Weite Teile der Bevölkerung nutzen Computer und vielfältige über sie laufende Programme ganz selbstverständlich – doch sie sehen stets nur die sogenannte Benutzeroberfläche. Warum beim Bedienen der Maus oder bei Tasteneingaben dieses oder jenes passiert, kann den meisten „Usern“, wie die Anwender nun mal in der Branche heißen, herzlich egal sein. Es muss halt funktionieren. Zwar weiß noch fast jeder, dass die digitale Zauberei das Werk von Programmierern ist, doch was diese Leute wirklich machen und was sie antreibt, ist einem Großteil der Nutzer ein Mysterium.

Tatsächlich geht es mitunter recht speziell zu, wenn die Ingolstädter Organisatoren Gregor Biswanger und Robert Walter über die Homepage www.indot.net mal wieder in den „Anker“ eingeladen haben: Domain Driven Design war zum Beispiel Biswangers Vortragsthema in dieser Woche. Ein gutes Dutzend überwiegend junger Fachleute wollte sich die Ausführungen zu besserer Kundenorientierung bei der Entwicklung von Programmen nicht entgehen lassen. Einige waren sogar aus Donauwörth angereist – ganz einfach, weil es einen ähnlich hochkarätig besetzten Expertenkreis in ihrer Region nicht gibt und der Austausch mit Berufskollegen und ernstzunehmenden Hobbyprogrammierern oft recht fruchtbar für eigene Projekte ist.

Als der Programmierer Markus Winhard die Gruppe INdotNET 2007 gründete, war es sein Ziel, endlich auch zwischen München und Nürnberg, wo es ähnliche Zirkel schon viel länger gibt, ein Forum für Gleichgesinnte zu schaffen – Fachleute, die das enorme Potenzial der digitalen Welt so gut wie möglich ausschöpfen und dabei auch von Erfahrungen anderer profitieren wollen.

Inzwischen hat sich ein lockerer Kreis etabliert, der im Kern um die 30 Leute umfasst, die teils regelmäßig, teils sporadisch dabei sind, wenn es um Programmiersprachen, Softwareupdates und neuste Trends der Branche geht. Organisator Biswanger schätzt die Zahl der Programmierer in der Region auf 300 bis 400 und kann sich vorstellen, dass da beizeiten sicher noch der eine oder andere zu diesem Stammtisch finden wird. Er selbst kann das nur empfehlen: „Mich hat das beruflich wirklich weitergebracht“, erklärt der freie Autor und Berater für Softwareprodukte.

Laien ist es ja meistens nur schwer verständlich, was es mit den kryptischen Kommandozeilen auf sich hat, die im Programmhintergrund bewirken, dass auf der Benutzeroberfläche nützliche oder unterhaltsame Dinge geschehen – vom einfachen Layout für Textbausteine über Tabellenkalkulationen bis zu komplexen und grafisch anspruchsvollen Spielen. Dabei ist es für Menschen wie Gregor Biswanger doch so einfach: „Wir machen doch nichts anderes als digitales Legospielen“, macht er einen verständlichen Vergleich. Im Austausch mit anderen Programmierern könne man dann erfahren, wie sich nützliche Bausteine, die andere bereits erschaffen haben, auch für eigene Zwecke verwenden lassen.

Mitorganisator Robert Walter erklärt, dass sich die Teilnehmer des Stammtisches häufig auch mit der Verbesserung längst bekannter Programme beschäftigen, die oberflächlichen Anwendern vielleicht genügen, den Ansprüchen von Experten aber nicht unbedingt standhalten. Sein Beispiel ist ebenfalls griffig: „Die Software ist manchmal wie eine morsche Brücke, die stabilisiert werden sollte. Es läuft gerade eben so, aber es ist einiges nötig, um die Sache tragfähig zu machen.“

Die Teilnahme an den Vortrags- und Debattierrunden lohnt sich übrigens auch wegen einiger Sponsorgengeschenke, die es immer wieder mal zu verteilen gibt: Die Softwareindustrie verwöhnt die Tüftler der sogenannten Developer Groups schon mal mit kleinen Geschenken. Die erhalten eben auch in diesem Metier die Freundschaft.