Ingolstadt: Oben Züge, unten Bagger
Die Bahn baut: Hochbetrieb herrscht auf Gleis 7 am Ingolstädter Hauptbahnhof. Am 23. Dezember sollen hier wieder Züge einfahren. Der Bahnhof wird derzeit barrierefrei umgebaut. Dazu gehört auch eine neue Unterführung. Läuft alles nach Plan, ist der Umbau im Frühjahr 2013 abgeschlossen - Foto: Rössle
Ingolstadt
Dass ein Zug Verspätung hat, daran haben sich viele Bahnkunden gewöhnt. Wenn aber ein ganzer Bahnhof zu spät dran ist, ist das schon ungewöhnlich. In Ingolstadt liegt der barrierefreie Ausbau des Hauptbahnhofs mittlerweile 15 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Sieben Monate standen die Arbeiten völlig. Seit etwa einem halben Jahr wird wieder gearbeitet. Der neue Termin für die Fertigstellung ist im Frühjahr 2013.

Warum es vor rund einem Jahr zur Trennung zwischen der Bahn und der ausführenden Firma gekommen ist, darüber schweigt sich das Unternehmen aus. Es habe „unüberbrückbare Differenzen“ gegeben, sagt Bahnsprecher Anton Knapp. Die Verzögerung brachte nicht nur den Zeitplan der Baustelle durcheinander, sondern trieb auch die Kosten in die Höhe. 2007 ging die Bahn noch von 13 Millionen aus, mittlerweile rechnet sie mit 23,8 Millionen. Eine Kostensteigerung, die auch bei der Bahn „eher ungewöhnlich ist“, wie Raimond Betz, der Projektmanager der Bahn am Ingolstädter Hauptbahnhof einräumt. Noch ist die Sache nicht ausgestanden. Im Dezember setzen sich Vertreter der Bahn und der gekündigten Firma zu weiteren Gesprächen zusammen.

Die wichtigste Neuerung nach dem Umbau des Bahnhofs ist die neue Unterführung, die Passagieren nicht nur den Zugang zu den Gleisen ermöglicht, sondern eine unterirdische Verbindung zwischen dem Bahnhof und Ringsee bilden wird. Da in Ingolstadt fünf Bahnstrecken zusammenlaufen, ist der Bahnhof stark frequentiert und kann für die Umbauarbeiten nicht einfach geschlossen werden. Gearbeitet wird deswegen unter den Gleisen bei laufendem Betrieb, „unter dem rollenden Rad“, wie Christian Sigl, der leitende Bauüberwacher, sagt. Dazu mussten unter den Gleisen und den Bahndämmen Behelfsbrücken eingebaut werden, über die der Verkehr weiterlaufen kann. Seitdem wird unter den Gleisen mit Hochdruck gegraben. Weitere Verzögerungen sollen vermieden werden. Da kommt den Arbeitern der bisher milde Winter entgegen.

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