Ingolstadt: Mit Grüßen an den Verfassungsschutz
Markige Parolen: Bei einer Anti-Kriegs-Demonstration linker Ingolstädter Gruppen marschierte die Linksjugend im September vergangenen Jahres noch mit. Jetzt hat sich die Gruppierung aufgelöst, und einige Mitglieder sammeln sich in einem neuen Aktivistenkollektiv. ‹ŒArch - foto: Abels
Ingolstadt

Die Linksjugend hat sich am 16. Januar aufgelöst - per Beschluss mit Zweidrittelmehrheit, wie sie auf ihrer Internetseite meldet. Einige Genossen haben stattdessen ein bekennend radikales Bündnis gebildet: die Kämpfende Jugend Ingolstadt. Die treibende Kraft ist Sebastian Schuller (25), vormals Sprecher der Linksjugend.

"Die haben ihrer Mutterpartei jetzt den Kampf angesagt", erzählt eine Ingolstädterin aus dem Umfeld der Linksjugend. Sie will sich im DK lieber nicht namentlich äußern, um keinen "Shitstorm" abzubekommen, "weil ich ja ach so konterrevolutionär bin". Da sich die linke Szene in Ingolstadt "immer härter radikalisiert hat" - das gehe bis hin zur Verherrlichung Stalins und Pöbeleien gegen Israel -, "will ich auch nichts mehr mit denen zu tun haben". Die junge Frau spricht von einem "Abgrund". Der harte Kern der Kämpfenden Jugend bestehe "höchstens aus fünf oder sechs Leuten", sagt sie, aber die seien sehr unangenehm.

Die Führung der Ingolstädter Linken distanziert sich ebenfalls deutlich. Vergangene Woche hatten die Regionsvorsitzende Liliana La Perna und Monika Reith, Mitglied des Kreisvorstands, in einem Gespräch mit dem DK von der Radikalisierung einstiger Mitglieder der Linksjugend berichtet und betont: "Die haben eine Richtung eingeschlagen, der wir auf keinen Fall folgen werden." Speziell zu Schuller bemerken sie: "Seine Position teilen wir nicht." Reith berichtet, dass sich am nächsten Sonntag junge Leute der Linkspartei treffen, um den Jugendverband zu reaktivieren.

Begriffe wie "Klassenkampf" und "Revolution", bei denen der Verfassungsschutz schnell aufmerkt, fließen Schuller und seinen Mitstreitern leicht aus der Feder. In dem sehr ausführlichen Text auf der Homepage der Linksjugend werden in offensivem Ton die "Gründe unseres Scheiterns" analysiert. Die Autoren kündigen an, dass ein Teil der Aktivisten unter dem Namen Kämpfende Jugend Ingolstadt dem politischen Leben erhalten bleibe, das Vorbild der Kommunistischen Partei pflegen und sich ganz dem Klassenkampf widmen wolle.

Die Aktivisten haben vom revolutionären Wirken ihres Kollektivs klare Vorstellungen. Sie regen etwa die Einrichtung von Jugendstammtischen an, "die Anlaufpunkte für revolutionäre Jugendliche bilden", ferner will man "klassenkämpferische Aktionen durchführen, Klassenbewusstsein bilden, sich untereinander vernetzen und so die Keimzellen einer revolutionären, klassenkämpferischen Organisation werden: der kommunistischen Partei". Die Motivation für die Radikalisierung erklären die Aktivisten unter anderem so: "Jugendliche wollen klare Antworten, radikale Lösungen und nicht das immer gleiche Gewäsch von Linkspartei und Co." Deshalb sei es jetzt "für jeden Kommunisten und revolutionären Sozialisten an der Zeit, wo immer es möglich ist, die Linksjugend zu verlassen, und die revolutionäre Jugend zu organisieren", heißt es in der Erklärung im Netz.

Mitentscheidend für die Auflösung der Linksjugend sei der programmatische Dissens mit dem Landesverband der Partei gewesen. Denn der handle nur "aus einem Geiste bürgerlichen Ressentiments heraus, nicht aus revolutionärer Begeisterung", klagt die Kämpfende Jugend. Das Establishment der Linken sei "nicht gewillt, wirklich für den Sozialismus zu kämpfen", sondern wolle nur in die Parlamente. Das streben die jungen Kämpfer nach eigenem Bekunden auf keinen Fall hin. Sie bevorzugen den Klassenkampf.