden. Doch es tummeln sich auch Betrüger im Netz. Der Sportjournalist Julian Schultz, der von Geisenfeld nach Ingolstadt ziehen will, war von der im Netz angepriesenen Altstadtwohnung begeistert und kontaktierte den Vermieter. Als er bemerkte, dass in den in sehr schlechtem Deutsch geschriebenen Mails alle möglichen Dinge abgefragt werden sollten, brach er den E-Mail-Verkehr mit der vermeintlichen Vermieterin ab. "Ich hab die angegebene Mail-Adresse gegoogelt und fand jede Menge Einträge über Wohnungsimmobilienbetrug", erzählt Schultz. Vermutlich hätte er im nächsten Schritt einen Geldbetrag in Vorkasse zahlen sollen. Denn dies ist laut Helmut Fink, als Erster Kriminalhauptkommissar bei der Kripo in Ingolstadt zuständig für Wirtschaftskriminalität, Vermögensdelikte und Internetkriminalität, die gängige Masche. Nicht nur auf dem Mietwohnungs- und Immobilienmarkt, sondern insbesondere auf dem Automarkt oder in Chatrooms von Partnerbörsen.

Stichwort Nigeria-Connection. Bei der Polizei ist das seit Jahren ein Synonym für Vorschussgebührenbetrug. Die Art und Weise, wie dieser abläuft, ist vielfältig. Das kann eine Mietwohnung oder Immobilie sein, für die eine Kaution, Maklerkosten oder Mieten im Voraus bezahlt werden sollen, aber auch ein tolles Auto, eine Erbschaft oder ein Gewinn, bei dem man angebliche Rechtsanwaltsgebühren vorschießen soll. Im Endeffekt läuft es immer aufs Gleiche hinaus: "Dass das Opfer einen Vorschuss zu erbringen hat". In der Regel gehe es um Beträge zwischen 500 und 1500 Euro.

Die Polizei hat wenig Handhabe, den Betrügereien auf die Schliche zu kommen. Die Geldzahlungen über Transferdienste wie Western Union sind nicht nachzuverfolgen. Angegebene Namen sind Fakes, die E-Mail-Adressen enden meist mit -hotmail oder -google, laufen also über in den USA ansässige Server wie Google oder Microsoft. Fordere die Polizei die Bestandsdaten an, bringe das wenig. Denn für die Absender besteht keinerlei Ausweispflicht, "die Daten, die wir bekommen, sind nichts wert, sie sind Schall und Rauch", so Fink.

Belastbare Zahlen, wie oft solche Betrügereien in der Region vorkommen, gibt es nicht. Weil nicht die Maschine, sondern der Mensch getäuscht wird, laufen die Fälle nicht unter der Rubrik "Computerbetrug", sondern werden bei der Polizei statistisch als "sonstiger Betrug" geführt, zu denen jede Menge andere Tricksereien, auch die Enkeltrick-Masche, gehören. Bearbeitet werden die Fälle, sollten sie zur Anzeige gebracht werden, von der Polizeiinspektion. Fink schätzt, dass pro Jahr in der Region etwa zehn Fälle von Vorschussgebührenbetrug angezeigt werden. "Aber es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer." Denn von denen, die tatsächlich bezahlen, zeigen den Betrug nach den Erfahrungen der Polizei nur etwa zehn bis 20 Prozent an. "Der Rest schämt sich, auf die Masche reingefallen zu sein." Oder aber, der Betroffene gehe davon aus, dass bei der Anzeige "eh nichts rauskommt".

Viele, wie Julian Schultz, merken schnell, dass das vermeintliche Schnäppchenangebot ein Fake ist. Für die gefälschten Immobilienanzeigen werden Angebote echter Immobilienmakler kopiert. Das Opfer hat den Eindruck, mit einem echten Makler zu kommunizieren. Dabei sind die Wohnungen, die angeboten werden, in der Regel lange verkauft oder vermietet. Inge Diehl-Carsten vom Ingolstädter Mieterverein rät, bei der Anzeige genau hinzuschauen. So wurde bei Immobilien-Scout 24 unlängst ein Einfamilienhaus im Südosten Ingolstadts (Erstbezug nach Sanierung) für 174 000 Euro angeboten. Schon bei der angegebenen Wohnfläche fällt auf, dass etwas nicht stimmen kann. Sie wird - im Gegensatz zur Grundstücksfläche von 180 Quadratmetern - mit 1100 Quadratmetern angegeben. In der Objektbeschreibung heißt es dann, es handele sich um ein "vollständig renoviertes, frei stehendes Einfamilienhaus in Bestlage von Troisdorf-Spich", einer Stadt in Nordrhein-Westfalen.


Auch in der Familienberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen geht es fast immer nur um ein Thema: das Wohnen.
 

Großstädte sind für gefakte Immobilienanzeigen besonders beliebt. Oft verlangen die vermeintlichen Makler oder im Ausland lebenden Vermieter vorab eine Kaution, um den Schlüssel für die Wohnungsbesichtigung zu schicken. "Wer gibt einen Schlüssel für eine Wohnungsbesichtigung einfach so raus", fragt Susanne Gelbmann von der Ingolstädter Geschäftsstelle des Verbraucherservice Bayern. Es sei schon erstaunlich, wie gutgläubig manche Menschen sind.

"Ich würde nie von einem Kunden verlangen, dass er eine Sicherheit im Voraus gibt", sagt Günther Maxien, Inhaber der Ingolstädter Immobilienfirma Tuscher. Er ist seit 1992 als Makler tätig. Auf die Betrugsmasche im Netz sei er gestoßen, als er sich selbst zu Vergleichszwecken in München über Internet-Portale in der Branche umgesehen habe. Vor allem bei den sehr günstigen Objekten, sagt er, solle man "besonders gründlich recherchieren".

Er selbst bekomme täglich ein bis zwei Mails, hinter denen offenkundig eine Betrugsabsicht stecke, erzählt der Makler. Meist gehe es um angebliche Erbschaften im mehrstelligen Millionenbereich. Bei Günther Maxien landen solche Schreiben, wo sie hingehören: im elektronischen Papierkorb.