Wie beliebt das Stadttheater ist, zeigte sich auch daran, dass innerhalb von 24 Stunden alle Karten für die Geburtstagsfeier weg waren. Er freue sich über den Zuspruch, sagte Intendant Knut Weber in seiner Festrede. "Aber ich traue mich nicht mehr auf den Wochenmarkt, weil ich dort aufs Heftigste beschimpft werde." Er stellte den leer ausgegangenen Theaterabonnenten eine Wiedergutmachung in Aussicht, beim anschließenden Empfang im Foyer präzisierte er das: Vor der nächsten Spielzeit werde es eine spezielle Eröffnung für sie geben.

300 000 Menschen besuchen jedes Jahr irgendeine Veranstaltung im Stadttheater. Weber bezeichnete den Hämer-Bau als "identitätsstiftend": Es gebe kaum jemanden, der nach 1950 in Ingolstadt geboren sei, der nicht im Festsaal einen Abschlussball, das erste Konzert oder den ersten Kuss erlebt habe. Dazu komme die Besonderheit des offen gestalteten Hämer-Baus: "Kleist-Darsteller begegnen da Chippendales oder Faschingsgarden." Eine Durchlässigkeit, die es in anderen Häusern so nicht gebe. Am Mut der Stadttheater-Planer von damals müsse sich auch der Entwurf der Kammerspiele messen lassen, betonte Weber.

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Es freue ihn, dass es nun überhaupt einen Zeitplan für den Bau der Kammerspiele und die Sanierung des Stadttheaters gebe, sagte der Intendant. Oberbürgermeister Christian Lösel habe sich des Themas angenommen. Weber würdigte auch den Einsatz des Alt-Oberbürgermeisters Peter Schnell, als "Volks-Oberbürgermeister", als Vorsitzender des Theater-Freundeskreises und als regelmäßiger Premierengast. Und dass Ministerpräsident Horst Seehofer, der nur aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst kommen konnte, seine Stellvertreterin Ilse Aigner schickte, sei ein weiteres "Signal der Wertschätzung". "Theater ist kein Beiwerk", sagte Weber, der entsprechend forderte, die Aufwendungen fürs Stadttheater von der Liste freiwilliger Leistungen zu streichen. Kulturförderung sei ein zentrales Gut.

Der Oberbürgermeister hob in seiner Rede hervor, wie in den vergangenen Jahren das Theater immer weiter gewachsen sei, mit Werkstatt- und Freilichtbühne, Studio, Kleinem Haus und bald auch den Kammerspielen. In der Ära Weber sei das Standardprogramm zudem um Kindertheater, Kleine Hausmusik, Pre-Work-Party, U 20-Poetry-Slam und vieles mehr ergänzt worden. "Ein frischer Wind" fege durch die alten Gemäuer, sagte Lösel.

"Theater bildet - in jeder Hinsicht", sagte Ilse Aigner in ihrer Festansprache. Stücke des Stadttheaters wie "Der Junge mit dem Koffer" seien an Aktualität nicht zu überbieten - ebenso der Titel der Spielzeit "Nur Mut". Dafür fördere Bayern wie kein anderes Bundesland staatliche Theater. In einem langen Exkurs zum Thema Flüchtlinge und Sicherheit der Bevölkerung sagte Aigner dann: "Ohne Begrenzung wird uns die Integration nicht gelingen", "die abscheulichen Übergriffe aus der Silvesternacht dürfen sich in unserem Land nicht wiederholen" und: "Wir geben keinen Rabatt auf unsere Werte."

So viel Politik bei der Jubiläums-Geburtstagsfeier des Stadttheaters stieß nicht bei jedem der vielen Hundert Besucher auf Gegenliebe. "Das war eine Themaverfehlung", ärgerte sich SPD-Stadtrat Manfred Schuhmann. Grünen-Stadträtin Barbara Leininger erklärte, sie habe sich "wie auf einem CSU-Parteitag" gefühlt. Und ihr Stadtratskollege Christian Höbusch twitterte am Abend: "Wo sind die Menschen, die die Räume mit Kunst füllen"

Tatsächlich traten die Ingolstädter Schauspieler nicht auf. Stattdessen spielte beim Festakt der Nachwuchs des Bayerischen Staatsorchesters aus München und verwandelte die Veranstaltung fast schon in eine Art Konzertabend. Jedenfalls wurden die Musiker des Jugendorchesters Attacca und der hochbegabte 24-jährige Geigensolist Albrecht Menzel mit Bravorufen und Pfiffen gefeiert. Das lag auch am optimistischen Programm in Dur: Beethovens Violinkonzert etwa und Dvoraks "Karneval".

Intendant Knut Weber konnte mit der Kritik nichts anfangen: "Ich denke, es war ein leidenschaftlicher Auftritt. Und wir feiern ja nicht das Schauspiel, sondern 50 Jahre Stadttheater", sagte er anschließendend im Foyer, wo sich rund um die Büffettische unzählige zwanglose Grüppchen gebildet hatten. Das Ensemble werde noch feiern - am Freitag nach der Premiere von "Der gute Mensch von Sezuan". Und dann stürzte sich Weber schon ins nächste Gespräch, so wie die vielen Hundert anderen Besucher. Um sich Anekdoten aus vergangenen Jahrzehnten zu erzählen und auf viele weitere Jahrzehnte mit dem Stadttheater anzustoßen.