Ingolstadt: Die Frucht, die Hoffnung macht
Die Frauen vom Weltladen in Ingolstadt sowie des Arbeitskreises Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zusammen mit ihrem Gast Pater Shay Cullen in der Stadtbücherei. Der Ire, der schon zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert war, wird an diesem Samstag in der Domstadt mit dem Shalompreis ausgezeichnet. - Foto: Brandl
Ingolstadt

Der Ire kennt sich aus mit dem Obst, dem viele positive Eigenschaften nachgesagt werden. Eine von ihnen - und das mag für manche Verbraucher neu sein - ist eine sozial-präventive Wirkung, die die Kinder armer Bauern auf den Philippinen vor Ausbeutung und Zwangsprostitution bewahren kann. Die Frucht steht im Zentrum eines Projekts des Geistlichen, aus dem auch die Fair-Trade-Bewegung hervorgeht. Die setzt sich für ein gerechtes Entgelt für in Entwicklungsländern produzierte Waren ein. Und dazu gehören auch die Mangos von den Philippinen.

Wenn sie im Laden mehr kosten würden, so Cullen bei seinem Vortrag am Donnerstagabend vor rund 50 Zuhörern in der Stadtbücherei, dann hätten Taifune in den Mango-Plantagen derart gewütet, dass der Kilopreis wegen der schlechten Ernte von 20 auf 40 Pesos steigen würde. Das sind gerade einmal 73 Eurocent. Für einen westlichen Geldbeutel, wohlgemerkt. Für die Menschen auf den Philippinen bedeutet der Betrag weitaus mehr. "Der faire Erlös der Früchte eines großen Mangobaumes deckt die jährlichen Kosten für zwei Schulkinder, die damit eine Chance auf eine menschenwürdige Zukunft erhalten", heißt es beispielsweise auf der Internetseite des PREDA-Freundeskreises. Andernfalls - und das erläutert Cullen im weniger ermutigenden Teil seines Vortrags - wäre die Folge, dass viele Kinder eben jener Bauern aus der armen Provinz der mächtigen Bordell-Industrie in den Ballungsräumen des pazifischen Inselstaates zum Opfer fielen. Weil sie von den Eltern dort hingeschickt würden, um Geld für die Familie zu verdienen. Der Beginn eines unvorstellbaren Martyriums.

Als der heute 74-jährige Missionar in den 1970er-Jahren das erschreckende Ausmaß der sexuellen Ausbeutung Minderjähriger an seinem Einsatzort Olongapo in unmittelbarer Nähe zu einem amerikanischen Militärstützpunkt (Cullen nennt diesen als Verursacher der Zustände) mitansehen muss, ist er fest entschlossen zu handeln. Er gründet mit philippinischen Partnern PREDA, erklärt Bauern die landwirtschaftliche Ökonomie und beginnt, Kinder aus den Fängen der Sex-Mafia und der korrupten Staatsmacht - der damaligen Marcos-Diktatur - zu befreien. Cullen beschreibt all das in seinem auf Englisch gehaltenen und übersetzten Vortrag eindringlich und dokumentiert die Zustände mit Bildern der Ohnmacht und Verzweiflung (wenn darauf in Gefängniszellen zusammengepferchte Kinder zu sehen sind), lässt dabei aber auch stets einen Hoffnungsschimmer aufblitzen. Beispielsweise dann, wenn er das Schicksal eines Jungen herausgreift, der es mit PREDA geschafft hat, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Oder wenn er über den Bau eines Heims für missbrauchte Mädchen berichtet, für das er Unterstützung vom Tatort-Verein aus Köln bekommt. Er weiß aber auch, dass dieser Einsatz "immer wieder ein großer Kampf" sei. Denn die Macht im Staat liege "bei 100 Familien, die das Parlament kontrollieren".

Die Gastgeberinnen vom Weltladen Ingolstadt überreichten ihrem Gast noch einen Spendenscheck in Höhe von 1000 Euro. Ein weiteres erfreuliches Ereignis steht Cullen am heutigen Samstag bevor. Dann erhält der Menschenrechtler aus Irland in Eichstätt den diesjährigen Shalom-Preis.