Ingolstadt: Kreative Parkplatzsuche
Komplett weg: das Hallenbad Mitte. Hier entsteht eine Jugendherberge. Gestern ging es um die Frage, ob nebenan ein Parkdeck gebaut werden kann, ohne die Blickachse zur Altstadt zu stören. - Foto: Hammer
Ingolstadt
Ganz neues Rathaus: Der Artikel in der Dienstagsausgabe des DK über die Suche der Stadt nach dem Standort für ein fünftes Rathaus hat auch bei potenziellen Anliegern einige Beachtung gefunden, wie gestern in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung zu erfahren war. Unter der Führung des Referenten für Zentrale Verwaltungsaufgaben, Christian Siebendritt, sind sieben geeignete Orte geprüft und bewertet worden. An der Spitze der Prioritätenliste landete, wie berichtet, der Parkplatz an der Saturn-Arena. Er erhielt in den Kategorien Erreichbarkeit und Wirtschaftlichkeit die meisten Punkte. Das nahm Manfred Schuhmann, SPD-Stadtrat und Ehrenpräsident des ERC Ingolstadt, gestern zum Anlass, bei den Eishockeyfreunden anzurufen und zu fragen, ob sie von den Überlegungen, ein Rathaus vor ihrer Arena zu platzieren, eigentlich schon etwas wissen. Wussten sie nicht. "Die sind aus allen Wolken gefallen, als ich davon berichtet habe", erzählte Schuhmann. Beim ERC sei man überhaupt nicht begeistert von der Idee. "Der Parkplatz ist ungeeignet, viel zu weit draußen!" Eine dritte Eishalle wäre dringender. OB Christian Lösel und OB-Referent Christian Siebendritt bestätigten, "dass dort die Verkehrssituation bei Spielen angespannt ist" und sich auch ohne neues Rathaus die Frage stelle: "Kann das da so weitergehen" Deshalb habe Thomas Hehl, Geschäftsführer der städtischen Freizeitanlagen GmbH (ihr gehört das Grundstück), ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. Liege das vor, könne man nach der Sanierung des Wonnemars nebenan ein Parkhaus errichten, "um die Verkehrssituation zu ordnen", so Lösel. Erst danach käme der Bau eines Rathauses infrage.

Auch andere Optionen fanden Fürsprecher. Auf Platz zwei: das ehemalige Verlagshaus des DK an der Donaustraße, jetzt im Besitz eines Investors. "Es müsste entkernt werden, aber die Bausubstanz ist sehr gut", berichtete Siebendritt. Man habe sich schon zweimal getroffen. Die Dependance des Eichstätter Landratsamts Auf der Schanz ist ebenfalls noch gut im Rennen; der Landkreis baut derzeit eine neue Vertretung in Lenting. "Aber das Gebäude gehört uns nicht!", warnte Lösel. "Da gibt es Mieter." Zum Beispiel Kulturreferent Gabriel Engert und sein Büro. Ein Häusl weiter, im ehemaligen Landratsamt Ingolstadt, residiert seit 1988 das Landgericht. Ein geeigneter Standort am Hauptbahnhof scheidet zum Bedauern vieler Stadträte aus. "Keine Kaufoption." Der Ausschuss beschloss einstimmig, die Varianten Saturn-Arena, früheres DK-Verlagshaus und Auf der Schanz weiterzuverfolgen.

Parkdeck am Hallenbad: Die Idee stammt noch aus der Ära Schnell. Pläne für ein Parkdeck am Hallenbad begutachtete der Stadtrat schon 2001. Daraus geworden ist nie etwas. Das alte Hallenbad Mitte ist inzwischen abgerissen worden, an der Stelle entsteht eine Jugendherberge. Und dazu auch ein kleines Parkhaus? Aus städtebaulicher Sicht wird das schwierig, sagte Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle. Die Herberge dürfe nicht hinter einem Parkdeck liegen. "Sie braucht eine Adresse in der Stadt, einen freien Zugang und eine Anfahrt für Busse." Zudem müsse man die Wege von der Jugendherberge zum Jugendzentrum Fronte 79 sowie zum Sportbad immer mitdenken.

Die Situation hier sei "sensibel", aber die Lage des Gebäudes "einmalig". Auf der einen Seite "die klare Kante der Stadtmauer", dem gegenüber "der grüne Wall des Glacis" mit dem "einzigen niveaugleichen Zugang zum Künettegraben". Dazwischen: der Parkplatz mit den schönen Kastanien. Es dürfe mit einem Parkdeck "auf keinen Fall eine zweite Kante entstehen", so die Stadtbaurätin. Es gelte auch zu beachten, dass im Untergrund mächtige Reste der Kaponniere des Kavaliers Preysing ruhen. Aber es gebe Möglichkeiten, ein kleines Parkhaus zu bauen. Preßlein-Lehle favorisiert die Variante "Am Wall": Es sieht an einer weitgehend bodendenkmallosen Stelle auch Parkplätze in der Tiefe vor. Die Baumasse würde damit nicht zu sehr in Erscheinung treten, die Decke des Parkhauses wäre als Freifläche für Sport oder Freizeit nutzbar. Mögliche Kapazität: 120 bis 250 Parkplätze. "Das ist ein bisschen wenig", hieß es im Gremium. Wenn man dort ein Parkdeck wolle, müsse man leider einiges in Kauf nehmen. Peter Springl (FW) rät, bei Parkraumoffensiven auch Festungen zu schleifen. Nicht jedes Relikt im Boden "ist für uns sakrosankt". Wenn man das anfange, dürfe man in Ingolstadt nirgendwo mehr bauen. "Denn irgendwas findet man immer."

Ein weiterer Bericht folgt.