Ingolstadt: Nur keine Schuhschachtel-Architektur
Diskussionsstoff: Auch Doris Hutzler und Wilhelm Ostermeier besuchten die Schau "Die hunderttürmige Stadt" im Kreuztor. Hier betrachten sie einen Entwurf zu den neuen Kammerspielen, die am Nordufer der Adenauerbrücke entstehen könnten. - Foto: Brandl
Ingolstadt

Unter den interessierten Besuchern befanden sich auffallend viele ältere Herrschaften, die in der Schanz aufgewachsen sind. Der DK wollte wissen, wie ihnen die Ausstellung gefällt und auch, was sie für Vorschläge haben. Unter ihnen war Wilhelm Ostermeier. "Ich bin im Nordviertel aufgewachsen, und natürlich habe ich mitbekommen, wie sich alles verändert hat", sagte er. Der Rentner, ein gelernter Schlosser, der lange im Stadttheater beschäftigt war, interessiert sich vor allem für alte Bausubstanz sowie für Schmiedearbeiten aus vergangenen Zeiten.

"Ich empfinde es als schlimm, wenn manches einfach verschwindet und so Platz gemacht wird für Schuhschachtel-Architektur", klagt er und spielt damit vermutlich auch auf das Studentenheim an der Stadtmauer in der Anatomiestraße an - ein Thema, das auch im Vortrag zuvor bereits eine Rolle gespielt hatte. Was die Zukunft angeht, beschäftigt ihn jedoch vor allem eine Frage: "Wo kommen die Kammerspiele hin" Er selbst bevorzuge die erste Idee, den Standort im Klenzepark. Seiner Frau Erika, die seit 48 Jahren in Ingolstadt lebt, erscheinen einige der Modelle, die die Studenten entworfen haben, zu wuchtig und zu übertrieben, wie sie sagte. Besonders griff sie hier den Entwurf für die Kammerspiele auf dem Areal des Astronomieparks heraus.

Doris Hutzler ist eine gebürtige Ingolstädterin, die seit 1986 in München lebt. Die Informatikerin findet besonders Gefallen an der Idee, die Stadtmauer im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs aufzuwerten. Aufgegriffen wird diese Vision beispielsweise in einem Entwurf, der vorsieht, ein neues Stück Stadtmauer in Form eines langgestreckten Neubaus mit Wohnungen im Anschluss dort zu platzieren, wo früher das Hardertor stand. Auch die Öffnung der Harderbastei mit einem genutzten Dachgeschoss könne sie sich gut vorstellen, sagte Hutzler. In der Innenstadt fehlten ihr vor allem kleine, inhabergeführte Läden, wie es beispielsweise für Regensburg so charakteristisch sei, merkte sie noch an.

Dezente Kritik gab es vereinzelt an der Präsentation der Schau. Einige Besucher beklagten, dass in der Ausstellung nur schwer ersichtlich sei, zu welchen Plätzen und Örtlichkeiten in der Stadt die präsentierten Modelle gehören. Dies hätte man für die Besucher besser ersichtlich machen können, so der Vorschlag.