Ingolstadt: Stelldichein der Tollitäten
Das Showprogramm von Prinzenpaar und Garde wurde von den zahlreichen Gästen ausnahmslos gelobt (oben). Zwischen den einzelnen Darbietungen hatten die Gäste im ausverkauften Festsaal Gelegenheit zum Tanzen. Einmalig war das Treffen der ehemaligen Faschingsprinzen und -prinzessinnen anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Narrwalla - Fotos: Eberl
Ingolstadt

Im Reich der Narren und am kalten Buffet ist alles möglich. Selbst das, was man sich in den kühnsten Träumen nicht vorstellen kann. Denn es passiert nicht allzu oft in Bayern, dass ein CSU-Mann einem Sozialdemokraten den Vortritt lassen muss. Vor allem nicht, wenn der eine zwar der dienstälteste Stadtrat Ingolstadts, der andere aber der Oberbürgermeister ist. Doch am Krönungsball gelten eben andere Gesetze. Da spielt auch ein Christian Lösel vorübergehend nur die zweite Geige – hinter Manfred Schuhmann.

Sechs Jahrzehnte sind allemal ein Anlass zum Feiern – gerade dann, wenn die tollen Tage so wenige sind wie heuer. Deswegen hatte die Narrwalla auch die Prinzenpaare der vergangenen 60 Jahre eingeladen. Die Verbundenheit mit der Faschingsgesellschaft ist offenbar groß, die Resonanz war entsprechend. Mehr als 60 ehemalige Tollitäten waren der Einladung gefolgt und hatten so die Eröffnung der närrischen Jahreszeit zu einem schönen Ereignis werden lassen.

Fotostrecke: Krönungsball Narwalla

 

Jung und Alt, Aktive und Ehemalige saßen bunt gemischt an den Tischen im ausverkauften Festsaal, wo Präsident Johann Hirmer bei der Vielzahl der Gäste alle Mühe hatte, den Zeitplan nicht zu sprengen. Zwei ehemalige Faschingsprinzessinnen waren die Ersten, die er aufs Parkett bat: Traudel Riebel, die im Jahr 1956 das Zepter geschwungen hatte, und Lore Reutlinger, die 1965 mit dem verstorbenen Bürgermeister Werner Pößl das Prinzenpaar bildete. Selbstverständlich gebührte der Eröffnungswalzer Ingolstadts erster Faschingsprinzessin – und wer wäre als Tanzpartner geeigneter als das Narrwalla-Urgestein und Präsidiumsmitglied Manfred Schuhmann. „Mit Vergnügen“ kam er seiner vornehmsten Aufgabe nach, die er souverän meisterte.

Generell zeigten sich die Ballbesucher als fleißige Tänzer, von denen einige offenbar schon mehr als einen Kurs absolviert haben, wie an den gekonnten Figuren zu sehen war. Die Wahl der Showband One & Six Symphonic Strings sollte sich als guter Griff erweisen, denn die Formation deckte vom Walzer bis zum Boogie-Woogie das gesamte Spektrum an Tanzmusik ab. Bis weit nach Mitternacht war das Parkett im Ingolstädter Festsaal fast immer gut gefüllt.

Während der Tanzpausen erwartete die Gäste – darunter auch Bayerns First Lady Karin Seehofer, der Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl und Bürgermeister Sepp Mißlbeck (Faschingsprinz 1966) – ein dichtes Programm. An die 65 ehemaligen Prinzen und Prinzessinnen wurden auf die Bühne geholt. Zwischen den Vorstellungen präsentierten die Aktiven der Narrwalla ihr Programm, das in monatelanger Arbeit einstudiert worden war. Großen Beifall erntete die Bambinigarde, die jedes Jahr aufs Neue die Herzen der Zuschauer erobern kann. Ein alter Hase trotz seiner Jugend ist Maximilian Klett, der Hofmarschall der Kinder- und Jugendgarde. Bereits zum fünften Mal moderierte er den Auftritt des Narrwalla-Nachwuchses, der heuer übrigens ebenfalls ein kleines Jubiläum feiern kann. 20 Jahre gibt es die junge Garde schon, die ihr sehenswertes und schon erstaunlich professionelles Programm heuer deswegen unter das Motto Revival gestellt hat. Zu hören waren nicht nur ein paar Takte der Arie des Vogelfängers aus Mozarts „Zauberflöte“, sondern ein Medley mit Hits der vergangenen Jahrzehnte. Mit jeder Menge Begeisterung zeigte das Kinderprinzenpaar René I. und Anna-Lena I. ihre getanzte Version des Songs „Once Upon A December“ aus dem Zeichentrickfilm „Anastasia“ aus dem Jahr 1997.



Mit Spannung erwartet wurde natürlich der Auftritt der Garde, der ausnahmslos von allen Gästen gelobt wurde. Schwungvoll und temporeich, aber dennoch präzise, ideenreich, synchron und im Einklang mit der Musik präsentierten sich die jungen Frauen und Männer der Narrwalla.

Wer in den nächsten vier Wochen die Gelegenheit hat, sollte sich die Vorstellung auf keinen Fall entgehen lassen. Das gilt auch für das Jubiläums-Prinzenpaar. André I. kommt aus Karlskron und hat Daniela I. am Bürgerfest kennengelernt. Dass beide gerne tanzen, merkt man ihnen an. Sehr beeindruckend war ihre Umsetzung des Klassikers „Delilah“ in der Version von Tom Jones. Nicht nur für diesen Prinzenwalzer, sondern auch für ihr Neue-Deutsche-Welle-Medley erhielten sie zu Recht lang anhaltenden Applaus.