Annalena Köllner mit Familie
Sie halten zusammen, doch finanziell geht nicht mehr viel: Sabine Köllner mit ihrer behinderten Tochter Annalena, ihrem Lebensgefährten Tino und dem gemeinsamen Sohn Leon sowie ihrem Vater Andreas Wecker (rechts).
Johannes Hauser
Ingolstadt

Es gibt gar nicht so wenige Familien, die ein Sorgenkind haben. Sie alle haben ihr Päckchen zu tragen, wie es gemeinhin so heißt. Oft kann dann mit der Zeit durch allerlei Hilfsangebote aus Staat und Gesellschaft das Leben etwas erleichtert, etwas „normaler“ gestaltet werden. Doch immer und überall gelingt das nicht.

Auch Sabine Köllner hat schon Hilfe erfahren, sie erfährt sie eigentlich täglich. Und dennoch lebt sie seit acht Jahren praktisch einen 24-Stunden-Tag für ihre Tochter, die rund um die Uhr betreut werden muss. Annalenas angeborenes Oro-fazio-digitales Syndrom samt aller organischer Begleiterscheinungen (siehe Kasten) schließt ein auch nur halbwegs selbstständiges Leben des Kindes dauerhaft aus. Die körperliche und geistige Behinderung der Achtjährigen ist so schwer, dass Annalenas Familie ihr Haus im Westviertel inzwischen in Teilen zu einer Intensivpflegestation umgebaut hat – unter Aufzehrung aller finanziellen Ressourcen.

Deshalb ist Sabine Köllners großer Wunsch, endlich ein auf die speziellen Erfordernisse ihres Falles umgebautes Auto zur Verfügung zu haben, jetzt einfach nicht mehr ohne fremdes Geld realisierbar. Sie hat bereits rund 20 Stiftungen, die sich für behinderte Kinder einsetzen, angeschrieben und um Unterstützung gebeten, doch die Resonanz blieb bislang überschaubar. Wenn jetzt nicht Menschen aus Ingolstadt und der Region mit Spenden weiterhelfen, so heißt es aus der Familie, wird die Hoffnung auf ein wenig mehr private Mobilität mit Annalena noch auf lange Sicht nicht erfüllt werden können. Denn der bisher von der Familie genutzte Renault ist inzwischen zwölf Jahre alt und reparaturanfällig und auch einfach zu klein geworden.

„Wir sind jetzt bei 9000 Euro“, zieht die 35-jährige Mutter die Zwischenbilanz ihrer Rundbriefaktion mit den Stiftungen. Benötigt werden für einen auf den speziellen Bedarf Annalenas umgebauten VW Caravelle – das wäre das ideale Fahrzeug – aber rund 48 000 Euro. Zusammenkommen müsste der Fehlbetrag von derzeit also knapp 40 000 Euro zudem nicht irgendwann, sondern bis Ende April, weil dann bei den meisten Stiftungen, die bislang kleinere Zuschüsse zugesagt haben, die Antragsfrist für dieses Jahr ausläuft.

Muss es wirklich so ein großer Wagen sein? Wer Annalena und den für ihre Lebenserhaltung notwendigen Gerätepark jemals gesehen hat, der wird die Anforderungen an ein solches Auto leicht verstehen. Niemals kann die Mutter mit dem Kind alleine unterwegs sein; immer wird ein weiterer Helfer dabei sein müssen, der direkt neben Annalenas Rollstuhl sitzt und sich für künstliche Beatmung, das Absaugen von Schleim aus Lunge und Bronchien oder allein fürs Abstützen des kleinen Körpers bereithält. Mobile medizinische Geräte sind das A und O bei allen Transporten – auch wenn es nur ein paar Kilometer durch die Stadt geht.

Beim Ingolstädter BRK-Kreisverband weiß man sehr genau um diese Anforderungen. Denn Annalena wird seit rund fünf Jahren werktags vom Fahrdienst des Roten Kreuzes in die Behinderteneinrichtung St. Vinzenz und natürlich auch von dort wieder nach Hause gebracht. „Wir kennen den Fall gut“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Johann Rottenkolber. Deshalb hat er auch ohne Vorbehalte zugestimmt, als Sabine Köllner ihm vor einiger Zeit die Idee eines Spendenaufrufs in Ingolstadt unterbreitet hat.

Rottenkolber hat in der vergangenen Woche bei der Sparkasse Ingolstadt über das BRK ein Spendenkonto eingerichtet, über das allein er und die Schatzmeister des Kreisverbandes verfügen können und auf das zweckgebundene Beträge für die Anschaffung eines behindertengerechten Autos für Annalenas Familie eingezahlt werden können.

Das Konto lautet auf „BRK – Annalena Köllner“ und hat die IBAN-Nummer DE81 7215 0000 0000 0199 27. Die BIC ist BYLADEM1ING. Alle eingezahlten Beträge werden ausschließlich für den angegebenen Zweck verwendet. Der DK wird den Spendenstand zu gegebener Zeit veröffentlichen und auch über den Fortgang der Hilfsaktion weiter berichten.

Davon, dass sich Sabine Köllner und ihre Familie mit Zuwendungen anderer Leute ein schönes Leben machen wollen, kann sicher nicht die Rede sein. Sie und ihr Lebenspartner (von Annalenas Vater ist sie inzwischen geschieden) sowie ihr Vater haben bereits alles, was ihnen möglich ist, in den behindertengerechten Umbau des Hauses gesteckt. Damit vor einiger Zeit ein Lift angebaut werden konnte, hat der nach einem schweren Unfall auf Frührente angewiesene Vater bereits seine Lebensversicherung aufgelöst. Allein für die Förderanträge an die diversen Stiftungen haben die schwer geprüfte Mutter und ihr Freund bereits einen finanziellen Striptease hinlegen müssen, wie ihn wahrscheinlich manche Bank nicht einmal bei Kreditverträgen verlangt. Das macht man wohl nur, wenn man nicht mehr weiter weiß.