Ingolstadt: Überraschende Zugabe
Dirigent im Rampenlicht: Ruben Gazarian, Chef des Georgischen Kammerorchesters - hier beim Open Air im Klenzepark -, soll einen Manager an die Seite gestellt bekommen, kündigt der OB an. Diese noch unbekannte Stelle taucht im Organigramm unten rechts auf. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Die Entscheidung des Aufsichtsrates für den neuen Geschäftsführer Tobias Klein, den Mann von CSU-Stadträtin Patricia Klein, ist noch keine Woche alt. Doch der Oberbürgermeister geht im Gespräch mit dem DK, das ihm offenbar ein großes Anliegen ist, weiter zurück. Anfang Dezember sei es gewesen, da habe im Kamerariat die Jahresversammlung mit dem Georgischen Kammerorchester (GKO) stattgefunden.

Manfred Schuhmann, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des GKO-Freundeskreises, habe eine große Rede gehalten und die fabelhaften Perspektiven des Ensembles gepriesen. Man sei sich aber einig gewesen, erinnert sich Lösel, dass sich im Orchesterbetrieb einiges ändern müsse in Richtung strategischer und zielorientierter Arbeit. Das damalige Fazit: "Wir überlegen uns was."

Ein weiteres Gespräch vom Dezember ist dem Rathauschef in lebhafter Erinnerung geblieben, nämlich mit Ruben Gazarian, dem Chefdirigenten der Georgier. "Ich bin aus dem Gespräch rausgegangen und habe gedacht: So gut habe ich mich selten mit jemandem verstanden." Der Musiker haben ihm zu verstehen gegeben, dass er einen richtigen Orchesterleiter brauche, der die strategische Terminplanung übernehme und weiter in die Zukunft denke. Lösel: "Wir waren uns vollkommen einig in der Frage, dass wir handeln müssen."

Zu dieser Zeit war allerdings vom Stadtrat bereits die Gründung der neuen Veranstaltungs-GmbH beschlossen worden. Ein Passus der Vorlage lautete: "Die Stelle des Geschäftsführers soll ausgeschrieben werden. Wert gelegt wird auf eine langjährige Berufserfahrung in der Organisation und Durchführung von kulturellen Veranstaltungen mit kaufmännischer Leitungs- und Führungserfahrung. Der/Die künftige Geschäftsführer/in soll in Personalunion auch die Geschäftsführung bei der GKO GmbH übernehmen."

Jetzt betont Lösel aber, dass diese Stelle - die bekanntlich Klein bekommen soll - mit der eigentlichen Orchesterleitung "nichts zu tun" habe. "Ich glaube, dass man uns absichtlich missverstehen wollte." Der Politiker versucht, mit Vergleichen die Aufgaben zu erklären.

Im Klinikum zum Beispiel sei Heribert Fastenmeier der übergeordnete kaufmännische Geschäftsführer mit organisatorischen und rechtlichen Aufgaben. "Die Fachlichkeit wird durch den Ärztlichen Direktor und die Chefärzte abgebildet."

Oder auch in der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. Dort trage Geschäftsführer Peter Karmann die kaufmännische Verantwortung. "Er baut aber kein einziges Haus", weil er nicht über die Qualifikation als Architekt verfüge.

So ähnlich, sagt Lösel, müsse man sich das auch bei den Georgiern vorstellen. Wie die personelle Konstellation im Management des Orchesters aussehen soll, könne er nur gemeinsam mit dem Chefdirigenten erarbeiten. "Ich kann das nicht, ich bin nicht vom Fach." Zu diesem Zweck sollen auch Organigramme von anderen Orchestern herangezogen werden. "Ich habe Herrn Gazarian gesagt, dass ich bis April ein Ergebnis haben möchte."

SPD, Grüne und FW-Stadtrat Gerd Werding hatten im Dezember noch versucht, eine Mehrheit für einen hauptamtlichen Geschäftsführer des Georgischen Kammerorchesters zu gewinnen, waren aber an der CSU/FW-Koalition gescheitert.

Dass der OB zusätzlich zum Geschäftsführer der Veranstaltungs-GmbH einen Orchestermanager einstellen will, ist für Manfred Schuhmann völlig neu, wie er gestern dem DK versicherte. "Das ist seine eigene Wahrnehmung." Ja, Lösel habe durchaus versprochen, die Situation des Orchesters zu verbessern. "Aber dass er zusätzlich jemand einstellen will, tut mir leid, das kann ich nicht bestätigen." Schuhmann: "Von so einer Stelle war nie die Rede."